Zum Leserbrief "Ist der Waldnaturschutz nur ein politisches Lippenbekenntnis?" von Hans Stark im FT vom Mittwoch hat die Dritte Bürgermeisterin von Oberaurach und Pressereferentin des Vereins "Unser Steigerwald", Sabine Weinbeer (FW), eine Stellungnahme an die Redaktion geschickt. Darin schreibt sie:

"Nein, für den Gemeinderat Oberaurach und schon gar nicht für mich ist der Waldnaturschutz ein reines Lippenbekenntnis. Ich stehe voll und ganz hinter dem Trittsteinkonzept von Ulrich Mergner (Leiter des Staatsforstbetriebs in Ebrach, Anm. d. Red.) und setze mich auf allen politischen Ebenen dafür ein, dass es von mehr Staatsforstbetrieben als nur dem Ebracher umgesetzt wird.

Ich habe mich auch dafür eingesetzt, dass der Förster des Oberauracher Gemeindewaldes schon vor Jahren beauftragt wurde, sich bei der Bewirtschaftung am Trittsteinkonzept zu orientieren, unter anderem den Totholzanteil im Wald zu erhöhen, damit neben der Artenvielfalt auch die Wasserspeicherfunktion des Waldes erhöht wird. Ich bin auch nie einer Diskussion mit Bürgern ausgewichen, die diese Art der Waldbewirtschaftung als Holzverschwendung ansehen, sondern habe mit Sachargumenten für das Trittsteinkonzept geworben.

Nun ist aber die lehrbuchmäßige Umsetzung des Trittsteinkonzepts im Gemeindewald Oberaurach nicht ganz einfach, weil es sich um viele kleine Waldgebiete handelt, bei denen sich oftmals die Frage stellt: Ganz stilllegen oder ganz nutzen? Wobei Nutzung in unserem Gemeindewald bedeutet, dass kaum mehr als die Hälfte des jährlichen Zuwachses eingeschlagen wird. Nicht einmal in Jahren mit heftigen Sturmschäden wurde im Oberauracher Wald mehr Holz entnommen, als nachgewachsen ist. Andererseits hat der Gemeindewald wegen seiner Zerrissenheit große Flächen an Waldrändern, die eine extrem hohe Wertigkeit für die Artenvielfalt haben.

Ich habe in meiner Stellungnahme in der Sitzung am 23. Juli sehr deutlich gemacht, warum ich dennoch einem förmlichen Beschluss kritisch gegenüber stehe: Weil ich in meinen bisher 24 Jahren im Gemeinderat erlebt habe, was es bedeutet, scheibchenweise Zugeständnisse zu machen, sich auf Zusagen zu verlassen, dass Unterschutzstellungen keine negativen Folgen nach sich ziehen und das Ganze nach einigen Jahren nur Makulatur ist. Deshalb hat der Gemeinderat am 23. Juli nicht das Trittsteinkonzept abgelehnt, sondern nur den förmlichen Beschluss, der womöglich in einigen Jahren uminterpretiert würde, wie wir das schon öfter erlebt haben. Vielmehr wurde der Gemeindeförster ausdrücklich beauftragt, nach dem Trittsteinkonzept zu wirtschaften.

Als Zuhörer hätte Hans Stark das eigentlich bemerken müssen. Auch wenn die Diskussion in der schriftlichen Berichterstattung leider eher unterging. Da ist es natürlich umso einfacher, dem Gemeinderat schlichtweg parteipolitisches Verhalten zu unterstellen." red