Zum Artikel „Biologische Probleme im Klärwerk“ vom 6. Mai:

Der Zweckverbandsvorsitzende widerspricht eben nicht den biologischen Problemen im Klärwerk. Grundsätzlich gilt: Der Gemeinderat und auch der Bürgermeister sind verpflichtet, bei notwendigen Investitionen zum Wohl aller Gemeindebürger zu entscheiden. Weshalb hier auf einen (eventuell auch mehrere) Gewerbebetrieb Rücksicht genommen wird, erschließt sich mir nicht.

Diese Verpflichtung hatte auch vor dieser Legislaturperiode bereits bestanden, wobei ich die jetzigen Verantwortlichen nicht entlasten möchte. Die müssen nun eben das Rückgrat besitzen, welches deren Vorgängern meines Erachtens nach wohl gefehlt hat, und nun transparente und nachvollziehbare Entscheidungen treffen. Ein „Weiter so“ ist nicht nur in der Bundespolitik keiner Unterstützung würdig.

Laut Bürgermeister Bauer hat die Gemeinde Hallerndorf für die Sanierung und Erweiterung der Kläranlage 11 500 Einwohnergleichwerte (EGW) angemeldet. Dieser Wert gibt die Schmutzfracht von indus­triellen und gewerblichen Abwässern bezogen auf die durchschnittliche Schmutzlast von häuslichem Abwasser je Einwohner an. Die Einwohnerzahl (EZ) wurde scheinbar noch nicht berücksichtigt. Meines Wissens nach wird in der Wasserwirtschaft der Einwohnerwert (EW) zur Abschätzung der Belastung einer Kläranlage herangezogen. Es gilt: EW = EZ + EGW. Für Hallerndorf wäre das somit: (EZ) ~4200 + (EGW) 11 500 = 15 700 (EW).

Mir stellen sich nun die Fragen: Welches Gewerbe verursacht diesen hohen EGW? Wäre eine Investition in Höhe von sechs Millionen Euro ohne diesen hohen EGW überhaupt erforderlich? Wurde beziehungsweise wird hier ein Gewerbe durch die Gemeindebürger durch Abwasserbeiträge subventioniert? In welchem Verhältnis wird diese Investition auf Einwohner und verursachendes Gewerbe verteilt?

Bürgermeister Bauer nennt es „ausklabustern“, ich nenne es „eindeutige und nachvollziehbare Berechnung“. Da die Gemeindebürger zur Kasse gebeten werden, würde ich unserem Gemeindegremium empfehlen, Transparenz und nicht Geheimnistuerei walten zu lassen.

Wolfgang Hagen

Hallerndor f