Zu den Entlassungen bei GE Concept Laser ging uns folgender Leserbrief zu: 90 Arbeitsplätze will der zum US-Konzern General Electric (GE) gehörige Lichtenfelser Betrieb Concept Laser vernichten. Als Grund werden rückläufige Auftragseingänge aus der Luftfahrtindustrie genannt. Tatsächlich werden heute 35 Prozent der Teile des Turboproptriebwerkes von GE (Aviation) additiv, das heißt im 3D-Druckverfahren, hergestellt.

Doch wurde nicht in der Vergangenheit von den Verantwortlichen bei Concept Laser betont, dass diese additiven Verfahren auch in anderen Bereichen u. a. der Medizintechnik Anwendung finden?

Die Frage stellt sich doch, warum Concept Laser so einseitig auf den Flugzeugbau ausgerichtet ist? Gerade in der Corona- Pandemie gibt es doch einen ungeheuren Bedarf für medizinische Güter und Geräte. So stellte ein Hamburger Konkurrent vor kurzem sogar Beatmungsgeräte im 3D-Druckverfahren her. Offensichtlich ist es die Ausrichtung auf die Maximalprofit versprechenden Geschäftsbereiche bei einem Konzern wie GE, die den Takt diktieren, und nicht die Bedürfnisse der Gesellschaft.

GE war in der Lage, 540 Millionen Euro für den 75-Prozent- Anteil von Werner Herzog sowie 120 Millionen Euro für den Neubau in Seubersdorf auf den Tisch zu legen. Jetzt sollen nach Vorgaben des Konzernvorstandes in den USA 25 Prozent der Belegschaft weltweit gehen. Für Lichtenfels bedeutet das 90 Arbeitsplätze von 420, während gleichzeitig in Seubersdorf einige Abteilungen 60 Stunden arbeiten.

Für mich unverständlich, dass solche Gesellschaften von den politisch Verantwortlichen auch noch aus unseren Steuergeldern gefördert und als "Leuchtturmprojekte" gelobt werden. Der Betrieb, der sich selbst in den höchsten Tönen lobt, an der Spitze des industriellen Fortschritts zu stehen, zahlt seinen hochqualifizierten Beschäftigten Handwerkstarif. 2019 wurde dort die Gründung eines Betriebsrates mit massivem Druck verhindert.

Warum kommt der technische Fortschritt nur einigen wenigen in dieser Gesellschaft zugute? Ich finde den Gedanken der Vier- Tage-Woche, wie er in der IG-Metall gegenwärtig diskutiert wird, goldrichtig, allerdings bei vollem Lohnausgleich. Eine 30- Stunden-Woche bei Concept Laser würde 120 neue Arbeitsplätze bringen. Die bekommt aber niemand geschenkt, die muss erkämpft werden auf Kosten der Profite. Dazu muss ein Zustand ohne Gewerkschaften und mit eingeschränkten Arbeitnehmerrechten, wie er weltweit bei GE gang und gäbe ist, beendet werden. Das erfordert auch ein Umdenken der Beschäftigten in der High-Tech-Industrie, wo nicht wenige Gewerkschaften und Streiks für Relikte aus dem letzten Jahrhundert halten.

Johannes Rupprecht

Lichtenfels