Hoch her ging es am Nachmittag des 25. Januar im Impfzentrum an der Fitz-Hornschuch-Straße. Die Stimmung war aufgeheizt, die Nerven lagen blank, viele, die einen Termin hatten, kamen offensichtlich erst einmal gar nicht dran. So auch die Freundin eines 36-jährigen Pizzabäckers aus Hof. Der Mann fing an, herumzuschreien, das Personal zu beleidigen, zeigte den Stinkefinger und drohte am Ende sogar noch mit einer Bombe. Wegen Beleidigung, Bedrohung und Störung des öffentlichen Friedens wurde er deshalb jetzt zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Natürlich hätte es unter normalen Umständen nicht gleich eine Haftstrafe gegeben. Der Angeklagte hatte allerdings schon acht Vorstrafen, jedes Mal Bedrohungen, Beleidigungen oder Sachbeschädigungen, jedes Mal das gleiche Muster und fast jedes Mal auch die gleichen Ausdrücke. Bei der letzten Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe war noch nicht einmal die Bewährungszeit abgelaufen. Ein weiteres Verfahren, bei dem er ebenfalls seine Ex-Freundin bedroht haben soll, steht noch aus.

Sein Ausraster im Impfzentrum hat aber auch noch einen anderen Grund: der Angeklagte war mit fast 2,5 Promille Alkohol im Blut schwer betrunken. Dazu kommt, dass ihm bereits eine emotionale Störung attestiert wurde und er unter Betreuung steht.

So kam es, dass er an jenem 25. Januar seine Freundin eigentlich nur zu deren Impftermin begleiten wollte. Weil dort nichts vorwärtsging, begann er herumzuschreien, das Personal mit unflätigen Ausdrücken zu beschimpfen und den Beschäftigten den Stinkefinger zu zeigen. Doch damit nicht genug. Als er mehr oder weniger hinausgeworfen wurde, drohte er auch noch, alle mit einer Bombe in die Luft zu sprengen.

Vor Gericht bereute der Angeklagte, was er getan hatte. "Mit tut das alles wirklich sehr leid", sagte er mehrmals. Aus freien Stücken hatte er sich bei den drei Beschäftigten, die er beleidigt hatte, sogar mit einem langen handschriftlichen Brief entschuldigt. "Der Brief kam von Herzen, das hat man gemerkt", sagte einer der Betroffenen, ein Security-Mitarbeiter aus Bayreuth. Der Zeuge sagte aber auch, dass es die meist älteren Leute im Impfzentrum schon mit der Angst zu tun bekamen, als sich der Angeklagte plötzlich so daneben benahm.

Bereits die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe gefordert. Die Anklagevertreterin wollte sogar acht Monate Gefängnis. Verteidiger Ralph Pittroff sah dagegen eine Geldstrafe in Höhe von 140 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro (2800 Euro) als ausreichend an.

Doch Geldstrafen hätten auch bisher nichts gebracht, sagte Richterin Sieglinde Tettmann. Immer wieder habe der Angeklagte ähnlich gelagerte Taten begangen und sich weder von Geldstrafen noch von Bewährungsstrafen beeindrucken lassen. Ihr Urteil lautete deshalb auf sechs Monate ohne Bewährung wegen Beleidigung, Bedrohung und Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung einer Straftat.