von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Burgkunstadt — Es sind nicht nur die großen Gotteshäuser oder malerische Altstädte, die die baukulturelle Identität formen. "Auch die Industriebauten prägen eine Region", sagte Landrat Christian Meißner (CSU) bei der Eröffnung des "Tags des offenen Denkmals" in der ehemaligen Schuhfabrik Iglauer in Burgkunstadt. Seit 23 Jahren wird der Tag deutschlandweit gefeiert. In diesem Jahr stand er unter dem Motto "Handwerk, Technik, Industrie".
Meißner bezeichnete die Sanierung des Gebäudes, das heute der Firma Signet als Ausstellungsfläche dient, als ein gutes Beispiel für die gelungene Nutzung eines historischen Gewerbegebäudes. Auch wenn es sich hier nicht um ein eingetragenes Baudenkmal handelt, sei es von den Bauherren im Sinne der Denkmalpflege saniert worden. Durch den Erhalt des Gebäudes sei es gelungen, das Ortsbild in der Lichtenfelser Straße wesentlich zu bereichern und einen wichtigen Aspekt der Burgkunstadter Wirtschaftsgeschichte für die Nachwelt zu erhalten.
Denkmäler aller Art erinnerten an die Vergangenheit, sagte Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU). Sie beklagte, dass alte Häuser, Feldscheunen und Denkmäler oft dem Verfall preisgegeben werden. Wenn ein altes Gebäude zusammenfalle, biete sich ein Bild des Jammers. Oft dränge sich dabei der Verdacht eines aktiven Verfalls auf.
In seinem Festvortrag ging Bezirksheimatpfleger Günter Dippold auf die "Industrie und Industriedenkmäler im Landkreis Lichtenfels" ein. Seiner Ansicht nach dürften die Täler von Main und Rodach zu den am frühesten und am stärksten industrialisierten Landstrichen in Bayern zählen.


Erste Porzellanfabrik Frankens

Hier hatte eine der ersten Porzellanfabriken Frankens ihren Sitz sowie weitere feinkeramische Werke und eine bedeutende Schuhproduktion. Daneben gab es in der Region Exportbrauereien, Wurstfabriken, Leimfabriken und in der jüngeren Geschichte auch eine starke Bekleidungs- und Kinderwagenindustrie, Polstermöbel und eine kunststoffverarbeitende Wirtschaft. 1782 entstand in Schney eine der ersten fränkischen Porzellanfabriken, die gemeinsam mit der 1803 vom Lichtenfelser Holzhändler Joseph Felix Silbermann gegründeten Fabrik wenige Jahrzehnte später zu den größten Porzellanfabriken Bayerns zählte.
Zu den Exportschlagern gehörten henkellose Mokkatassen. "Um dieselbe Zeit machte sich die Korbmacherei daran, ebenfalls den europäischen und dann den Weltmarkt zu erobern", erläuterte Dippold. Für Burgkunstadt stieß Joseph Weiermann 1888 die Tür zu einer neuen Zeit auf, indem er die erste Schuhfabrik gründete. Ihm eiferten andere nach, wie Püls, Pretzfelder, Riexinger und nicht zuletzt Carl Iglauer. Diese und weitere Unternehmen hätten bauliche Spuren hinterlassen, Geschäfts- und Lagerhäuser, Fabrikantenvillen, ansehnliche Wohnhäuser gut situierter Angestellter, aber auch bescheidene Häuser von Korbmachern sowie Mietshäuser für Arbeiter. Industriedenkmäler seien laut Dippold besonders von Verlusten betroffen. Dabei müsse ein Denkmal nicht künstlerisch bedeutsam sein, sondern müsse Geschichten erzählen. Wer eine Fabrik erhält, der statte denen, die einmal darin gearbeitet hätten Respekt ab. Sein Dank galt Carola und Gerald Klimke, die die ehemalige Schuhfabrik Iglauer mit Leben erfüllten und heute als Showroom für ihre Möbel nutzten.
Im Landkreis hatten noch weitere Denkmäler ihre Türen geöffnet: unter anderen das Schustermuseum in Burgkunstadt, das Korbmuseum in Michelau, im Raum Bad Staffelstein konnte in Horsdorf die Fuchsenmühle besichtigt werden.
In Weismain führte der Geologe Friedrich Leitz interessierte Besucher durch die Stadt zum Thema "Sandstein an historischen Bauwerken in Weismain". Die musikalische Ausgestaltung der Eröffnungsveranstaltung übernahm die A-cappella-Gruppe "Sechs Zylinder".