Eine Abstimmungsniederlage musste Bürgermeister Alwin Gebhardt (DWV) bei der jüngsten Gemeinderatssitzung einstecken.

„Der Gemeinderat beschließt, dass der Ausbau des Weges Unterleinleiter in Richtung Biogasanlage Dürrbrunn im Rahmen des Kernwegenetzkonzeptes des Vereins Integrierte ländliche Entwicklung (Ile) Fränkische Schweiz aktiv weiter angestrebt werden soll.“ So lautete der Beschlussvorschlag, den der Rathauschef favorisierte, der aber mit 7:4 Stimmen nach einer kontroversen Diskussion abgelehnt wurde. „Damit steigen wir aus der Kernwegegeschichte aus“, kommentierte Gebhardt.

Die Problematik

Die landwirtschaftlichen Maschinen werden immer größer und schneller, die oft zu schmalen Wirtschaftswege werden zunehmend auch von Radfahrern und anderen in ihrer Freizeit benutzt. Das vorhandene Wegenetz ist dafür nicht ausgelegt. Deshalb haben die zehn Kommunen der Ile bereits im Sommer 2020 das Projekt „Kernwegekonzept“ gestartet. Dessen Ziel ist es, die landwirtschaftlichen Hauptwege zu identifizieren und diese dann an die gegebenen Verhältnisse anzupassen. Das Kernwegeprojekt der Ile Fränkische Schweiz aktiv kostet rund 43 000 Euro und wird mit knapp 32 000 Euro über das Amt für ländliche Entwicklung bezuschusst.

Die Kommunen, die sich daran beteiligen und Wege dafür anmelden, können mit hohen Förderungen für die Straßensanierung oder den Straßenbau rechnen. Fachlich begleitet wird dieses Projekt von der BBV-Landsiedlung GmbH, deren Engagement darauf abzielt, die heimische Landwirtschaft in ihrer betrieblichen Entwicklung zu unterstützen und den ländlichen Raum in Bayern zu stärken. Diese Firma schlug nun zusammen mit der Ile-Managerin vor, den Weg vom Schulberg in Unterleinleiter bis hoch zu der Biogasanlage an der Gemeindegrenze zu Heiligenstadt in das Kernwegenetzkonzept aufzunehmen.

Für Bürgermeister Gebhardt war es wichtig, für die Bezuschussung künftiger Wegebaumaßnahmen mit staatlichen Mitteln den Fuß in der Tür zu haben. „Damit wir auch in Zukunft den Straßenbau und die Straßensanierung gefördert bekommen, damit wir dann nicht alles selbst zahlen müssen“, sagte Gebhardt.

Die Meinungen

„Guckt man dabei nur durch die Brille der Landwirtschaft ?“, wollte Ernst König (DWV) wissen und verwies darauf, dass der Schulweg dort wegen der Enge keinen Gehweg habe und die Grundschüler auf dem Weg selbst zur Schule hoch oder herunter laufen müssten.

Gebhardt bestätigte, dass der Platz für einen Gehweg dort nicht vorhanden sei, der „Schulberg“ aber auch zu landwirtschaftlich genutzten Flächen auf der Hochebene führe.

Dritter Bürgermeister Ewald Rascher (FWG) befürchtete einen Konflikt zwischen den immer größer werdenden landwirtschaftlichen Fahrzeugen und den Schülern , den man an der Engstelle nicht auflösen könne.

Uwe Knoll (FWG) erklärte, dass der Schulweg für die Kinder zu gefährlich werde, wenn man ihn ausbaue, und schlug vor, dass die großen Fahrzeuge zur Biogasanlage auch über Volkmannsreuth fahren könnten, was einige schon machten.

„Wenn es ein Kernweg wird, wird erst recht da durchgefahren“, gab auch Zweiter Bürgermeister Holger Strehl (NWG) zu bedenken. Außerdem gehe dann die Straße durch die großen Fahrzeuge schneller kaputt, „und es kostet uns am Ende einen großen Batzen Geld“, meinte Strehl, der es als „grob fahrlässig“ bezeichnete, den Weg für den Schwerlastverkehr noch attraktiver zu machen.

Alexandra Ott (FWG) wurde es himmelangst bei dem Gedanken, dass ein Kind an der Engstelle von so einem Fahrzeug mit Riesenreifen eingequetscht würde. König sprach sich für eine Geschwindigkeitsreduzierung aus, weil die Schulwegsicherheit ein hohes Gut sei. „Diese müssen wir gewährleisten“, sagte der Jurist. Für einen Teilbereich des Weges werde man aber eine Doppelnutzung nicht verhindern können, da die Landwirte zu ihren Flächen fahren müssten.

Belüftungsanlagen für die Schule

Einstimmig fiel hingegen der Beschluss, die vier Klassenräume der Grundschule mit stationären raumlufttechnischen Anlagen auszustatten. Dies kostet pro Klassenzimmer circa 20 000 Euro. Da der Einbau jedoch mit 80 Prozent bezuschusst werden soll, bleibt für die Gemeinde ein Anteil von rund 16 000 für alle vier Anlagen.

Zugestimmt wurde auch dem Umbau, der Sanierung und Erweiterung des früheren Gasthauses „Zur Eisenbahn “.

Alwin Gebhardt kündigte für den 15. und 18. November Bürgerversammlungen für Unterleinleiter und Dürrbrunn an. tw