Haßfurt — Seit Jahren betreibt die Stadt Haßfurt einen kleinen Wertstoffhof an der Uchenhofener Straße. Er befindet sich auf dem Tiefbaugelände des Landkreises. Ursprünglich war dieser Hof dazu gedacht, die Anfahrt von Anliegern aus den beiden Siedlungsgebieten "Anger" und "Distelfeld" zu ermöglichen. Die zentrale Wertstoffannahme am Poldergraben liegt nämlich schon auf halbem Weg nach Augsfeld.
Doch die Verhältnisse im Westen Haßfurts haben sich spürbar geändert. Seit Ende der 90er-Jahre ist am Osterfeld ein neuer Stadtteil entstanden, der weiter in Richtung Wülflingen wächst. 1010 Einwohner lebten zum Stand Juni 2015 westlich der Uchenhofener Straße, mehrere hundert werden noch dazu kommen.


Gefahr auf der Straße

Umweltbewusst, wie die vielen jungen Familien und alle Neueinwohner sind, werden die gesammelten Wertstoffe aus den nordwestlichen Stadtteilen der Kernstadt im nahe gelegenen Bauhof abgeliefert. Doch der reicht nicht mehr aus, meint die Haßfurter CSU, die das Areal besichtigte. Die Fläche ist zu klein geworden. Es fehlt an Containern für Mischkunststoffe, manche Wertstoffe werden gar nicht angenommen. Der Parkplatz innen ist viel zu knapp bemessen, die Zufahrt schmal. Immer wieder kommen Fahrzeuge schon in der Ausfahrt oder gar auf der Straße zum Stehen. Nicht ungefährlich ist das, immerhin liegt das Gelände außerhalb des Ortsschildes und bisweilen wird dort schnell gefahren.
"Einige Bürger berichteten meinem CSU-Ortsverband von den Problemen. Wenn unsere Mitglieder mit solchen Anliegen an uns herantreten, reagieren wir immer so schnell wie möglich, machen uns selbst ein Bild von der Situation und prüfen dann, ob und wie wir helfen können," sagt die Vorsitzende Sandra Grimm. Aus diesem Grund lud sie zu einer Besichtigung. Sie kam mit einigen Vertretern des Stadtrates sowie Kreisrat Georg Hiernickel und Fraktionschef Norbert Geier ins Gespräch mit den Anwohnern.
"Trotz der Disziplin der Anlieferer kommt man sich durch die Enge auf dem Platz ins Gehege", stellte Norbert Geier fest. Fahrzeuge müssen beim Ein- und Ausfahren rangieren, die Nutzer schlängeln sich zeitweise durch die parkenden und haltenden Autos durch, um zu den Containern zu gelangen. Die beiden Grünschnittbehälter waren gegen 11 Uhr randvoll. Georg Hiernickel hielt fest, dass die abgestellten Bänke, Holzarbeiten und Material der Naturparkverwaltung die Fläche zusätzlich einengen. "Auf lange Sicht ist das kein Zustand. Haßfurt braucht im Westen einfach einen größeren Wertstoffhof," war das Fazit der CSU. Hiernickel will daher als Kreisrat einen Antrag beim Umwelt- und Werkausschuss des Landkreises einbringen. Dessen Abfallwirtschaft ist für die Unterhaltung der Einrichtung zuständig.


Gelbe Tonne?

Es wird wohl keine schnelle Lösung geben. Dazu müssen Wege und Stellflächen auf dem Gelände ganz neu geordnet werden. Die Alternative, ein anderer Standort, wird ohnehin nicht gleich zu verwirklichen sein. Zudem gibt es Überlegungen, die Wertstofferfassung auf die gelbe Tonne umzustellen. Doch ein neues Sammelverfahren würde die Wertstoffhöfe nicht abschaffen. Denn im gelben Sack kann nicht alles eingesammelt werden, was an Wertstoffen anfällt, Grünschnitt oder Kleinmengen an Sperrmüll schon gar nicht.
Umgekehrt würden die Einnahmen aus der heutigen Erfassung von Leichtplastik weitgehend wegfallen. Georg Hiernickel kennt als Kreistagsmitglied die Zusammenhänge. "Wir werden uns gut überlegen müssen, ob wir ein bewährtes System kippen," sagte er. Die Abfallwirtschaft habe die dualen Entsorgungswege gut gemeistert und arbeite seit Jahrzehnten wirtschaftlich. Die gelbe Tonne bedeute weniger Service. red