Mütze, Schal, Handschuhe als festes Utensil im Klassenzimmer? "Ganz so schlimm war es nicht, aber jetzt können wir wesentlich energieeffizienter, gezielter und auch kürzer lüften", erklärt die Schulleiterin der Montessori-Schule Herzogenaurach, Rebekka Oberhofer, zum ersten Erfolg eines Projekts zum CO2 -Monitoring. Gerne hatte die Schule die Teilnahme an dem Pilotprojekt der Firma Paessler zur Messung von CO2 - und anderen Raumluftwerten zugesagt, heißt es in einem Pressebericht der Schule. Daraufhin habe das auf Monitoring-Lösungen spezialisierte IT-Unternehmen im Dezember in allen Klassen- und Fachräumen Sensoren installiert, die neben dem CO2 -Gehalt noch Temperatur, Luftfeuchtigkeit und den Schadstoffgehalt in der Luft messen, und diese Werte übertragen. Richtig "cool", wie ein Schüler dazu angemerkt habe, sei die klare und einfache Übersicht: Auf einen Blick könnten die Werte angezeigt werden und ein schnelles Eingreifen sei ebenso möglich wie eine Analyse der Daten mit anschließender Handlungsempfehlung an die Klassen.

Da Menschen mit jedem Atemzug CO2 ausatmen (ein erwachsener Mensch atmet bei normaler Atmung ungefähr 0,5 Liter Luft ein und aus), sei der CO2 -Gehalt ein idealer Indikator, um zu erkennen, wie "verbraucht" die Luft im Klassenraum bereits ist. Aerosole werden in einem geschlossenen Raum überall innerhalb von zwei bis drei Minuten verbreitet. Dies bedeute, dass in einem Klassenraum eine einzige infizierte Person ausreicht, um jede andere Person in diesem Raum zu infizieren, mit oder ohne Maske, mit oder ohne relativen Abstand. Die Mund-Nasen-Bedeckung sei dabei ein Baustein im Schutz vor Ansteckung, ebenso das Abstandhalten und die Luftqualität. Entsprechend sei regelmäßiges Lüften Bestandteil des Schulalltags geworden, ebenso wie die 100-prozentige Ausschöpfung der Lüftungsanlage.

Dabei sollte Luftqualität nicht nur hinsichtlich der CO2 -Werte definiert werden, schreibt die Schule, da man wisse, dass andere Faktoren in diesem Pandemie-Winter ebenso ausschlaggebend seien: Geringe Luftfeuchtigkeit und niedrige Temperaturen ermöglichten eine lange Überlebenszeit von Sars-CoV-2 auf Oberflächen und in der Luft. Dies sei ebenso der Fall bei Temperaturen über 20 Grad Celsius in Kombination mit geringer Luftfeuchtigkeit. Temperaturen über 20 Grad Celsius, hohe Luftfeuchtigkeit und geringe CO2 -Werte wären ein Indiz für ideale Bedingungen in Schulklassen in diesem Pandemie-Winter. Leider könne man diese Werte nicht instinktiv "fühlen", und regelmäßiges Lüften im Winter reduziere beides, die Innenraumtemperatur und die Innenluftfeuchtigkeit.

Hier komme Monitoring ins Spiel: Lehrer und andere Nutzer müssten keine Mutmaßungen anstellen und keine Faustregeln beachten, sie könnten sich auf Daten stützen, die eindeutig die Realität widerspiegeln. Ersten Erkenntnissen zufolge liege die Luftfeuchtigkeit in der Montessori-Schule Herzogenaurach unter dem Optimum, so dass Luftbefeuchter eine Verbesserung bringen würden. "Diese sind relativ günstig und werden kurzfristig angeschafft", kommentiert Dagmar Ludwig als Vorsitzende des Trägervereins das weitere Vorgehen. Sie erläutert, dass die Schule mit einer Lüftungsanlage in allen Klassen- und dem Großteil der Fachräume bereits über sehr gute Ausgangsbedingungen verfüge. Im Erweiterungsbau, der 2014 bezogen wurde, sei eine Lüftungsanlage mit Steuerung eingebaut worden. Im Bestandsbau aus dem Jahr 2000 sei 2010 eine Lüftungsanlage nachgerüstet worden, Lehmputzwände in den Klassenzimmern trügen ebenso zur Verbesserung des Raumklimas bei.

Entsprechend seien während der ersten Testphase auch insgesamt gute Raumwerte gemessen worden. Allerdings nicht ohne unangenehme Nebenwirkungen: Die Lüftungsanlage läuft auf 100 Prozent, damit entstehe ein quasi permanenter Luftzug im Klassenzimmer. Und häufiges Lüften komme noch hinzu. Somit erhofft sich die Schule von dem Monitoring eine Optimierung des Infektionsschutzes im Klassenzimmer bei gleichzeitig angenehmen Arbeitsbedingungen - ohne Mütze, Schal und Handschuhe. red