Für den Männergesangverein "Harmonie" Oberlangenstadt hat auch Corona Einschränkungen gebracht. Der Auftritt zur Einweihung der Gedenktafel für Mutz Böhm war Ansporn, mit dem Singen zu beginnen. Die ersten Singstunden hatten vor der Sommerpause stattgefunden, allerdings unter den strengen Auflagen - die Singstunden wurden geteilt, die erste Stunde probten die Tenöre, in der zweiten die Bässe.

Mit dem Wiederbeginn nach der Pause wurden zwar alle Stimmen zusammengenommen, allerdings mit dem notwendigen Abstand, den entsprechenden Pausen und Lüften. So war es möglich, den Singbetrieb durchzuführen und die Gedenktafel-Einweihung auszugestalten.

Spezielles Liedgut ausgesucht

Ausgesucht wurde unter anderem das "Oberlangenstädter Lied" mit Text von Siegmund Fischer, der direkt am Eingang des Schlossparks wohnte. Das weitere Lied "Frühling in Oberlangenstadt" wurde von Heinrich Herzog getextet; dieser wohnte direkt neben dem Geburtshaus von Adolph Kurt Böhm. Die Familien Böhm und Herzog waren gut befreundet, die Verbindungen werden bis zum heutigen Tag gepflegt.

Die Witwe von Mutz Böhm und Tochter Lieselotte von Heinrich Herzog sowie Enkelkinder nahmen an der Gedenkstunde teil.

Heinrich Herzog war bereits im Kriegseinsatz. Die Sehnsucht nach der Heimat mit dem Leben im Dorf, die Kastanien, das Wirtshaus, die steinerne Brück, der Brunnen mit den Linden und die Umgebung wurden von ihm beschrieben. Das Lied wurde dem seinerzeitigen Dirigenten Heinrich Baier aus Au gewidmet. Auch Baier wurde zum Kriegsdienst einberufen, und beide kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Fünf weitere Sänger der "Harmonie" wurden außerdem noch Opfer des unseligen Krieges.

Am Geburtshaus angebracht

Auf Initiative der Küpser Cellistin Ulrike Gossel wurde die Gedenktafel am Geburtshaus in Oberlangenstadt "Alte Poststraße 23" zu Ehren von Adolph Kurt Böhm angebracht. Die Tafel wurde vom Verein Kultur Küps finanziert.

Bernd Rebhan übernahm als Vorsitzender des Vereins und Bürgermeister von Küps als Veranstalter die Begrüßung und schilderte das Leben und Wirken des Künstlers. Bereits mit sieben Jahren musste Böhm mit seinen jüdischen Eltern nach Paris emigrieren. Dort hatte er internationale Erfolge als Pianist, Komponist, Maler und Autor. Nach Deutschland kehrte er nach Murnau zurück und vertonte über 500 Gedichte bekannter Poeten; dort starb er im Februar dieses Jahres.

Die Dirigentin der "Harmonie", Annerose Röder, lernte Adolph Böhm im Jahr 2001 bei einem Konzert in Kloster Banz kennen. Als Rezensentin des Coburger Tageblattes bezeichnete sie Böhm als "Schubert des 20. Jahrhunderts" und war sofort bereit, den Gesangverein "Harmonie" für die Mitwirkung bei der Feierstunde einzubinden.

Neue Sänger sind willkommen

So sangen die Sänger die beiden Oberlangenstädter Heimatlieder sowie zu einem eigens von Ulrike Gossel und Annerose Röder arrangierten Kunstlied "Pfeifen" für Cello und Männerchor. Die Sänger stellten sich vorbildlich im Zwei-Meter-Abstand zueinander auf und konnten somit wirkungsvoll den Auftritt gestalten.

Auch für die Zukunft will der Männerchor gerüstet sein. Deshalb finden die Chorproben weiterhin donnerstags ab 19 Uhr im Proberaum im Obergeschoss der Alten Schule statt. Gerne sind neue Sänger zu den Proben willkommen. red