Coburg — Die Hauptversammlung der Ortsstelle der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Coburg war überschattet vom Tod des über viele Jahre tätigen Ortsstellenvorsitzenden Gerhard Garzorz. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Oberfranken, Michael Grundl, machte in seinem Grußwort deutlich, welch große Lücke Gerhard Garzorz hinterlasse. Der Geschäftsführer der DGB Region Oberfranken, Mathias Eckardt, verwies darauf, dass die Arbeitgeber und Teile der Politik wichtige "gewerkschaftspolitische Erfolge" wie die Rente mit 67 und den Mindestlohn "unter Beschuss genommen" hätten. Er betonte, dass die Gewerkschaft NGG den Kampf um den Mindestlohn maßgeblich vorangetrieben habe.

Wie alles begann

Der Hauptredner, der neue Gewerkschaftssekretär der NGG in Oberfranken, Jan Körper, spannte in seiner kämpferischen Rede den Bogen von den Anfängen der Arbeiterbewegung und der Gründung der Vorläuferorganisation der heutigen NGG am 27.12.1865 zu den heute aktuellen Auseinandersetzungen: "Als der Allgemeine Deutsche Cigarrenarbeiter-Verein gegen das Verlagssystem, Kinderarbeit und unmenschliche Arbeits- und Lebensbedingungen kämpfte, hatte er im Wesentlichen nur eine Waffe: Die Solidarität der Beschäftigten und ihre Einheit. Dies ist bis heute so geblieben. Die dringend notwendige Einführung des Mindestlohns ist ähnlich der Kämpfe vor 150 Jahren nur gelungen, weil Beschäftigte sich untergehakt haben und gemeinsam und solidarisch beharrlich für dieses Ziel gekämpft haben."

"Bürokratiemonster" lächerlich

Körper machte deutlich, dass das aktuelle Argument der Arbeitgeber, die Erfassung der täglichen Arbeitszeit sei ein "Bürokratiemonster", hochgradig lächerlich sei: "Wer als Arbeitgeber nicht in der Lage ist, auf ein Blatt Papier den Namen des Beschäftigten, den täglichen Beginn und das Ende der Arbeitszeit zu notieren, sollte sich überlegen, ob er nicht fehl am Platze ist. Diese rudimentäre kaufmännische Fähigkeit sollte doch Voraussetzung sein, einen Betrieb ernsthaft führen zu können."
Körper verdeutlichte an zwei Beispielen, unter welchen Bedingungen Beschäftigte ihre Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern könnten. Während sich im Hotel- und Gaststättenbereich die Beschäftigten kaum organisiert, fände man dort häufig nur sehr schlechte, zum Teil illegale Arbeitsbedingungen vor. Anders sei es in den Branchen Brauwirtschaft, Milchwirtschaft oder Nährmittel, wo sehr gute Tarifverträge in der Fläche gelten würden und Betriebsräte Mitbestimmung lebten. "Ohne die Bereitschaft, sich gewerkschaftlich zu organisieren", da ist sich Körper sicher, "wären solche Erfolge nicht denkbar."
Zum Tode von Gerhard Garzorz sagte Körper: "Ja, es stimmt, Gerhard hat eine große Lücke in unsere Reihen gerissen. Aber die beste Art, ihn zu ehren, ist, diese Lücke gemeinsam zu schließen. Also: unterhaken und solidarisch in die heutigen und zukünftigen Kämpfe gehen."
Für 50-jährige Mitgliedschaft in der NGG wurde Harald Kempinski aus Weitramsdorf, für 60 Jahre Ingrid Peetz aus Coburg und Fritzi Schöpf aus Lichtenfels ausgezeichnet. red