Zur Vernissage ihrer Ausstellung "Die Dritte" lädt die Produzentengalerie Burgkunstadt für Gegenwartskunst am heutigen Samstag um 17 Uhr ein. Gezeigt werden Werke der 1972 in Coburg geborenen und in Kronach arbeitenden Malerin Lisa Stöhr sowie der Bildhauer Adelbert Heil (Bamberg) und Rainer Kurka (Berlin).
Die Einführungsrede wird der Vorsitzende des Kunstvereins Kronach, Karol J. Hurec, halten; musikalisch wird die Ausstellungseröffnung von Jasmin Kenner, Clavinova, begleitet. Ausstellungsdauer ist vom 20 Mai bis zum 3. Juni, Öffnungszeiten der Galerie am Schönberg 3 in Burgkunstadt sind jeweils samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.
Die in Kronach arbeitende Künstlerin Lisa Stöhr studierte von 1998 bis 2004 Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei H. P. Adamski sowie in Porto und bei Georg Baselitz an der Universität der Künste in Berlin. 2006 erhielt sie ein Katalogstipendium des Bayerischen Kultusministeriums, 2013 bis 2016 das Atelierstipendium des Freistaates Bayern. In ihren abstrakt gehaltenen Bildern - Gouache, Öl, Acryl - erzählt sie Geschichten, Situationen und Szenen im explodierenden Farbfluss ebenso wie in sanft gehaltener, an voluminöse Zeichnungen erinnernde Mischtechnik. Ihre Werke faszinieren durch versteckte Gegenständlichkeit, die es vom Betrachter zu entdecken gilt.


Mensch als zentrales Thema

Adelbert Heil wurde 1958 in Kirchaich im Landkreis Haßberge geboren und arbeitet seit 1994 als Bildhauer in Bamberg. Sein zentrales Thema ist der Mensch, den er in seinen kleinformatigen Plastiken ebenso real und weltlich wie auch rätselhaft und magisch darstellt. Der Bamberger Kunsthistoriker Matthias Liebel beschreibt Heils Arbeiten unter anderem so: "Die schmalen Sockel, auf denen die dargestellten Figuren herumturnen, die Plattformen, die ihnen als Bewegungsfelder dienen und die Balanceakte, die sie in körpersprachlichen Dialogen mit einander ausführen, stehen symbolisch für das soziale Umfeld, in dem sich der Mensch bewegt, vor allem aber für die seelischen Dispositionen, die dem Individuum als psychologische Lebenswelten zu eigen sind."
Der 1974 in Erlangen geborene Bildhauer Rainer Kurka begann im Alter von 15 Jahren mit der Sandstein-Bildhauerei bei Reinhard Klesse in Bamberg. An der TU Darmstadt erlernte er bei Floriano Bodini († 2. Juli 2005) die Grundlagen des plastischen Gestaltens und später bei Ariel Auslender das figürliche Zeichnen und Modellieren. Seit 2009 lebt und arbeitet Rainer Kurka als freischaffender Bildhauer in Berlin.
Seine Terrakotta-Plastiken sind von bestechender Ausdruckskraft und sehen echten Menschen täuschend ähnlich. Inspiration findet der Künstler im Alltag bei den Menschen, denen er täglich begegnet. Seine Arbeiten sind jedoch keine Darstellungen real existierender Personen, sondern Produkte seiner Fantasie, die aber an Kleidung und Attitüde unverkennbar Personen der Gegenwart darstellen.
Die Produzentengalerie Burgkunstadt wurde im Februar von der Malerin Lucia Scheid-Nam und ihrem Ehemann Otto Scheid gegründet. Die Galeristin wurde in der südkoreanischen Metropole Daegu, rund 240 Kilometer von Seoul entfernt, geboren. Nach Deutschland kam die 20-jährige Young-Soon Nam 1974 als Krankenschwester an das damals neu errichtete Helmut-G.-Walther Klinikum in Lichtenfels. Seit sie in Rente ist, widmet sich Lucia - so nennt sie sich seit ihrer Taufe in Lichtenfels - ihrer großen Leidenschaft, dem Malen.
Für die Malerin, die vor ihrer Heirat eine Galerie am Pfahlplätzchen in Bamberg betrieben hatte und sich anschließend in Landshut als Mitinhaberin der dortigen Produzentengalerie engagierte, war der Umzug 2016 nach Burgkunstadt eine Rückkehr in die alte Heimat. Von der gegenständlichen Malerei des Naturalismus kommend, fand Lucia Scheid-Nam im Lauf der 1980er Jahre zu einer immer stärker vom expressiven Gestus getragenen Ausdrucksmalerei, mit der sich die Künstlerin zunehmend von der detailgetreuen Wiedergabe der sichtbaren Wirklichkeit löste. Dabei gelangte sie zu einer farbexplosiven Bildsprache, mir der sie ihre Ursprungsmotive - meist sind es Landschaften, Gebäude oder Stillleben - oft bis zur Unkenntlichkeit auflöst und in semi-abstrakte Bildwelten transponiert.