Birkach — Die eindrucksvolle Geschichte der alten Steinbrüche und die Natur in ihrem herbstlichen Kleid erlebten die Teilnehmer der BN-Exkursion im Rahmen der Bayern-Tour-Natur, die unter der Leitung von Wilhelm Ebitsch stand. Bernhard Dietz, der ehemalige Birkacher Ortssprecher, unterstützte ihn dabei.
Im südlichen Teil der Birkacher Flur liegen sieben verlassene Steinbrüche zwischen Mischwaldbeständen und Brombeersträuchern. Dietz ließ wissen, dass dort einst qualitativ hochwertiger Sandstein abgebaut wurde, der von den Geologen als Oberer Rhätolias-Sandstein bezeichnet wird und vor über 200 Millionen Jahren entstand. Die Sandsteinquader waren wegen ihrer Witterungsbeständigkeit als Baumaterial begehrt und wurden zum Beispiel für die Birkacher Kirche, Häuser, Scheunenfundamente, aber auch kunstvolle Martern und Bildstöcke verwendet.
Nach rund 200 Jahren endete 1980 der Gesteinsabbau, und die Vegetation überdeckte seither viele Spuren menschlichen Schaffens, das einst vielen Birkachern im Haupt- und Nebenerwerb Arbeit und Brot bescherte.
Im Flurstück "Steinig" kann man die Mächtigkeit der schräg verlaufenden abbauwürdigen Gesteinsschicht noch erkennen. Bernhard Dietz informierte: "Der Steinbruch der Familie Süppel wurde professionell betrieben. Der Abraum wurde mit einer Lore befördert, während man die Steinverladung mittels Dreibock und Flaschenzug bewerkstelligte."
Wilhelm Ebitsch führte die Exkursionsteilnehmer als nächstes zum "Fuchsenloch", dessen wild-romantisches Umfeld von einer kleinen Schlucht gekennzeichnet ist, die nicht gleich auf den ersten Blick auf den zweiten ehemaligen Steinbruch schließen lässt. Auffällig ist jedoch der vergitterte gemauerte Eingang eines Kellers, den die Brauerei Elflein als Bierkeller nutzte.
Zur Freude der Naturschützer erfuhr man von BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt, dass Fledermäuse den feuchten Keller nun als Winterquartier nutzen. Er bat um Rücksichtnahme: "Bitte halten Sie genügend Abstand und seien Sie leise, die nützlichen Insektenvertilger sind besonders geschützt!"
Auf dem Weg zum nächsten Steinbruch nahe der Medlitzer Straße wies Naturschutzwächter Wilhelm Ebitsch auf stattliche Eichen, Kiefern und Fichten hin und mahnte: "Solche Bäume werden in unseren Wäldern immer seltener. Man sollte sie als Naturdenkmal ausweisen, dadurch ihren Schutzstatus etwas erhöhen und infolgedessen noch älter werden lassen. Privatwaldbesitzer können bei einer Mindestschutzfrist von zehn Jahren beim Landratsamt auf Antrag eine finanzielle Entschädigung erhalten." Der dritte Steinbruch weist eine gute Sandsteinqualität mit noch relativ großen Vorräten auf, wurde allerdings schon 1941 aufgegeben.
Auf einem Wiesenweg, gesäumt von Flockenblumen, Wegwarten und Habichtskräutern gelangte man zu einer imposanten Streuobstanlage, eingefriedet mit einer großzügig angelegten Schlehdornhecke, ein aus Sicht des Naturschutzes sehr wertvoller Lebensraum.
Dann erreichte die Exkursionsgruppe den größten Steinbruch, den sogenannten "Kieferles-Steinbruch". Er hatte bis zu zehn Meter hohe Sandsteinwände, aus denen große Blöcke getrennt und mit Pferdefuhrwerken, später mit Lastwagen, zum Bahnhof Medlitz transportiert wurden.
Es wurde auch berichtet, dass von 1946 bis 1950 Steine für den Wiederaufbau der Zapfendorfer Kirche und für die Sanierung der Türme des Bamberger Doms hier gebrochen worden seien. An der tiefsten Senke des Grabens, der durch den Gesteinsabbau entstanden ist, hat sich ein Tümpel mit einer dicken Schicht grüner Wasserlinsen gebildet, in dessen Umfeld Laubfrösche und auch der Feuersalamander vorkommen.
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