„Und jetzt sind wir die größten Idioten“, schimpfte Walther Metzner (WPA) in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates Pretzfeld beim Thema Wässerwiesen. Er ärgerte sich, dass man dem Gremium das Wässerwiesenprojekt „schmackhaft“ gemacht habe. „Und hinterher bekommen wir nur zwei solche Stelen. Das ist nur Verarsche“, trug er sichtlich erbost vor und wies darauf hin, schon früher die Kosten hinterfragt zu haben. Auch sei das Gremium nicht informiert worden, dass nur Gemeinden mit Wässerwiesen-Genossenschaften finanzielle Unterstützung erhalten. Eigentlich sollte das Gremium in dieser Sitzung nur beschließen, dass zwei Infostelen und ein Outdoor-Terminal mit Touchscreen am Kirschenweg zwischen Pretzfeld und Hagenbach errichtet werden sollen.

Einige waren sauer

Doch einige Räte waren sichtlich sauer. Erhard Müller (WPA) warf Bürgermeister Steffen Lipfert (FW) vor, dass dieser auf Nachfrage behauptet habe, dass bezüglich einer neuen Genossenschaft „was am Laufen“ sei. „Jetzt bekommen andere das Geld. Ich bin sehr enttäuscht“, meinte Müller und zeigte einen Bericht, in dem stand, dass für 820.000 Euro elf Stauanlagen in anderen Gemeinden repariert werden. „Es gab Anfang der 2000er Jahre Bestrebungen, eine Genossenschaft zu gründen“, gab der Bürgermeister an.

Ursprünglich war eine Teilnahme am Wässerwiesenprojekt im Mai 2017 vom damaligen Gremium abgelehnt worden. Johannes Mohr vom Landratsamt Forchheim hatte die Räte in der darauffolgenden Sitzung jedoch überzeugen können. Die damaligen Kosten für das für drei Jahre geplante Projekt beliefen sich auf gesamt 400.000 Euro , wobei 70 Prozent vom Bayerischen Naturschutzfonds, zehn Prozent von den beteiligten acht Gemeinden und zehn Prozent von der Oberfrankenstiftung übernommen wurden. Für Pretzfeld fielen 12.000 Euro an, da die Marktgemeinde den größten Flächenanteil hat. Im September 2020 wurde das Projekt bis 2022 verlängert. Dafür zahlte die Gemeinde 12.393 Euro . Nun ärgerten sich einige Marktgemeinderäte, denn für die rund 24.000 Euro erhalte die Gemeinde jetzt nur zwei Stelen. „Ich bin maßlos enttäuscht, denn da sind wir über den Tisch gezogen worden“, schimpfte auch Gerhard Mühlhäußer (CSU/BB).

Immaterielles Kulturerbe

Steffen Lipfert beteuerte, dass keine Einschränkungen für die Bewirtschaftung vorgesehen seien: „Bei uns handelt es sich um immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Da geht es um das Wissen, das erhalten und weitergegeben werden soll.“ Die Räte beschlossen, die Stelen aufstellen zu lassen.