von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Lichtenfels — Einst sangen sie im Windsbacher Knabenchor, dann gründeten sie eine A-cappella-Band. Bei der 36. Auflage des Korbmarktes haben die Jungs von Viva Voce auch die Schirmherrschaft übernommen und mit einem rund einstündigen Konzert das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hingerissen.
Statt Instrumente hatten die Schirmherren ausschließlich ihre Stimmen dabei und was diese zu leisten vermögen, das stellten sie gleich zu Beginn unter Beweis. Andere brauchen ein Schlagzeug oder ein ganzes Orchester - Viva Voce nicht. Jörg Schwartzmanns' Stimme verfügt über ein komplettes Schlagzeug-Equipment, wie er in einer kleinen Kostprobe zum Besten gab. Heiko Benjes Stimme übernimmt die Funktion einer Bassgitarre. Neben den bereits Genannten wirken noch David Lugert, Bastian Hupfer und Mateusz Phouthavong mit.


Versnobte Promiküche

"Ego" heißt das jüngste Programm von Viva Voce und über einen Ausschnitt daraus darf sich das Korbmarkt-Publikum freuen. Darin nehmen die fünf nicht nur das eigene, sondern auch das Ego anderer Leute mit allen Facetten aufs Korn. Beispielsweise den Besuch eines Sterne-Restaurants, wo allein schon die Weinempfehlung 150 Euro kostet. "Ohne Wein", ergänzt Jörg Schwartzmanns.
Die Extravaganzen der versnobten Promiküche werden in "Mac Schubeck" aufgetischt, jenes Lokal, in dem die Köche mit viel Ingwer kochen. Darüber hinaus werden auch ganz alltägliche Fragen thematisiert. Warum Männer mit wenig Haaren nicht auch einmal eine Glückssträhne haben können? Das Markenzeichen der fünf ist Vielseitigkeit, raffinierte Arrangements und eine souveräne Bühnenpräsenz. Als ausgesprochen unkonventionell erweist sich auch ein Lied aus ihrer Knabenchor-Ära. Das Publikum auf dem Marktplatz ist begeistert, quer durch alle Altersschichten. Immer wieder gibt es begeisterten Applaus. "Die machen das richtig gut", sagt Marcel Crettaz. Die Fünf hört er zum ersten Mal und ist überrascht, dass es auch ganz ohne Instrumente geht. Auch bewundert er, wie täuschend echt die Instrumente interpretiert werden.
Als musikalisches Highlight erweist sich das bekannte "O sole mio", in dem David Lugert in die Fußstapfen von Luciano Pavarotti tritt und mit tiefer Stimme und weitausholender Armbewegung den Text in Richtung Zuhörer schmettert. Zum musikalischen Können kommt eine launige Unterhaltung, die mitunter verblüfft. Wer käme schon auf die Idee, dass sich A cappella auf Mortadella reimen könnte. Als hochinteressant erweist sich auch die Entwicklung der Band vom einstigen Knabenchor über den Sound von Boygroups bis zum heutigen Programm des stimmstarken Herrenfünfers.
Schließlich darf auch das Publikum mitsingen, und das tut es auch sehr zahlreich. Wenn sich auch die Männer sagen lassen müssen, dass ihr Beitrag des "Volare" schon stark nach Münchner Wiesn erinnert, das der Frauen dagegen "himmlisch" beruhigend sei. Am Schluss gibt es dann noch eine Zugabe und das Eingeständnis: "Auf den Korbmarkt wollten wir schon immer einmal." Das von Viva Voce eigens dafür komponierte Lichtenfels-Lied war zweimal zu hören, am Anfang und am Ende des gut einstündigen Konzerts.