Die Arbeitsgruppe "Forstwirtschaft" des Vereines "Unser Frankenwald" hat nun ein Arbeitspapier mit konkreten Inhalten zur Weiterentwicklung der Forstwirtschaft im Frankenwald verfasst.

Das Arbeitspapier mit dem Titel "FrankenWALDStrategie 2050" nennt konkrete Handlungsansätze, in welchen Bereichen zum Thema Wald Verbesserungen erzielt werden könnten. "Viele Bürger aus der Region haben uns in Einzelgesprächen ihre Sorgen um den Wald mitgeteilt", so Vorsitzender Ludwig von Lerchenfeld. "Wir sehen die Inhalte als Beitrag zu einer Diskussion, welche möglicherweise bereits durch die Behörden geführt wird. Gerne sind wir bereit, unsere Vorschläge an einem runden Tisch gemeinsam zu erörtern. Nur landkreisübergreifend können die Herausforderungen beim Waldumbau gemeistert werden", so Ludwig von Lerchenfeld.

Grundsätzlich geht es dem Verein darum, den Wald fit für die nächsten Generationen zu machen. Eine dauernde Bestockung mit verschiedenen standortgerechten Baumarten sei demnach anzustreben. "Vordringliches Ziel ist, die Leistungen des Ökosystems Wald stabil zu erhalten, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Dies bildet eine solide Grundlage für die daraus folgende Prozess- und Wertschöpfungskette im forstwirtschaftlichen Bereich. Das sichert langfristig ebenfalls den Bestand der verarbeitenden Gewerbe, der daraus entstehenden Produkte, den Naturschutz und den Tourismus."

Nennenswerter Fichtenanteil

Die Prognosen zum Klimawandel deuteten darauf hin, dass der Frankenwald sich zu einem Mischwald mit weiterhin nennenswerten Anteilen der Fichte hin entwickeln wird. Durch geeignete Durchforstungsmethoden soll zu einer dauerwaldartigen Struktur der Wälder hingeführt werden. Letztlich ist eine einzelstammweise Nutzung das Ergebnis dieses Prozesses, da folglich Wälder entstehen, welche verschiedene Baumarten in verschiedenen Altersstrukturen auf gleicher Fläche aufweisen. Ein dauerhaft stabiler Wald wirkt wiederum moderierend auf das Kleinklima. Er speichert und filtert Regenwasser und vermindert Hochwasserspitzen. Insbesondere bei zu erwartender Häufung von Starkregenereignissen ist dies ein nicht zu vernachlässigender Effekt.

Der Waldumbau muss deshalb beschleunigt werden. "Wir empfehlen daher die Schaffung zusätzlicher Försterstellen für die Begleitung der Waldbesitzer und regionalen Unterstützung dieser Notwendigkeit." Der Verein empfiehlt darüber hinaus "Waldumbau-Modellgemeinden". In der Überlegung des Waldumbaus spielt für die Verein unter anderem die Douglasie als geeignete Baumart eine wichtige Rolle.

Steigende Nachfrage

Mit dem angestrebten Ausstieg aus der Kernenergie und der steigenden Nutzung regenerativer Energiequellen erwartet der Verein eine tendenziell steigende Nachfrage nach dem Rohstoff Holz. Die Nutzung dieses Potenzials und somit die Steigerung der regionalen Wertschöpfungsketten sollten optimiert und gesteigert werden. Dem Verein schwebt dabei unter anderem die Stärkung des Labels "Pro Holz Bayern" vor. Auch gelte es die Waldbesitzervereinigungen als Dienstleister zu stärken. Auch müssten die Waldförderprogramme überarbeitet werden.?

Die privaten Waldbesitzer sollen weiterhin aktiv über die Bewirtschaftungsmöglichkeiten ihrer Wälder informiert werden. Praxisveranstaltungen und Workshops hierzu seien ins Leben zu rufen. Die Ausrichtung von Waldumbau-Aktionstagen für Waldbesitzer soll aktiv von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) durchgeführt werden. Die Verwendungsmöglichkeiten als technologisch flexibler Rohstoff sind in den letzten Jahrzehnten vielfältiger geworden. Eine Verbreiterung des Angebotes und die Entwicklung von Nischenprodukten sind laut Verein ein wichtiger Schritt, um auf solche Szenarien vorbereitet zu sein. "Zweifelsfrei ist dies ein wichtiger Baustein zur Steigerung der regionalen Wertschöpfung, sowie der Schonung fossiler Ressourcen." ? Eine Förderung von Forschungsvorhaben zum Thema "Entwicklung Alternative Werkstoffe aus Holz" sei anzustreben. Diesen Beitrag können sowohl Hochschulen als auch Unternehmen leisten. Eine Vernetzung von Industrie und Wissenschaft sei zusätzlich zu den bereits bestehenden Partnerschaften weiter zu stärken. Neue Erkenntnisse zur Verwendung von heimischem Holz im Allgemeinen und die Verwendungsmöglichkeiten von spezielleren Baumarten seien auf geeignetem Weg an die Waldbesitzer zu übermitteln.

In Bezug auf die Holzerntetechnik soll eine großräumige Bearbeitung von Waldflächen angestrebt werden. Ein flexibler Einsatz mit modernster Technik auf kleinster Fläche müsse sich für den Unternehmer rechnen. Nur so werden sich Unternehmer auf neue Technologien einlassen. Die Bewirtschaftungsmethoden müssen sich dabei an den Qualitätsansprüchen des jeweiligen Waldes orientieren. Um dies zu gewährleisten, sollten unter anderem Einrichtungen geschaffen werden, welche die praktischen Inhalte vertieft an die Waldarbeiter vermitteln.

Lebensraum für Tiere

Ein vielfältiger Wald bietet nicht nur Produktionsfläche für Holz, sondern auch Lebensraum für verschiedenste Tierarten. "In diesem Ansatz beschränken wir uns auf die mit dem Wald in direktem Zusammenhang stehenden Hauptbereiche Wild und Imkerei." Es gilt das Motto "Aus der Region - gut für die Region!" Es ist vor diesem Hintergrund eine Stärkung der bereits gut funktionierenden Strukturen der regionalen Lebensmittelvermarktung durch ein eigenes Label für "Lebensmittel aus dem Frankenwald" zu fördern. Hier könnte nicht zuletzt der Frankenwald Tourismus Service Center eine wichtige Rolle spielen.

Das war ein Auszug aus dem Strategiepapier des Vereins. Wer alle Punkte mit Projektideen und Realisierungspartnern im Detail nachlesen will, wird fündig unter www.unser-frankenwald.de/frankenwaldstrategie2050-februar-2019/ red