Seit 20 Jahren pflegen die katholischen Pfarreien Seliger Bischof Michael Kozal in Swinemünde und St. Georg in Höchstadt eine Pfarreipartnerschaft.
Auf Höchstadter Seite formulierte der damalige Kirchenrat Georg Söhnlein einen Partnerschaftsvertrag. Ideengeber war der polnische Priester Marian Wittlieb, der von 1992 bis 2001 alljährlich in den Sommermonaten als Ferienaushilfe in der St. Georgspfarrei wirkte. Der Theologieprofessor, der seit 2003 auch die Pfarrei Misdroy an der Ostsee betreut und ehrenhalber dem Bamberger Domkapitel angehört, wollte an die gemeinsamen Wurzeln zwischen den Erzbistümern Stettin in Nordpolen/Pommern und Bamberg erinnern.
Bischof Otto von Bamberg, der nach seiner Heiligsprechung in einem Hochgrab auf dem Michaelsberg in Bamberg beigesetzt wurde, machte sich im 12. Jahrhundert zweimal auf den Weg ins ferne Pommern, um das Evangelium zu verkünden. So entstand das Bistum Stettin, zu dem auch das Ostseebad Swinemünde gehört. Marian Wittlieb suchte exemplarisch zwei Pfarreien aus, die die historische Verbundenheit mit einem Partnerschaftsvertrag besiegeln.
Die beiden damaligen und heutigen Pfarrer Roman Garbicz (Swinemünde) und Kilian Kemmer unterschrieben den Vertrag und erfüllten ihn mit Leben. Seit 20 Jahren besuchten sich auf 18 Reisen Deutsche und Polen verschiedener Generationen und Altersstufen gegenseitig.
Sicherlich war die Einweihungsfeier der neuen Kirche in Swinemünde, an der knapp 200 Höchstadter im Jahr 2000 teilnahmen, ein Höhepunkt der Partnerschaft. Im September 2017 fanden die Begegnungen des 20-jährigen Jubiläums in Swinemünde statt, an denen sich auch der Stettiner Erzbischof Andreas Dziega 100 Kilometer nördlich von seinem Bischofssitz aus beteiligte. Damals versprach er beim Gegenbesuch der Stettiner teilzunehmen, was er vergangene Woche -wie berichtet - im Rahmen der Lichterprozession am Abend des Maifeiertages auch einlöste.
Die 51 Personen zählende polnische Gruppe war in Höchstadter Gastfamilien untergebracht. An einem Besuchstag reisten die Swinemünder Gäste auch nach München, um von dort aus das Konzentrationslager Dachau zu besuchen. Dort wurde 1943 ihr Kirchenpatron Michael Kozal getötet. Der polnische Bischof kämpfte gegen die Nationalsozialisten und deren menschenverachtende Ideologie und musste dafür sterben.


Bald Höchstadter Straße in Polen

Beim städtischen Empfang würdigte Bürgermeister Gerald Brehm den "Brückenbau, den Glaube und Kirche leisten können, um Völker zu befrieden und zusammenzuführen". Im Rahmen des Empfanges trug sich der Stettiner Erzbischof ins Goldene Buch der Stadt Höchstadt ein.
Die gesamte Gruppe besuchte an der Spitze des Treibweges die Swinemünder Straße. Dabei verrieten politisch Verantwortliche aus Swinemünde, dass es nach 20-jähriger erfolgreicher Partnerschaft auch bald eine Höchstadter Straße in Swinemünde geben soll. red