Er möge in Zukunft möglichst defensiv fahren und sich im Straßenverkehr bloß nicht auf irgendwelche Streitigkeiten einlassen. Diesen Tipp gab Richterin Sieglinde Tettmann am Ende einer Verhandlung vor dem Kulmbacher Amtsgericht einem 59-jährigen Mann aus dem östlichen Landkreis mit auf dem Weg.

Der Mechaniker musste sich ursprünglich wegen einer Straßenverkehrsgefährdung und wegen Nötigung vor Gericht verantworten. Das Verfahren wurde nach einigem Hin und Her zwar eingestellt, doch muss der Mann 500 Euro als Geldauflage an die Kreisverkehrswacht Kulmbach überweisen. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, es Ende April des vergangenen Jahres auf der Bundesstraße 303 zwischen Ludwigschorgast und Wirsberg nicht zugelassen zu haben, dass ihn ein 41-jähriger Autofahrer überholte.

Erst soll er ganz langsam gefahren sein, als der 41-Jährige zum Überholen ansetzte, soll er dann so heftig beschleunigt haben, dass der Mann mit seinem Wagen nicht vorbei kam.

Plötzlich Gas gegeben

Als sich der Überholende dann wieder zurückfallen ließ, bremste der Angeklagte angeblich auch wieder ab. Das gefährliche Spiel wiederholte sich laut Anklageschrift mehrmals. Erst der aufkommende Gegenverkehr habe das Ganze beendet und der 41-Jährige habe gerade noch einscheren können. Es sei lediglich einem Zufall zu verdanken, dass es nicht zu einem Unfall mit Personenschaden kam, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft beim Verlesen der Anklageschrift.

Vor Gericht stand dann aber Aussage gegen Aussage. Der Angeklagte drehte die Sache ins Gegenteil und gab an, dass der 41-Jährige mehrfach äußerst dicht auf sein Fahrzeug aufgefahren sei. Er habe sich bedrängt gefühlt, sei deshalb sogar froh gewesen, als er schlussendlich überholt hatte. Dabei habe er ihm auch noch durch ein Abbremsen ermöglicht, einzuscheren.

Der 41-jährige blieb dagegen bei seiner Version. Sogar noch dreckig angegrinst habe ihn der Angeklagte. Er sei nachher mit den Nerven ganz fertig gewesen und habe sogar gezittert, so brenzlig sei die Situation gewesen.

Nachspiel bei Neuenmarkt

Das Ganze hatte allerdings noch ein Nachspiel. Kurz vor Neuenmarkt hielten beide an, wobei der 41-Jährige den Angeklagten zur Rede stellte. Er habe die Autotür aufgerissen und ihn beschimpft, sagte der Angeklagte. Ob er ihm wegen seines Verhaltens auch Schläge angedroht hatte, konnte nicht mehr geklärt werden. "Ich habe ihn gefragt, ob er noch ganz dicht ist", räumte der 41-Jährige ein. Danach fuhren beide unabhängig voneinander zur Polizei nach Kulmbach.

Nach langen Diskussionen kam Richterin Tettmann zu dem Schluss, dass der Tatbestand der Straßenverkehrsgefährdung nicht erfüllt ist. Nachdem auch noch das entgegenkommende Auto angehalten hatte und sich der Fahrer als Zeuge zur Verfügung stellen wollte, stand für sie fest, dass die Situation nicht so brenzlig gewesen sein konnte, wie ursprünglich beschrieben.

Blieb der Vorwurf der Nötigung, der sich nach Einschätzung aller Beteiligten aufgrund der verschiedenen Aussagen aber nicht mehr genau klären ließ. Die Richterin stellte kurzerhand das Verfahren mit Zustimmung aller Beteiligten ein. Der bislang unbescholtene Angeklagte gilt damit nicht als vorbestraft, sofern er die 500 Euro an die Kreisverkehrswacht überweist.