Coburg/Berlin — Hans Morhard versuchte zu recherchieren, wer ihn zum Bundespräsidenten brachte. Und warum ausgerechnet ihn? Das Innenministerium, so sagt er, habe ihn vorgeschlagen. Dort wurde ihm zu verstehen gegeben, man beziehe sich auf eine Empfehlung der Baye rischen Staatsregierung in München. An entsprechender Stelle wiederum habe es geheißen, Morhards ehrenamtliches Engagement für an Krebs erkrankte Menschen sei ursprünglich bei der Regierung von Oberfranken positiv aufgefallen. Doch wer genau ihn dort Joachim Gauck ans Herz legte, "das bleibt ein Geheimnis", sagt Morhard. Der 68-jährige Lichtenfelser reiste auf Einladung von Bundespräsident Gauck zum Bürgerfest nach Berlin.
Der Bundespräsident tritt aus Schloss Bellevue. 6000 Menschen sind hier im Park und großen Garten versammelt. Sie alle gingen durch "Kontrollen wie am Flughafen", erinnert sich Morhard. Wenn der "erste Mann im Staat" wie in jedem Jahr das Ehrenamt mit Bürgern feiert, muss es sicher zugehen. Eine große Bühne, unzählige Zelte, ein fröhliches Spalier junger Menschen aus der ganzen Welt, unterschiedliche Speisen, Sektempfang und Moderatoren wie Eckart von Hirschhausen.
Hans Morhard soll all dem beiwohnen, weil er sich - obwohl selbst an Krebs erkrankt - im Sinne krebskranker Menschen einbringt. Er müsste das nicht tun, er tut es aber.
Eigentlich habe er sich seinen Lebensabend anders vorgestellt, erzählt Morhard. "Ich wollte eigentlich kein Ehrenamt mehr annehmen. Ich habe das Auwachsen meiner Kinder nicht so mitgekriegt und wollte mich mehr den Enkeln widmen", erzählt der beruflich lange Zeit stark eingespannte Mann, der auch als Begründer des Lichtenfelser Korbmarktes gilt.


Selbst an Krebs erkrankt

Dann, vor drei Jahren, kam die tückische Diagnose: Krebs. Einem Arzt fühlte er sich durch dessen Beistand besonders verbunden, und der fragte nach, ob er sich vorstellen könne, sich für ebenfalls an Krebs erkrankte Menschen einzubringen. "Wenn ich das nicht gemacht hätte, könnte ich nicht mehr in den Spiegel schauen", sagt Morhard rückblickend.
Er ist der Vorsitzende des Fördervereins krebskranker Patienten Coburg und Umgebung e.V. Neben repräsentativen Aufgaben biete er praktische Lebenshilfe, beispielsweise beim Bewältigen bürokratischer Hemmnisse. Eben weil er selbst krank ist und die Energie für andere aufbringt, sei er zum Bürgerfest geladen worden, habe die Begründung gelautet.
Morhard ist voller guter Eindrücke. "Wenn man das Fest als Staatsdank hernimmt, dann hat das schon was", sagt er in ergriffenem Ton. Joachim Gaucks Rede, wonach in Deutschland ohne Ehrenamt nichts ginge, sei sehr eindrucksvoll gewesen. "Das war für ihn nicht nur ein Bad in der Menge, sondern das hat er als Mensch gemacht. Beeindruckt hat mich auch, wie er kraft seines Amtes was für Menschen im Ehrenamt organisiert, frei von Politik."
Gelegenheit für einen Plausch habe es aber nur ganz kurz gegeben. "Nicht nur der Hans Morhard wollte mit ihm sprechen, viele andere auch." Zu einer Vorstellung und einem Händeschütteln kam es aber. MH