Es ist ein Ort, Seele und Geist Raum zu geben. Ein Refugium im Grünen. Die Sommerausstellung in der Werkstatt Claus Tittmann zeigt viele Facetten der Künste: Keramik und Bronze, Grafik und Malerei, Schmuck und Glas.
Grandios die Ideenkraft und der Schaffenswille der fünf Künstler, die in mehren Räumen und auf verschiedenen Etagen bis einschließlich 27. August ihre Unikate präsentieren. Drinnen, und draußen eingebettet zwischen Wiese, Wegen und Blumen. Über 100 Objekte sind zu bewundern, es ist ein Schauparadies in Überfülle. Das Einordnen fällt schwer, aber man muss sich nur die nötige Zeit nehmen, dann gelingt das.
Den Großteil der Ausstellung nehmen Claus und Julia Tittmann in Anspruch. Ihre Keramiken und Bronzefiguren vereinen tiefes künstlerisches Wissen. Er, aus 40 Jahren Berufserfahrung, sie als ausgebildete Keramikerin seit 20 Jahren.
Julia beherrscht kleine Plastiken bis ins Detail, ihre Werke strahlen Souveränität und eine gewisse Mystik aus, verbunden mit einer unerklärlichen Leichtigkeit des Seins. Sie hat die Gene von ihrem Vater geerbt. "Der Spaziergang" in Keramik mit Draht verströmt in seiner schwebenden Figürlichkeit Sommer-Frische. Die leuchtende Bläue basiert auf der Raku- Brenntechnik und dem Kobalteffekt. Das Bronze des Vaters ist filigran, dominierend, wuchtig, er nimmt die ganze Spannbreite des berührenden Metalls in sich auf. Die Tittmanns hatten sich auch Gäste eingeladen.Wie Karin Fleischmann aus der Nähe von Regensburg. Ihre großformatigen Kupferstiche auf schwarzem, englischem Bütten gedruckt, und ihre Radierungen nehmen einem fast den Atem ob ihrer Schönheit. Sie setzt ebenso ihre malerischen Fähigkeiten zu wechselnden Aufhellungen und lockerer Linienbündelung um. Sie arbeitet in Zyklen, um das Motiv ausschöpfen zu können. Kleine Auflagen machen jedes einzelne Blatt zur begehrten Kostbarkeit.
Das Medium von Doris Neumann aus Sonthofen ist Glas für zeitgemäßes Schmuckdesign. Sie gibt dem Geistigen eine Form, bringt Spielfreude zum Ausdruck. Ihre Klassiker sind grüne und weiße Ringe aus geschliffenem Glas, die bunten Halsbänder mit kleinen Kuhglocken eine Reminiszenz an das Allgäu. "Minimalistischer Glasschmuck in geometrischen Reihungen sind meine Vorlieben, für mich ist Kunst auch Nachhaltigkeit", erzählt die in Immenstadt Geborene. Der Nürnberger Claus Réer, ein Glasmacher, bevorzugt Gefäßformen für den täglichen Gebrauch. Als Formensprache haben bei ihm Funktionalität und subtile Farbgebung goße Bedeutung. Seine Unikate und Kleinserien lassen staunen. Das Objekt "Bolsa" aus Glas betont die klaren Linien und das Licht.
Zur Vernissage füllte alpenländische Volksmusik Ausstellungsraum und Garten. Bei der Gruppe "Zornheimer Stubenmusik" war an der steierischen Harmonika sogar die frühere baden-württembergische Weinkönigin zu hören. Die Ausstellung ist von Montag bis Samstag von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Sonntags nur am 17. Juli und 31. Juli von 11 bis 18 Uhr.
Wer da keine Zeit hat, kann einen Termin extra vereinbaren. Ziel der kunstinteressierten Besucher sollte sein: einen ganzen Nachmittag bei Tittmann vorbeizuschauen, es gibt viel zu entdecken.