Erich und Marcus Olbrich Unweit der Bundesstraße 289 zwischen Kupferberg und Markleugast erhebt sich der 593 Meter hohe Peterleinsstein oder Peterlesstein mit seinem Olivin-Serpentin-Vorkommen. Sein Name hatte sich schon früher vom mundartlichen Patterlastaa zum hochdeutschen Peterlesstein gewandelt. Denn vor hundert Jahren wurden aus dem Gestein dieses Berges sogenannte Patteria hergestellt, mundartlich Patterla, also Perlen für die Rosenkränze.

Das Serpentinit ist in Urzeiten aus großer Tiefe emporgepresst worden, eine heiße Schmelze, die besonders im Bereich der Münchberger Gneismasse in Linsen und Kuppen auftritt.

Dieses Gestein hat seinen Namen vom Lateinischen serpens (= Schlange), weil sich an den Schichtflächen oft gelbliche bis grüngraue, schlangenhautähnliche Einlagerungen zeigen, eine Fundstätte seltener Mineralien. Da ist zum Beispiel das Pikrolit, ein anderes sehr schönes Mineral ist der Bronzit, ein bronzefarbenes dunkelbraunes in Deutschland seltenes Gestein mit einem metallenen Schimmer.

Perlen für Rosenkränze

Das Serpentingestein besitzt nur geringe Härte und lässt sich leicht bearbeiten, schneiden und drechseln, ferner ist es polierfähig. Es wurde schon frühzeitig nicht nur für Dekorationen und Grabplatten, sondern in der Mitte des 18. Jahrhundert auch zur Herstellung von Nippsachen, Gebrauchsgegenständen und eben Perlen für Rosenkränze verwendet. So wurde es unter anderem zu Urnen, Zündholzständern, Uhrengewichten, Schnupftabaksdosen, Schalen und Reibschalen für Apotheken verarbeitet. Die einheimische Bevölkerung nutzte es zudem als Wärmesteine, also zum Auswärmen der Betten in den kalten Wintermonaten.

Goldkronach war ein Zentrum der Serpentinverarbeitung. Einer der dortigen Schleifer zog nach Cottenau bei Wirsberg. Dort widmete er sich dem Ackerbau, aber auch der Schleiferei. Einer seiner Nachfahren war der Wirsberger Granitwerksbesitzer G. A. Müller, der 1889 den Betrieb begründete. Sein Bruder Matthäus Müller fertigte weiter in Cottenau sehr sauber gedrehte Gegenstände, was ihm auf der bayerischen Landesaustellung beachtliche Medaillen einbrachte.

Steinerne Fidibusbecher enthielten Holzstäbchen und Papierstreifen zum Anzünden der Tabakspfeife, Gewürze zerstieß man mit Mörsern aus Serpentin. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in den Gastwirtschaften von Wirsberg die Hölzlesständer aus Serpentin, in denen Schwefelhölzchen steckten, die an der rauhen Reibfläche des Behälters entzündet werden konnten.

Man schätzte Trinkbecher aus Serpentin, die nach altem Volksglauben zerspringen würden, wenn sie auch nur einen Tropfen Gift enthielten.

Die Hausfrauen liebten schöne Vasen und Schalen aus Serpentin, in Schulen und Amtsstuben standen noch lange Schreibzeuge und Tintenhalter aus diesem Gestein, weil sie besonders rutschfest waren.

Als Arznei eingesetzt

Auch im Gesundheitswesen jener Zeit fanden die steinernen Geräte Eingang. Man hängte zahnenden Kindern die länglichen Schrecksteine um den Hals, um Schmerzen abzuwehren, und Pillen aus gemahlenem Serpentin sollten gegen vielerlei Krankheiten helfen. Herzrhythmusstörungen konnte er angeblich genauso lindern wie Nieren- und Magenbeschwerden. Sodbrennen, Krämpfe in den Gliedmaßen und Regelschmerzen gehörten ebenso zu seinem Heil-Repertoire.

Aufbrausende Menschen profitierten vom Serpentin wohl am meisten, sagte man ihm doch nach, Jähzorn zu lindern und Wutanfälle abzufedern. So steht er für Ausgeglichenheit und Harmonie, er ist daher wie gemacht für das Sternzeichen der Waage. Handwärmer für den Muff waren bei großer Kälte sehr begehrt. Nicht nur Rosenkranzperlen, sondern auch Altarteile und Weihwasserbecken wurden aus Serpentin hergestellt. Selbst in der weltberühmten Semperoper in Dresden sind die prachtvollen Balustraden aus Serpentin, umgangssprachlich auch als China-Jade bezeichnet.

Durch die aufkommende Porzellan- und Glasindustrie kamen leichtere und billigere Waren auf dem Markt und verdrängten den Serpentin. Zwar stellte in den 1930er Jahren bei Cottenau ein Johann Müller in den Wintermonaten noch Steinwaren her, aber die Serpentinschleiferei kam zum Erliegen.

Kompass schlägt aus

Interessant ist, dass hier am Peterleinsstein die Magnetnadel des Kompasses von ihrer Richtung abgelenkt wird. Sie zeigt an einer Stelle nach Osten, an einer anderen nach Süden oder Westen. Schuld sind geringe Beimengungen von Magneteisen. Sie bringen bei Auffinden eines geeigneten Gesteinsbrockens die Magnetnadel ins Wanken. Der Peterleinsstein wird deshalb auch als Magnetberg bezeichnet. Diese Abweichung hat Alexander von Humboldt als Erster nachgewiesen.

Der Patterlastaa zeigt ein fast alpines Aussehen, vor allem, wenn die untergehende Sonne einen rötlichen Schimmer auf die grauen, nur spärlich bewachsenen Felsen malt. Der Pflanzenfreund findet hier eine seltene Flora vor, etwa Streifenfarn oder Leuchtmoos.

Wer dieses schöne Fleckchen Erde erkundet und dabei zwischen den Felsen umhersteigt, sollte es mit Vorsicht tun, aber auch mit Respekt vor der Natur und ihrer Schönheit.