Kronach — Zugunsten des Kronacher Hospizvereins fand ein Konzert in der Christuskirche in Kronach statt, das die Herzen der zahlreichen Besucher im doppelten Sinn erfüllte. Es sollte die Arbeit des überwiegend ehrenamtlich arbeitenden Hospizvereins unterstützt werden. Dekanatskantor Marius Popp machte das in seinen einführenden sehr deutlich und bat um großzügige und "lautlose" Spenden, damit diese wichtige Arbeit, die uns alle auf unserem letzten Weg noch lebenswerte Stunden bescheren kann, weiter fortgeführt und ausgebaut werden kann.
Mit dem passenden Thema "Jesu, meine Freude" gestaltete das Vokalensemble Heilbronn unter Leitung von Stefan Skobowsky eine sehr ansprechende Stunde. Bereits in Kyrie und Gloria von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) bewies der Chor saubere Intonation, Musikalität und wirkungsvollen Gesang in den emotionalen Bewegungen der Romantik.
Für den Renaissance-Komponisten Gallus Dressler (1533-1585) formierte sich der Chor im Kirchenraum anders, um in den Motetten aus dem "Heilbronner Musikschatz" "Herr, auf dich trau ich" (Psalm 31) und "Fürchte dich nicht" (Jesaja 41,10) mit deutlicher Aussprache die tänzerischen und rhythmischen Elemente umzusetzen.
Ganz anders wurde die Motette "Jesus und Nikodemus" von Ernst Pepping (1901-1981) konzipiert: Das reine Unisono der Bass-Stimmen, gleichsam wie ein Evangelist, beeindruckte ebenso wie die darauf antwortenden Tenor-Stimmen und die dann im immerwährenden Wechsel intonierenden Frauenstimmen. Skobowsky feuerte seinen Chor mit ausladender Gestik an, ebenso wie er es selber in der Sonate Nr. 1 f-Moll, op. 65 für Orgel von Felix Mendelssohn-Bartholdy im Allegro moderato e serioso tat, wo er ein sehr flottes Tempo für diesen ersten Satz wählte, dem der Choral "Was mein Gott will, das gscheh allzeit" zugrundeliegt. Im Wechsel dazu hatte er weiche und ruhige Register gezogen, die auch im Adagio zur Wirkung beitrugen. Das Andante recitativo war feierlich und rezitativ mit leichten Anleihen zur französischen Orgelmusik und im Allegro assai vivace konnte Skobowsky noch einmal virtuos mit accelerando auftrumpfen, was den konzentrierten Zuhörern einen spontanen Beifall entlockte.
Die Motette "Jesu, meine Freude" (BWV 227) von Johann Sebastian Bach (1985-1750) stand im Mittelpunkt des Konzerts und forderte dem Chor höchste Konzentration ab.
Wiederum äußerst deutlich in der Aussprache, transparent im Klang, spannend in der Interpretation, wenn auch für Barock-Musik etwas zu "klassisch", zeigte der Chor seine große Leistungsfähigkeit und beeindruckte das Publikum sichtlich.
Ein Sprung in die Moderne wurde noch einmal mit Knut Nysted (1915-2014) gemacht, der heuer 100 Jahre geworden wäre. Die komplexen Klänge, schwierige Intonation und Rhythmik gelangen durchweg in seinem Stück "Peace, I Leave With You" und brachten stehende Ovationen, die mit einer Zugabe des gleichen Komponisten "Laudate Dominum" belohnt wurden. kk