„Wenn diese Themen nicht aufgegriffen werden, wäre es schwierig, sie im kollektiven Bewusstsein zu binden. Der Erinnerungskultur und dem Bewusstwerden, was Demokratie bedeutet und wie wertvoll beides für unsere Gesellschaft ist, dazu möchte dieses Buch beitragen“, erklärt Manfred Franze. Sein neuestes Werk mit dem Titel „Der schwierige Weg zur Demokratie “ ist nun im Bumerang-Verlag erschienen. In 27 Kapiteln werden Artikel zur Geschichte der Region aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die der Historiker Franze bereits in der Tagespresse veröffentlicht hatte, mit umfangreichen Fußnoten versehen und zu einem Werk zusammengefasst. Ergänzt wurden die Artikel um die Rede Franzes zum 40-jährigen Bestehen der Bundesrepublik Deutschland im Kreistag von Forchheim im September 1989.

„Ich bin bei meinen letzten Vorträgen gefragt worden, ob man das, was ich hier

dargestellt habe, auch nachlesen könne“, erzählt der Autor. So kam er auf die Idee, seine gesammelten Werke zusammenzufassen und diese durch Fußnoten wissenschaftlich aufzubereiten. Im Buch wird aufgezeigt, wie schwierig der Weg war von der Bayerischen Monarchie bis zur Bundesrepublik.

Manfred Franze ist 78 Jahre alt und wohnt in Ebermannstadt . Er hat Geschichte, politische Wissenschaften und Deutsch studiert. Geboren wurde er

im Riesengebirge. Seine Familie wurde 1946 ausgesiedelt und kam nach Forchheim. Hier ging er zur Schule, machte das Abitur und studierte in Erlangen. Später zog er nach Ebermannstadt .

Dank an Willy Brandt

Franze verrät, dass ihm Willy Brandt den Mut gegeben hatte, sich für Demokratie einzusetzen, indem er aktiv Politik mitgestaltete. Manfred Franze war 23 Jahre Mitglied im Ebermannstadter Stadtrat und zwölf Jahre im Kreistag. Er engagierte sich für die Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Chantonnay oder für „Pulse of Europe“. Zudem hält er Vorträge zu Themen der Demokratie und schreibt Bücher zur Historie Forchheims, Ebermannstadts und der Fränkischen Schweiz. 1974 war er als Lehrer von Schülern gefragt worden, ob es auch in Ebermannstadt Nazis gegeben habe. Da es damals keine Unterlagen gab, machte er sich mit den jungen Menschen auf den Weg, Zeitzeugen und Dokumente zu suchen. So entstand eine wichtige historische Sammlung, die Basis für Franzes Bücher wurde.

Im neuesten Werk „Der schwierige Weg zur Demokratie “ geht es von der Monarchie über Revolution und Diktatur zur Demokratie . Das Werk beginnt mit einem Artikel über den Staatsbesuch Prinz Ludwigs von Bayern in der Fränkischen Schweiz. Eine Grotte war nach dem Prinzen benannt worden und es hatte ein Festessen in Muggendorf gegeben. Sechs Jahre später gab es Krieg .

Viele Aspekte

Aus dieser Zeit lag dem Autor Feldpostkorrespondenz von Kaspar Detzel aus Ebermannstadt vor. „ Monarchie , Revolution, Republik , Diktatur und Widerstand im Nationalsozialismus kommen in Einzelaspekten genauso zur Sprache wie Frauenbewegung und Schulgeschichte . Es ist nicht die gängige Heimatgeschichte, sondern der Blick auf das Besondere, bisher etwas Vernachlässigte, das im Mittelpunkt des Interesses steht, das Ansätze deutlich macht, die für die Demokratie wichtig sind“, erläutert Franze.

Mehrere der Artikel wurden durch Nachträge aktualisiert und neu kommentiert. „Zum Beispiel der Totschlag von 1933 in Gaiganz, der den Nationalsozialisten Gelegenheit zu einem Schauprozess und einer spektakulären Begräbnisprozession bot, der aber andrerseits auch noch einmal die gegensätzlichen konfessionellen Unterschiede von benachbarten Dörfern deutlich macht, die sich politisch niederschlugen“, erklärt der Autor, der auch darauf einging, wie die Bevölkerung auf das Pogrom reagierte.

„Für die Beantwortung werden lokale Polizeiberichte, aber auch wissenschaftliche Literatur herangezogen“, sagt Franze. Das Bezirksamt Ebermannstadt schrieb im Monatsbericht vom Dezember 1938, dass der überwiegende Teil der

Bevölkerung die Bestrafung der Juden mit einer Geldbuße befürworte und es für richtig halte, diese aus dem Erwerbsleben auszuschalten. Sie seien aber gegen Zerstörungen und Plünderungen.

Ein anderer Nachtrag erinnert an einen Fußballverein in Pottenstein nach 1945. „Unmittelbar nach Kriegsende ließen sich an die 100 jüdische Displaced Persons, also von den Nazis aus ihrer Heimat verschleppte oder inhaftierte Personen, für zwei Jahre in Pottenstein nieder. 1946 entstand hier sogar ein eigener jüdischer Fußballverein“, berichtet Franze.

Er ist froh, dass er in einer Demokratie leben kann. Auch wenn man vielleicht manchmal anderer Meinung ist, aber das gilt, was die Mehrheit will.