Zum Leserbrief "Mehrheiten haben mehr Gewicht" vom 7. Februar:

Es freut mich, dass Herr Maier erkannt haben will, dass die öffentliche Hand mehr für landwirtschaftliche Flächen bezahlen würde als der freie Markt. Doch frage ich mich, ob man denn dieses Geld dann essen kann oder ob es satt macht? Wohl eher nicht.
Regionale Produkte mit kurzen Wegen und Lebensmittel vom Produzenten aus der Region möchte jeder gerne haben. Doch dafür müssen diese irgendwo auch wachsen können. In dem durch die Umgehungsstraße zu überbauenden Gebiet haben Äpfel, Kirschen, Zwetschgen, Kartoffeln und Futter für Pferde, Kühe und Schweine der örtlichen Landwirte ihren Ursprung, wächst das CO2 neutrale Holz für den heimischen Kachelofen. Und wie groß der Nutzen einer erst neu anzulegenden Streuobstwiese ist, die in frühestens 20 Jahren eine halbwegs vergleichbare Wirkung erzielt wie der Streuobstbestand, der für die Umgehungsstraße erst gerodet werden muss, bleibt für mich fraglich. Für die Neunkirchener Versäumnisse von Jahrzehnten sollen nun andere die Zeche zahlen. Denn auch die vom Wählerwillen bestimmten Gemeindevertreter haben seit Jahrzehnte nichts/wenig zur Verbesserung der Verkehrssituation im Bereich Friedhofstraße/Forchheimer Straße getan. Und es bleibt zu befürchten, dass sich hier auch in Zukunft nichts verbessern wird. Auch, um die angebliche Notwendigkeit dieser Trasse aufrechtzuerhalten.
Die von allen politischen Seiten unterstützte Forderung der Reduktion des Flächenverbrauches in allen Ehren: aber doch erst, nachdem das neues Baugebiet, Gewerbegebiet, Straßenprojekt durchgezogen wurde. Und ob die Planung einer Staatsstraße im näheren Einzugsbereich eines Trinkwasserbrunnens wirklich für die kommenden Generationen so sinnvoll ist, bleibt für mich nicht nachvollziehbar. Es bleibt zu hoffen, dass die berechtigten Anliegen und Bedenken jedes Bürgers (auch die Ebersbacher sind Bürger Neunkirchens) im Planfeststellungsverfahren ihr Gehör finden werden.
Martin Wieseckel
Ebersbach