Haßfurt — Im "Garten der vergessenen Pflanzen" des Kolping-Bildungszentrums in Haßfurt finden Langzeitarbeitslose ihren Weg zurück in die Arbeitswelt. Davon berichtet das Bildungszentrum.
Steffen enpfindet sich selbst als angekommen. Auf seinem langen Weg nach dem richtigen Arbeitsplatz ist er nun jeden Tag von Eukalyptus und Paprika, Chili und Erdbeeren, Kakteen, Tomaten, Farnen und "Indianerbanane" umgeben. Er hat sein "Gartenparadies" gefunden. "Im September kam ich hierher in den ,Garten der vergessenen Pflanzen‘", erzählt der 30-Jährige. Seitdem er mit Anleiter Michael Hauck hier arbeitet, gehe es ihm besser: "Endlich gibt es wieder einen Grund, warum ich morgens aufstehe."

Beginn 2011

2011 begann das Team des Kolping-Bildungszentrums Schweinfurt, den "Garten der vergessenen Pflanzen" in Haßfurt nahe dem Gelände des Turnvereins am Eichelsee anzulegen. Er ergänzt seither die ebenfalls in Haßfurt angesiedelte Kreativ- und Textilwerkstatt, in der sich Menschen, die lange aus der Arbeit waren, wieder fit für den Job machen können.
15 Langzeitarbeitslose sind aktuell in die Bildungsmaßnahme integriert. "Zehn davon arbeiten im Garten", berichtet die Pädagogin Daniela Schwarz.
Hinter Steffen liegen vier Jahre Arbeitslosigkeit. Einen festen Job zu finden, damit tat sich der junge Mann sehr schwer. Der Familienvater, der bald Nachwuchs bekommt, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Das war nur wenig befriedigend. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Arbeitsalltag waren oft schwierig. Im "Garten der vergessenen Pflanzen" ist jedoch alles anders, als er es bisher kannte: "Michael Hauck ist ein vorbildlicher Anleiter. Das erleichtert das tägliche Aufstehen, und ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit. Nach der langen Arbeitslosigkeit ist es einfach schön, abends zufrieden nach Hause zu kommen und zu wissen, dass man etwas geschafft hat."
Steffen hat keinen einfachen Weg hinter sich. Doch einigen seiner Kollegen geht es wesentlich schlechter. "Einige unserer ,Gärtner‘ sind psychisch belastet", berichtet Daniela Schwarz. Teils müssen depressive Phasen durchgestanden werden. "Gerade ihnen tut der Garten unheimlich gut", sagt Hauck. Er zeigt nicht nur, wie man Pflanzen richtig gießt, was bei der Vermehrung von Obst- und Gemüsesorten zu beachten ist und woran man erkennt, ob etwas Grünes Unkraut oder eine botanische Rarität ist.

Seelische Befindlichkeit

Michael Hauck kümmert sich auch darum, wie es seinen Mitarbeitern im Garten geht. Manch einem gelang es durch den intensiven Umgang mit und in der Natur, sich zu stabilisieren. Bewegung an der frischen Luft tut gut.
Andere schafften vom Garten aus den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt. "Das war im vergangenen Jahr bei einem seit Jahren schwer vermittelbaren Teilnehmer von Mitte 40 der Fall", sagt Maria Kraft, Leiterin des Schweinfurter Kolping-Bildungszentrums.
Vielleicht gelingt dies auch Steffen. "Bis ich hierher kam, habe ich mich für Gartenarbeit überhaupt nicht interessiert." Das hat sich in den letzten Monaten schlagartig geändert. Steffen entdeckte für sich, welchen essbaren Genuss "Grünzeug" bietet. Und wie gefährlich Pflanzen sein können. Zum Beispiel die Chilisorte "Red Scorpion", deren Schärfegrad alles übersteigt, was er bisher gegessen hat. Steffen ist glücklich, im "Garten der vergessenen Pflanzen" des Kolping-Bildungszentrums Schweinfurt eine Aufgabe und mit Anleiter Michael Hauck einen guten Chef gefunden zu haben.