Der Kiebitz ist ein Charaktervogel der feuchten Wiesen und Weiden und er ist hochbedroht. In Bayern wird er auf der Roten Liste als stark gefährdet geführt. Auch im Coburger Land werden die "Gauckler und Akrobaten der Lüfte" immer seltener. "Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Kiebitz bei uns endgültig verschwunden ist", sagt der Gebietsbetreuer Christian Fischer vom Landesbund für Vogelschutz (LBV).

Die Intensivierung der Grünlandbewirtschaftung mit schnell- und hochwachsenden Gräsern macht der LBV dafür verantwortlich, dass sich Kiebitze dort nicht mehr wohlfühlen und dort ihren Nachwuchs nicht mehr aufziehen können. Nun begann vor wenigen Tagen die Brutzeit, und wieder legen die Kiebitze ihre Nester verstärkt auf Äckern an, so die Beobachtung des Gebietsbetreuers. "Doch um hier überleben zu können, braucht der Kiebitz die Unterstützung der Landwirte", sagt Christian Fischer.

Im Coburger Land baut der Kiebitz sein Nest besonders gern auf Wintergetreide- und Stoppeläcker, auf denen die Aussaat erst etwas später im Frühjahr erfolgt. Die Vögel schätzen die dunkle Färbung des Bodens und die gute Rundumsicht, die für sie wichtig sind, um Feinde rechtzeitig entdecken zu können. Doch bis die Küken etwa Anfang Mai schlüpfen, werden die Maisäcker bestellt und die Saat wird ausgebracht. "Das Problem ist also, dass die Bruten nicht immer erkannt und Nester mit den gut getarnten Eiern bei der Feldbearbeitung unabsichtlich zerstört werden", erklärt der Gebietsbetreuer. Doch das kann seiner Meinung nach leicht vermieden werden. So könnten die Nester noch vor den anstehenden Feldarbeiten ausfindig gemacht und mit Holzstäben markiert werden. Die brütenden Kiebitze störe das ebenso wenig wie der Maschinenzug, der das Nest geringfügig umfährt, ist Christian Fischer überzeugt. Durch diese Schutzmaßnahme wird seiner Ansicht nach weder die Bearbeitung der Felder erschwert noch der Ertrag geschmälert. Gleichzeitig leisteten die Landwirte damit einen unschätzbaren Beitrag zum Erhalt der Kiebitze.

Hans Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Coburg, stimmt ihm weitgehend zu. Allerdings mit einer Einschränkung: "Wenn es sich tatsächlich um einzelne oder sehr wenige Gelege handelt, ist das sicher kein Problem. Doch wenn es mehrere sind, die vielleicht so verteilt sind, dass mit einer fünf oder sechs Meter breiten Maschine nicht mehr so einfach drum herum gearbeitet werden kann, dann wird es schwierig."

Christian Fischer fände es vorteilhaft, die Bewirtschaftungsgänge auf möglichst eine Woche zu begrenzen, und die Äcker in trockenen Jahren möglichst früh zu bestellen, und in nassen Jahren die Maisaussaat nach Möglichkeit in den Mai hinauszuschieben. Doch auch da stehen unter Umständen Gründe dagegen, die das nicht immer möglich machen - etwa der Einsatz von Fremdkräften mit ihren Maschinen, der geplant und terminlich gebunden werden muss.

Alle sind verantwortlich

Der Schutz der Kiebitze braucht nicht allein das Verständnis und das Engagement der Landwirte, betont Christian Fischer. Jeder, der sich in der freien Natur bewegt, sei verantwortlich für den Schutz der Natur: Jäger, Hundeführer, Reiter, Sportler, Naturbeobachter und viele mehr. Jeder möchte auf seine Weise die Natur genießen. "Achten Sie hierbei im Zeitraum von Mitte März bis Ende Juli bitte auf die Kiebitze, bleiben Sie bitte auf den Wegen und nehmen Sie ihren Hund an die kurze Leine", appelliert der Gebietsbetreuer an die Naturliebhaber.

Weitere Arten betroffen

Es sind nicht nur die Kiebitze, die bei uns im Coburger Land vom Aussterben bedroht sind, gibt der LBV zu bedenken, sondern auch viele andere bei uns ehemals häufige Vogelarten des Offenlands wie das Braunkehlchen, die Bekassine oder der Wiesenpieper. Diese Zugvögel sind vielen Gefahren ausgesetzt - die lauern in den Überwinterungsgebieten wie auf dem Zug.

Doch bei uns sind ihre Brutgebiete: Bei uns ziehen sie ihren Nachwuchs groß. Das gelingt ihnen aber häufig nicht mehr, weil sie in der heutigen Landschaft keinen richtigen Platz mehr haben und weil sie so häufig gestört werden. Wo der Nachwuchs fehlt, da können Verluste nicht mehr ausgeglichen werden und die Arten verschwinden. "Mit zunehmender Seltenheit geraten diese Vögel immer mehr in Vergessenheit, kaum jemand kennt sie leider noch", bedauert Christian Fischer und ruft deswegen zur Mithilfe im Wiesenbrüterschutz auf.

Wer mehr Informationen darüber möchte, was für den Schutz der Kiebitze und aller anderen Wiesenbrüter getan werden kann, erreicht Gebietsbetreuer Christian Fischer unter der Telefonnummer 0172/8945178 oder per E-Mail unter christian.fischer@lbv.de.