Mit neun sehr unterschiedlichen Anlaufstellen wartet der "Tag des offenen Denkmals" am kommenden Sonntag, 11. September, im Stadtgebiet auf. Unter dem bundesweiten Motto "Gemeinsam Denkmale erhalten" erinnern die Stadtheimatpflege und das Gärtner- und Häckermuseum auch an ein städtisches Vorhaben, das zum Glück nie verwirklicht worden ist: den "Durchbruch Mitte". Mehr dazu lesen Sie im folgenden Überblick zum "Tag des offenen Denkmals" in der Weltkulturerbestadt Bamberg.

1. Hofstatt im Gärtnerviertel/Planung "Durchbruch Mitte": Ab 1961 plante man eine vierspurige Straße mitten durch das Gärtnerviertel. Sie sollte die Löwen- mit der Zollnerstraße verbinden und die Altstadt um 17 700 Fahrzeuge täglich entlasten. Wäre die sogenannte Hofstatt als Teil der Bamberger Gärtnerstadt damals zerstört worden, trüge Bamberg nicht den Unesco-Welterbe-Titel. Der sogenannte Durchbruch Mitte war nicht zuletzt am Widerstand der Gärtner gescheitert, die ihre Häuser und Hausgärten gemeinsam vehement gegen die Pläne des Stadtrats verteidigt haben. Stephanie Eißing, Stadtheimatpflegerin, und Hubertus Habel, Leiter Gärtner- und Häckermuseums, geben bei Führungen um 11 und 14 Uhr Einblicke in die Hofstatt. Treffpunkt ist vor dem Gärtner- und Häckermuseum, Mittelstraße 34. In dessen Hof gibt es bei schönem Wetter von 17 bis 20 Uhr Schmackhaftes aus der Gärtnerküche.

2. Ehemalige Dominikanerkirche, Dominikanerstraße 2: Das Langhaus stammt aus dem Jahr 1401, der Chor wurde 1416 errichtet. 1803 wurden die Kirche und das dazugehörige Kloster säkularisiert und als Kaserne genutzt. Das Gotteshaus war nach 1945 Heimat der "Bamberger Symphoniker" und wird seit 2002 von der Universität als Aula genutzt. Bei der jüngsten Sanierung entfernte man die Einbauten der Nachkriegszeit und stattete das Einzeldenkmal mit neuzeitlichen, künstlerisch gestalteten Fenstern und neuer Betriebstechnik aus. Wände, Decken und Böden sind weiß gehalten, was die uralten Wandfresken besser zur Geltung bringt. Geöffnet ist die sonst nicht zugängliche Aula von 11 bis 13 Uhr; um 11 und 12 Uhr finden Führungen durch das Staatliche Bauamt und die Universität Bamberg statt.

3. Luitpoldschule, Memmelsdorfer Straße 7 a: Das dreiflügelige Gebäude war nach dem städtischen Krankenhaus (heute Stadtarchiv) das zweite städtische Großprojekt des in Bamberg tätigen Architekten Hans Erlwein (1872-1914). Es wurde am 31. August 1901 eingeweiht. Mit seinen lichtdurchfluteten Klassenzimmern galt es als ein revolutionäres Bauwerk. Die Besichtigung ist von 10 bis 16 Uhr möglich. Der frühere Stadtheimatpfleger Hanns Steinhorst macht in Führungen um 11 und 14 Uhr auf die Besonderheiten dieses einzigartigen Schulhauses aufmerksam.

4. St. Sebastian-Kapelle, Siechenstraße 94: Sie wurde 1273 von den Franziskanern als Konventkirche gebaut, ging 1975 in den Besitz des Freistaats Bayern über und gehört seit 1981 dem Verein Gärtner- und Häckermuseum Bamberg. Den heutigen Name erhielt die Kapelle 1442 durch einen dem Heiligen Sebastian geweihten Altar. Seit dem 16. Jahrhundert gab es immer wieder Umbauten. Der älteste Altar datiert aus der Zeit um 1700. Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing führt um 11 und 14 Uhr (sonst auf Anfrage geöffnet). Wichtig: Treffpunkt für die Führungen ist jeweils in der Mittelstraße 34, am Gärtner- und Häckermuseum.

5. Stadtpfarrkirche St. Martin, Grüner Markt: Die Kirche des ehemaligen Jesuitenkollegs wurde 1686/1696 durch Georg Dientzenhofer unter Bauleitung seines Bruders Leonhard Dientzenhofer errichtet. Eine mehrjährige Generalsanierung geht allmählich zu Ende. Um 9 Uhr ist am Sonntag Gottesdienst. Führungen werden zwischen 12.30 und 15.30 Uhr nach Bedarf durch das Ingenieurbüro Burges und Döhring und das Architekturbüro Sieben angeboten. Für Kleingruppen sind Führungen durch das Dach möglich.

6. Marschalk von Ostheimsches Haus, Karolinenstraße 18: Das sonst nicht zugängliche Barockpalais am Fuß des Dombergs beherbergt ein sehr repräsentatives Treppenhaus von Johann Dientzenhofer mit einem Kuppelgemälde von Marchini. Um 10 Uhr beginnt eine zweistündige Führung unter Leitung von Architekt Eugen Vonmetz.

7. Musikpavillon im Hain: 1914 errichtet, dient der ungewöhnliche Bau seit 2013 dem Bamberger Bildhauer Adelbert Heil als Atelier. Im und am Pavillon finden während des Jahrs immer wieder nichtkommerzielle Konzerte, kleine Theater- und Tanzveranstaltungen, Workshops und Ausstellungen statt. Am Sonntag gibt es eine Präsentation und Informationen zu den Gruppen und Veranstaltungen, die den Pavillon "bespielen". Um 15 Uhr beginnt eine Führung mit Adelbert Heil.
8. Veranstaltungsgebäude für Konferenzen und Festlichkeiten, Schillerplatz 16: Das um 1740 erbaute repräsentative Bürgerhaus wird Justus Heinrich Dientzenhofer zugeschrieben. Es zeichnet sich durch eine anspruchsvoll gegliederte Fassade aus. Der Saal im zweiten Obergeschoss bietet einen Blick auf den Platz und weist eine aufwändig restaurierte Stuckdecke sowie Wandmalereien auf. Am kommenden Sonntag von 13 bis 17 Uhr besteht Gelegenheit, das sonst nicht öffentlich zugängliche Haus zu besichtigen. Führungen gibt es nach Bedarf durch Wolf-Dieter Müller von der Joseph-Stiftung Bamberg.

9. Vereinshaus der Schutzgemeinschaft "Alt Bamberg", Schillerplatz 9: Das Bürgerhaus, dessen Kern auf das 16. Jahrhundert datiert ist, steht als einziges Bauwerk aus dieser Zeit in der mittelalterlichen Bauflucht des östlichen ehemaligen Zinkenwörths. Seit 1984 befindet es sich im Besitz der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg. Diese stellt am Sonntag (10 bis 18 Uhr) sich und die von ihr geleistete gemeinnützige Denkmal-schutzarbeit vor. Dazu gehört das deutschlandweit bisher einmalige Projekt "Denkmal-Bamberg" mobil, das im Dachgeschoss halbstündlich präsentiert wird. jb