Spätestens nach der Predigt von Pater Ludwig Mazur war wohl den Gläubigen, die zur Feier der Osternacht morgens um 6 Uhr in die Basilika Gößweinstein gekommen waren, klar, dass dieses Osterfest ohne den Blick auf die Schrecken dieser Welt, festgemacht am grauenvollen Krieg in der Ukraine, nicht gefeiert werden kann.

Provokant stellte Pater Ludwig die Fragen „Können wir das machen? Den fröhlichen, ja triumphierenden Ostergruß in diesen Morgen hinausschallen lassen?“

„Natürlich nicht, jedenfalls nicht wie in einem normalen Jahr, wo alles in Ordnung war oder zumindest schien“, war seine Antwort. Woran sich die Frage anschloss, wie denn dann in diesem Jahr Ostern angemessen gefeiert werden könne, ohne falsche Töne? Ohne all den Tod und all die Zerstörung auszublenden und zugleich doch so, dass der schreckliche Karfreitag 2022 die Osterbotschaft nicht unter sich ersticke. Er selbst fühle sich „hin- und hergeschüttelt“, weil hier zwei Gefühle in einem seien, die absolut nicht zueinander passten, die ein tiefes Unbehagen und Missempfinden verursachten: einerseits Schmerz, Trauer und Wut und andererseits die österliche Freude.

Vieles, was in dieser Welt an Schrecklichem, an Entmenschlichung, an unmenschlicher Bosheit passiere, sei immer in der Welt. „Nur war es meist weit weg, so wir konnten es in unserem schönen Europa ein paar glückliche Jahrzehnte vergessen“, meinte Pater Ludwig.

Die Antwort auf die Frage, wie oder ob man überhaupt Ostern feiern dürfe, gerade in dieser Zeit mit verwirrten Gefühlen, lautet deshalb für Pater Ludwig eindeutig: „Bitte erst recht!“ Pater Ludwig fand es gut, dass Lukas sein Evangelium nicht mit Freudenschreien beende. Vielmehr mische sich auch bei ihm Entsetzen, Furcht und Zittern mit der Hoffnung auf das Unerwartbare: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“ An Ostern sei es deshalb angemessen, diese widerstreitenden Gefühle hoffnungsvoll auszuhalten. Dieses Jahr biete die Chance auf echtere Ostergefühle statt eines liturgischen und frühlingshaften Idylls. So schrecklich die Realität, so freudentränengroß könne die Hoffnung sein, die aus der alten Geschichte vom leeren Grab rührt, fasste Pater Ludwig zusammen. Nicht der Tod, sondern das Leben bleibe. Denn das letzte Wort spreche Gott. Gestern, heute und alle Tage.

Osterfeuer gesegnet

In der vorausgegangenen Lichtfeier wurde das von Andreas Thiem vorbereitete Osterfeuer gesegnet und die Osterkerze entzündet. Die Lektorinnen Heidi Hoffmann, Johanna Thiem sowie Adelheid Lang, Kantor Georg Schäffner, Kirchenpfleger Georg Lang und Mesner Reinhold Hutzler bildeten neben den Ministranten und Pater Ludwig die Prozession. Vor dem Schlusssegen segnete Pater Ludwig noch die mitgebrachten Osterspeisen.