Stephan Herbert Fuchs

Arbeit verloren, Wohnung verloren - und jetzt hätte ein 35-jährger Mann aus Kulmbach wegen einer Drogengeschichte auch fast noch seine Freiheit verloren. Fast, denn soweit wollte Richterin Sieglinde Tettmann dann doch nicht gehen und den momentan wohnsitzlosen Angeklagten wegen des Besitzes zweier geringer Mengen Marihuana einsperren. Viel hätte allerdings nicht gefehlt, denn der Kulmbacher war bereits umfangreich vorbestraft und hatte eine offene Bewährung in seinem Vorstrafenregister.

Im November des vergangenen Jahres hatte der Angeklagte wieder einmal einen heftigen Streit mit seiner mittlerweile getrennt lebenden Ehefrau. Sogar die Polizei musste anrücken. Die Beamten erteilten dem Mann einen Platzverweis und nahmen ihn wegen einer ernst zu nehmenden Suizidandrohung mit auf die Dienststelle.

Dort rückte er eine kleine Metalldöschen heraus, in dem sich eine geringe Menge von weniger als einem Gramm Marihuana befand.

Immer wieder krachte es

Doch damit nicht genug. Auch im Februar krachte es wieder in der Wohnung des streitlustigen Ehepaars. Wieder musste die Polizei anrücken, diesmal zog der Angeklagte aus einem Küchenkasten eine geringe Menge Tabak-Marihuana-Gemisch hervor. "Ich hatte halt wieder Stress zuhause", sagte er.

Das alles wäre wohl kaum der Rede wert, wenn der Angeklagte nicht insgesamt zwölf Vorstrafen hätte. Etliche davon waren wegen Erwerbs, Besitzes und Handels mit Drogen, jeweils in zahlreichen Einzelfällen. Wirklich ins Gefängnis musste er deswegen noch nicht, immer kam er mit Bewährungsstrafen davon.

Hintergrund ist eine schwere Suchterkrankung. Zweimal waren entsprechende Therapien gescheitert, sogar im Bezirkskrankenhaus war er für längere Zeit schon stationär untergebracht. Nun strebt er wieder eine Langzeittherapie an. Sogar einen Platz hat er schon, doch noch keine Zusage für eine Kostenübernahme.

Für die Staatsanwaltschaft war das Maß trotzdem voll, zumal eine weitere Drogengeschichte, diesmal geht es um den Besitz von drei Gramm Marihuana, im Raum steht. Der Anklagevertreter beantragte eine Haftstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung. Der Angeklagte habe keinen festen Wohnsitz, keine Arbeit, Therapien seien gescheitert, eine Bewährung stehe offen, da sei keine positive Sozialprognose mehr möglich.

Riesengroßes Pech gehabt

Verteidiger Andreas Piel sah das anders. Sein Mandant habe alles versucht und sei immer wieder in Arbeit gestanden. Der Angeklagte habe im Leben aber auch riesengroßes Pech gehabt. Trotzdem gebe er aber auch diesmal nicht auf, um aus seinen schwierigen Lebensumständen herauszukommen. Der Verteidiger beantragte die letztlich auch verhängte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro (1800 Euro).

Immerhin bekommt der Angeklagte derzeit noch Arbeitslosengeld, von dem er die Strafe zahlen kann. Wegen seiner Suchterkrankung hatte ihm sein letzter Arbeitgeber gekündigt.

"Die Frage ist, muss man den Angeklagten wegen zweier Fälle einer weichen Droge in jeweils äußerst geringer Menge wirklich einsperren", so Richterin Tettmann.

Sie meinte nein und zählte noch einmal die besonderen Umstände auf, die eine Bewährung begründen. Unter anderem habe der Angeklagte die Drogen freiwillig herausgegeben, beiden Fällen sei ein heftiger Streit mit seiner Ehefrau vorausgegangen, er habe sich nachweislich um einen Therapieplatz bemüht und nehme momentan keine Drogen.