Im Scheßlitzer Ortsteil Starkenschwind referierten Lothar Winkler, Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberfranken, und sein für Westoberfranken zuständiger Abteilungsleiter, Leitender Baudirektor Wolfgang Kießling, über die Leistungen ihres Amtes in den Landkreisen Bamberg und Forchheim im Jahr 2020 und die Perspektiven für das laufende Jahr.

Winkler erläuterte, dass im Landkreis Forchheim im vergangenen Jahr 50 Projekte mit maßgeschneiderten Lösungen zu den aktuellen Herausforderungen und für eine zukunftsgerechte Entwicklung der Dörfer und der Flur gefördert wurden. Die erfolgten Investitionen von 6,7 Millionen Euro wurden mit fast 3,8 Millionen Euro gefördert. Laut Ifo-Institut können die eingesetzten Fördermittel sogar das Siebenfache an Investitionen auslösen.

Baudirektor Kießling erklärte, dass im Bereich Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) Fränkische Schweiz Aktiv ein Planungsbüro mit der Erstellung eines Kernwegenetz- und eines Wohnmobilstellplatz-Konzeptes beauftragt sei. Die ILE möchte damit auf den Anstieg im Fremdenverkehr reagieren. Der zweite regionale Genussmarkt in Weilersbach fiel wegen Corona aus und soll nachgeholt werden.

Von 69 beantragten Kleinprojekten wie Spielplätzebau und Dorfplatzgestaltungen seien 19 umgesetzt worden. Auf Nachfrage von Forchheims stellvertretendem Landrat Otto Siebenhaar (FW) wegen des Kernwegenetzes erklärte der Baudirektor, dass bei der nächsten Sitzung die Bürgermeister darüber informiert werden. Die jetzt 2,70 bis 3,00 Meter breiten Wege sollen auf 3,50 Meter verbreitert werden. Es werden nicht alle Flurwege so breit ausgebaut, sondern nur die überkommunalen Verbindungswege. „Wichtig ist für uns auch“, warf Winkler ein, „dass das keine Autobahnen werden sollen, sondern die Wege an die breiteren und schwereren landwirtschaftlichen Maschinen angepasst werden, aber auch die Spaziergänger und Radfahrer besser geschützt sind.“

Bambergs Landrat Johann Kalb nannte als Beispiel den bereits vor Jahren ausgebauten Weg von Eggolsheim nach Buttenheim, der zwei Landkreise verbinde und sehr gut angenommen werde.

Die ILE Regnitz-Aisch, in der Eggolsheim und Hallerndorf im Landkreis Forchheim mit Altendorf und Buttenheim aus dem Landkreis Bamberg zusammenarbeiten, habe besonders Projekte aus Mitteln des Regionalbudgets umgesetzt und auch für 2021 schon eine lange Liste von Wunschprojekten. Die Allianz habe auch begonnen, das Flächen- und Leerstandsmanagement zu aktualisieren.

Die „Öko-Modellregion Fränkische Schweiz“ legt Wert darauf, dass in Gemeinschaftsverpflegungen mehr regionale Bioprodukte verwendet werden. Der dezentrale Aufbau von Lagern für Biogetreide soll angegangen werden. Beim Zwischenlager in Creußen habe man mitgewirkt. Weitere Anliegen sind die ökologische Bewirtschaftung von Streuobstwiesen und der vermehrte Anbau der gelben Silphie-Becherpflanze als Alternative zum Maisanbau. Das sogenannte „Öko-Kistla“ mit regionalen Bioprodukten kann bei der Landakademie Feuerstein gekauft werden.

Nach wie vor die wichtigsten Aufgaben des Amtes, fuhr Winkler fort, sind die Dorferneuerung und Flurneuordnung. Bei Ersterer wurde in 41 Dörfern unter intensiver Mitarbeit der Bürger Zukunft gestaltet. Über die Fertigstellung freuten sich die Bewohner zum Beispiel von Burggaillenreuth, Effeltrich, Niedermirsberg und Zaunsbach, um nur einige der Projekte zu nennen. Gebaut wird noch unter anderem in Drosendorf, Hiltpoltstein, Moggast und Wolfsberg, und in der Planung befinden sich Drügendorf, Kasberg, Pautzfeld, Walkersbrunn und Ortspitz der Gemeinde Leutenbach.

Über 11 780 Einwohner des Landkreises sind bei der Dorferneuerung beteiligt. Es wurden Dorfstraßen erneuert, Plätze gestaltet, der Bereich um die Kasberger Linde gesichert und Gemeinschaftshäuser gebaut.

Das Kernanliegen des ALE ist es, die vielfältige Kulturlandschaft und Natur, Wasser und Boden zu erhalten. 18 Flurbereinigungs- oder Flurneuordnungsverfahren stehen auf dem Plan. Während die meisten Verfahren wie in Großenohe, Kunreuth, Pretzfeld und Zaunsbach fertiggestellt sind, befinden sich die von Pinzberg und Wichsenstein noch in der Bauphase. Im gesamten Bereich wurden oder werden noch 4660 Hektar Land bereinigt mit 4460 Teilnehmern. Beim freiwilligen Landtausch machen 34 Bauern mit 78 Hektar Fläche mit. Egglofstein-Mostviel baut das Straßen- und Wegenetz auf einem halben Kilometer aus, Igensdorf (mit den Gemarkungen Rüsselbach, Dachstadt, Pommer, Ermreuth) zusammen mit Neunkirchen am Brand sechs Kernwege mit 4,2 Kilometer. Wichsenstein hat neben dem Bau von elf Kilometern Wirtschaftswegen auch naturnah gestaltete Regenrückhaltebecken und Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen.