von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — In selbstbewusster Erwartung stand der angeklagte Burgkunstadter da. "Ich schaue mir das Ganze pauschal mal an", sagte der 40-Jährige und stellte wenig später gar die Existenz der Bundesrepublik Deutschland in Abrede.
Der Mann, der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt war, blaffte Richter Christoph Lehmann sogar an, dass dieser "von den Besatzungsmächten nicht bestellt" sei, um über ihn zu richten. Das Urteil kam nach zwei Stunden Verhandlungsdauer aber doch, denn das Gericht wies dem 40-jährigen eine eindeutige Schuld nach.
Zwei Stunden lang harrte der Beschuldigte stehend aus und folgte dem Geschehen. Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Michael Imhof, warf ihm vor, am 1. Mai 2013 in Burgkunstadt einen alkoholisierten Maiausflügler derart verprügelt zu haben, dass er ihm, dem Wehrlosen, sogar mit beschuhtem Fuß gegen den Oberkörper trat. Die Folge: eine stationäre Behandlung im Klinikum Lichtenfels.
Der Angeklagte legte Wert darauf, nicht mit Herr, sondern Mensch angesprochen zu werden und gab überdies an, keine weiteren Angaben zu dem Fall machen zu wollen. Allerdings entwickelten sich während der Verhandlung immer wieder kurze Gespräche zwischen ihm und seiner Mutter, weswegen Richter Christoph Lehmann sich genötigt sah, zur Unterbindung einen Wachmann zwischen die beiden zu setzen.
Der Tathergang wurde von verschiedenen Zeugen im Wesentlichen identisch geschildert: Einen Bollerwagen ziehend begegnete das Opfer, gleichfalls ein Burgkunstadter, in der Nähe des Bahnhofs einem aus einer Parkbucht fahrenden Pkw. Dieser wurde von der Mutter des Angeklagten gefahren, und als der Mann mit dem Bollerwagen in seiner Nähe stand, stieg der beifahrende Sohn aus, und es kam zu gegenseitigen Beleidigungen. Nichtiger Anlass soll nach Erinnerung eines Zeugen gewesen sein, dass der Ausflügler wohl gegen das Auto geschlagen habe. Die eigene Erinnerung schien das Opfer zu trügen, denn es sprach davon, recht unvermittelt einen Schlag erhalten zu haben. Eine andere Zeugenaussage hingegen ließ vermuten, dass das Opfer dem sich abwendenden Beifahrer einen Schubser versetzt habe, wonach das Unglück seinen Lauf nahm.
Mit zwei Faustschlägen ins Gesicht wurde das Opfer niedergestreckt, hernach soll es noch mehrere Tritte gegeben haben. "Ich habe echt gedacht, der schlägt den tot", sagte eine 44-jährige Zeugin. Als sie davon sprach, dass der Täter sein Opfer "auf den Boden gelegt und auf ihn eingeschlagen" habe, wurde gar ein Murmeln unter den Prozesszuschauern vernehmlich. Fünf Zeugen traten auf, aber alle ihre Aussagen deuten in die gleiche Richtung und ließen kaum Zweifel daran, dass der Beifahrer der Aggressor war. "Selten ein so klares Ergebnis", resümierte Richter Lehmann. Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte er den 40-jährigen Burgkunstadter zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe und zur Zahlung von 500 Euro an den Geschädigten. Die letzten Worte des 40-Jährigen: "Das Gericht hat keine Befugnis. Wir sind in einer Firma, das ist kein staatliches Gericht."