Während einer Berufslehre bereiten sich junge Menschen nicht nur durch qualifizierte Arbeit, sondern auch durch die Ausbildung von Lebens- und Sozialkompetenz auf das Erwachsenenleben vor. Wie man sich vor Gefährdungssituationen, die gerade im Jugendalter durch Alkohol- und Drogenkonsum auf einen zukommen, am besten schützt, darüber tauschten sich aktuell 55 Auszubildende der MAN-Werke im Therapiezentrum Laufer Mühle mit Fachkräften und Betroffenen aus. Gemeinsam wurde dabei auch über Strategien gesprochen, wie sich gerade junge Leute wirkungsvoll vor Suchtmissbrauch schützen können.
"Persönliche Schwächen erkennen und eigene Stärken ausbauen" war die Kernbotschaft, die die Präventionshelfer der Laufer Mühle den jungen Menschen dabei mit auf ihren Lebensweg gaben. Gerade sie kennen aus eigenen schmerzlichen Erfahrungen, wie schnell man den Verlockungen von Drogen, Medikamenten und Alkohol erliegen kann. "Drogen sind leere Versprechungen, die dir in keiner Lebensphase helfen können", bringt es Christa, ehemals suchtabhängige Mutter, auf den Punkt. Sie durchläuft gerade eine Ausbildung bei der IHK-Akademie zum soziotherapeutischen Assistenten mit Schwerpunkt Präventionsarbeit. Im Rahmen eines Praktikums für diese Ausbildung stellte sie sich deshalb den Fragen der Auszubildenden.


"Sehr viel gelernt"

Neben Christa durchlaufen derzeit auch Daniel, Jürgen, Klaus, Martina, Stefan und Thomas die IHK-Qualifikation und bereiten sich damit auch auf die berufliche Wiedereingliederung vor. In Kleingruppen führten die sieben Betroffenen nun die jungen Auszubildenden durch das Therapiezentrum und beantworteten dabei die vielen Fragen zum Thema Drogen und Sucht. "So realistisch und hautnah bin ich noch nie mit diesem Thema konfrontiert worden", staunt der Mechatronik-Lehrling Peter, der "heute sehr viel gelernt hat" und nun noch "achtsamer bei der Auswahl von Kumpels, mit denen ich weggehen werde" sein will. Gerade in Gleichaltrigengruppen, so weiß es Suchthelfer Daniel aus eigenen Erfahrungen zu berichten, besteht die Gefahr, durch die exzessive Drogeneinnahme einen besonderen Stellenwert zu erfahren.
"Wer am meisten trank und die härtesten Drogen nahm, das war der Held", berichtete Jürgen aus eigener Erfahrung. Heute weiß er, dass das ein falscher Weg war, und rät den jungen Menschen, sich "Anerkennung und Wertschätzung nicht über Drogenmissbrauch, sondern über aktives Gestalten der Freizeit im Kreise echter Freunde zu holen". Die soziotherapeutischen Assistenten ermunterten die jungen Menschen in der Diskussion auch, in schwierigen Situationen und Krisen nicht gleich zur Pille oder Flasche zu greifen. "Nur mit einem klaren Kopf lassen sich Probleme lösen, und oft hilft auch ein gutes Gespräch mit vertrauten Menschen", rät Martina, die viele Jahre von harten Drogen abhängig war und nun erfolgreich an ihrer suchtfreien Zukunft arbeitet. In solchen Situationen auch ein entschiedenes Nein zu den Drogenangeboten im Freundeskreis sagen zu können, sei mutiger, als die Suchtmittel zu nehmen, appelliert Martina beim Rundgang durch die Therapiestätte.
"Lernen, Nein sagen zu können", dabei hilft ihr auch die Ausbildung zur Präventionsfachkraft, in der sie ihren eigenen Weg in die Sucht aufarbeitet und sich im Unterricht gleichzeitig theoretisches Wissen über Ursachenforschung, Suchttheorien und Therapiemethoden aneignet. Aufmerksam folgten die Jugendlichen den Ausführungen der Betroffenen und diskutierten offen über ihre eigenen Lebensumstände und Erfahrungen. Mit großem Applaus drückten sie schließlich zum Schluss der Präventionsveranstaltung ihren Dank für die vielen Ideen und Tipps aus, wie sich die Zukunft besser ohne Drogen und Alkohol meistern lässt. red