„Wir sind dran! Kindersprechstunde – wenn Eltern psychisch krank sind“ – so lautete der Titel einer Veranstaltung im Kreistagssaal des Landratsamtes Forchheim , an der zahlreiche Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung , aus Schulen, Kindertageseinrichtungen und dem Gesundheitswesen in Präsenz oder online teilnahmen. Landrat Herrmann Ulm wies auf die zusätzlichen Belastungen für diese Familien in der Pandemie hin.

Drei bis fünf Millionen Kinder

Die Referentin, Diplom-Psychologin Susanne Feidner, Psychotherapeutin für Kinder- und Jugendliche am Klinikum Nürnberg , hob in ihrem Vortrag hervor, dass circa drei bis fünf Millionen Kinder in Deutschland zeitweise mit einem psychisch kranken Elternteil zusammenleben. Diese Kinder hätten oft Ängste, Selbstzweifel, ständig innere Unruhe und wüssten meist zu wenig über die Erkrankung ihres Elternteils.

Was betroffene Kinder stärkt

Da sich diese Kinder um jüngere Geschwister kümmerten und auch elterliche Aufgaben übernähmen, müssten die Kinder besonders gestärkt und gefördert werden. Persönliche, familiäre und soziale Schutzfaktoren wie Selbstvertrauen, Krankheitswissen und insbesondere stabile Bezugspersonen außerhalb der Familie erhöhten die psychische Widerstandskraft der Kinder.

Eine Hilfe für die betroffenen Kinder könne es sein, zum Beispiel einen „Notfallkoffer“ (Wer kümmert sich im Notfall, Kontaktdaten, Kuscheltier, usw.) zu erstellen. Sie therapeutisch einzubinden oder eine Betreuungseinrichtung wie Kita oder Schule hinzuzuziehen, sei ebenso hilfreich. Erzieher und Lehrer könnten die Rolle einer wichtigen Vertrauensperson einnehmen und unterstützend agieren.

Tipps für die Teilnehmer

Folgende Empfehlungen bekamen die Teilnehmer von der Referentin mit auf den Weg: Reflektieren Sie die eigene Haltung zu psychischen Erkrankungen , trauen Sie sich, hinzuschauen. Hören Sie zu. Trauen Sie sich, nachzufragen. Fördern Sie die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen.

Diplom-Psychologin Feidner gab zu bedenken, dass durch die Corona-Pandemie fast jedes dritte Kind laut der Copsy-Studie psychisch auffällig ist, unabhängig vom Gesundheitszustand der Eltern (siehe auch https://bvpraevention.de/cms/index.asp?inst=newbv&snr=13313).

Zum Beispiel „Lilly“

Im Anschluss wurde der mehrfach ausgezeichnete Kurzfilm „Lilly“ von Regisseur Jan Buttler gezeigt. Er erzählt seine Geschichte aus der Perspektive des neunjährigen Mädchens Lilly, die immer häufiger auf ihren sechsjährigen Bruder Paul aufpassen muss, da ihre Mutter psychisch erkrankt ist.

Zum Schluss der sehr informativen Veranstaltung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Ausstellung „Kindersprechstunde“ im Foyer des Kreistagssaals zu besuchen. red