Schrepfersmühle — Dass es am Dreikönigstag drei Könige zu bestaunen gibt, erscheint logisch. Im Fall der Deutsch-Französischen Gesellschaft Obermain (DFGO) ist der Umstand allerdings eine Besonderheit: Zur Wiederbelebung des "Dreikönigskuchenessens" wurden gleich drei "Galettes" spendiert - folglich konnte ein Regenten-Trio gekrönt werden.
"Normalerweise muss man schon auf seine Zähne Acht geben", schmunzelte Reinhard Huber mit der Pappkrone auf dem Kopf. Der Vorsitzende der DFGO hatte doppeltes Glück. Zum einen, da sich in seinem Kuchenteil die Porzellanfigur befand, die zum Titel "König für einen Tag" ermächtigt. Und zum anderen, weil er sich diesmal um seine Kauwerkzeuge keine Gedanken machen musste: "Ich habe schon nach dem Anschneiden gesehen, dass da etwas in meinem Stück steckt", gab der Krassacher zu.
Ebenso wie Huber kannte auch der zweite König, Andreas Ender aus Michelau, das Gefühl, das Objekt der Begierde im Blätterteig zu entdecken. Eine neue Erfahrung war dies dagegen für den Dritten im Bunde: Joachim von Nordheim gehört der DFGO erst seit kurzem ein, der Coburger wurde bei seinem ersten Dreikönigskuchenessen auf Anhieb Majestät.
Der Spaß, den die Regenten mit ihrem Gefolge hatten, belegte den erfolgreichen Neustart des Brauchs am Obermain, für den die Mitglieder Sabine Ender und Katharina von Münchow erstmals seit vielen Jahren wieder drei Kuchen gebacken hatten. Nach der mäßigen Resonanz 2013 musste die Veranstaltung im vergangenen Jahr sogar mangels Interesse komplett entfallen. "Jetzt hatte ich mehrere Anfragen seitens der Mitglieder, weshalb wir uns entschlossen haben, einen neuen Versuch zu starten", erklärte Reinhard Huber. Mit Erfolg: Immerhin 14 DFGO-Mitglieder lockten die Aussicht auf eine Krönung und die urige Atmosphäre der Gasträume in der Schrepfersmühle an. Die Zukunft des Dreikönigskuchenessens am Obermain scheint also gesichert.
Der Dreikönigskuchen wird im westlichen Nachbarland immer am 6. Januar in Erinnerung an die Heiligen Drei Könige serviert. Die Geschichte der "Galette des Rois" geht auf zwei Ursprünge zurück: zunächst auf die römische Saturnwoche, ein siebentägiges Fest, bei dem die Kinder mit Kuchen beschenkt werden. Der Termin fiel mit der Zeit der Lehensabgaben zusammen, daher der Zusatz "König". Der zweite historische Hintergrund liegt im Konkordat von 1801, das als Datum für das "Epiphaniefest" (das Erscheinungsfest zu Ehren der Drei Könige) den 6. Januar festlegte. Diesem Doppelursprung ist die heutige Tradition zu verdanken, eine "Königstags-Galette" untereinander zu teilen. In den Teig wird seit jeher eine dicke Bohne ("Fève") beziehungsweise eine kleine (Porzellan-) Figur eingebacken. Wer Bohne oder Figur in seinem süßen Stück findet, wird mit einer Pappkrone gekrönt. Stefan Lutter