Das mit dem Ausweichen ist so eine Sache. Wer gefühlt dreimal am Tag zwischen Fürth am Berg und Neustadt pendelt, muss ständig auf der Hut sein. Hund, Katze, Maus. Rehe, Füchse, Kauze, Igel, Iltis, Marder. Alles ist mir in den letzten Jahren schon vor die Stoßstange gesprungen. Für Kröten fuhr ich im Schneckentempo Schlangenlinien.

Die zivile Streife hinter mir nahm keine Rücksicht und zog mich aus dem Verkehr. Blasen musste ich aber nicht. Dafür aber häufig putzen. Und zwar die geschätzt fünf Millionen verendeten Mücken von meinen Windschutzscheiben.

Wenn ich auf die Fliegen ebenso pfeife wie auf die eine oder andere platte Maus, dann kann sich meine Wild-Bilanz durchaus sehen lassen: Einen Kauz habe ich leider geköpft und einem Marder bin ich lebensbedrohlich über den Schwanz gefahren. Ansonsten endeten meine Ausweichmanöver auf dieser unbeliebten Buckelpiste glimpflich.

Wussten Sie eigentlich, dass es uns Autofahrern rein rechtlich gar nicht erlaubt ist, jedem Tier auszuweichen? Wäre eine meiner zahlreichen Igel-Kurven schief gegangen und ich hätte wegen des Stacheltieres einen Unfall verursacht, wäre ich der Alleinschuldige. Außerdem geht Sicherheit vor Tierliebe. Und Sicherheit ist, wenn ich in solchen Momenten das Tier gnadenlos überfahre. So fordert es sogar der Gesetzgeber. Auch wenn's uns Tierfreunden schwer fällt - "Draufhalten" kann in diesen Fällen Menschenleben retten.

Der Lkw-Fahrer, der letzte Woche nicht draufgehalten halt und nach eigenen Angaben mit seinem mit 23 Tonnen Kies beladenen Sattelzug kurz vor Horb einem Hasen auswich, um dann zu verunglücken, kam mit dem Schrecken davon. Seine Kurzschlussreaktion, die immerhin einen Schaden von über 125000 Euro anrichtete, hätte auch tödlich enden können - nicht nur für den Hasen ...

Trotz aller Risiken, die ein solch halsbrecherisches Ausweichmanöver mit sich bringt, wollen wir an dieser Stelle das Lob, das Silvia Dreeke aus Rödental dem Sattelzug-Lenker zollt, nicht für uns behalten. Sie schrieb uns folgendes:

"Ich spreche dem Lkw-Fahrer, der dem Hasen ausgewichen ist, meine Dankbarkeit und Hochachtung aus. Jedes Leben ist einmalig, egal ob Schwein, Huhn, Rind, Mensch, Hamster, Vogel oder Hase. Leider haben das die meisten Menschen noch immer nicht begriffen. In diesem Sinne, Danke für so viel Ehrfurcht vor Leben." oph