Servus und Grüezi: In diesem Sommer nimmt Ulrich Großmann seinen Hut als Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums. Nachfolger wird mit Daniel Hess ein Schweizer. Hess ist derzeit Erster Stellvertreter Großmanns.

Der ist Experte für Burgen und andere Bauwerke des Mittelalters. Hess ist Spezialist für Malerei aus dem Mittelalter. Alte Meister wie Albrecht Dürer oder Lucas Cranach sind das Steckenpferd des Schweizers. Der Personalwechsel an der Spitze des Nationalmuseums, der am 1. Juli über die Bühne gehen wird, dürfte vor diesem Hintergrund auch die Themen der Ausstellungen verändern.

Zum Abschied präsentiert Großmann eine Sonderausstellung mit dem Titel "Abenteuer Forschung". "Wir hängen nicht nur Bilder an die Wand. Wir legen im Germanischen Nationalmuseum großen Wert darauf, dass unsere Ausstellungen einen bleibenden Wert haben", betonte Ulrich Großmann.

Allerdings haben im vergangenen Jahr lediglich 320 000 Besucher den Weg ins Germanische gefunden. Schuld daran war laut Großmann der "Super-Sommer". Für ein Forschungsmuseum seien die Besucherzahlen freilich nicht allein maßgebend. "Die Wirkung einer Forschung ist für uns entscheidend", erklärte Großmann bei seiner letzten Jahrespressekonferenz. Deshalb will der scheidende Museumsdirektor den Kunst-Detektiven mit seiner letzten Ausstellung zum Abschied ein museales Denkmal setzen. In den vergangenen 25 Jahren seien Großmann zahlreiche Rätselfragen der Kunstgeschichte begegnet. "Man findet häufig etwas, womit man überhaupt nicht rechnet. Manchmal ist es einfach nur gut, ganz genau hinzuschauen". Mit seiner Abschiedsausstellung will Großmann den Besuchern zum ersten Mal einen umfassenden Blick hinter die Kulissen des Forschungsmuseums ermöglichen.

Kunstfreude werden sich wohl noch ein bisschen mehr auf die große Franz-Marc-Ausstellung mit dem Titel "Auf dem Weg zum Blauen Reiter" freuen, die vom 23. Mai bis zum 1. September in Nürnberg zu sehen ist. Darin werden rund 300 Zeichnungen aus der Feder des Expressionisten gezeigt. Die Skizzenbücher von Franz Marc zählen zu den kostbarsten Schätzen der Graphischen Sammlung im Germanischen Nationalmuseum. "Insgesamt existieren noch heute 32 Skizzenbücher von Franz Marc, von denen sich 26 im Besitz des Germanischen Nationalmuseums befinden", sagte Yasmin Doosry, Leiterin der Graphischen Sammlung.

Pikante Details

Die Nürnberger Gruppe bilde den umfangreichsten Teilbestand in Marcs zeichnerischem Werk. Die Hälfte des genauso empfindlichen wie wertvollen "Marc-Schatzes" soll im Sommer in Nürnberg ausgestellt werden. Die Skizzenbücher halten laut Doosry nicht nur Arbeitsweise, Werkchronologie und Stilentwicklung Franz Marcs vom Jugendstil bis zum Expressionismus fest. Die zahlreichen Zeichnungen geben auch Aufschluss über die Entstehung wichtiger Werke. Um die Aktstudien soll es im Hause Marc bekanntlich häufiger zu Streitereien aus Eifersucht gekommen sein. Die zwischen den Jahren 1904 und 1914 entstandenen Zeichnungen zeugen aber auch vom Kampf um die moderne Kunst in den entscheidenden Jahren in Deutschland.

Mit einer Ausstellung über mittelalterliche Superhelden dürfte Daniel Hess eine erste Duftmarke seines Direktoriums setzen wollen. Unter dem Titel "Helden, Märtyrer, Heilige" widmet sich das Haus ab April den mutigen Heroen aus dem Mittelalter. Gezeigt werden dann rund 50 Exponate aus dem 13. bis 15. Jahrhundert.