Die Faustschläge und Fußtritte ihres 35-jährigen Lebensgefährten haben eine 44-jährige Frau lebensgefährlich verletzt. Der brutale Übergriff geschah Mitte Dezember in einer Unterkunft für Wohnungslose in Forchheim . Das Motiv: Eifersucht. Der Hintergrund: Alkohol und Drogen . Nun hat das Landgericht Bamberg zu entscheiden, wie lange der teilweise geständige Angeklagte für die gefährliche Körperverletzung ins Gefängnis muss.

Es ist mitten in der Nacht. Keiner im Raum kann noch klar denken. Der Alkohol und manch andere Droge sind im Spiel. Stefanie und ihr Freund Axel streiten (alle Namen sind geändert). Sie wird laut und ausfallend, trifft ihn mit Worten unterhalb der Gürtellinie. Er ist kein Freund großer Worte und schlägt zu.

„Es ist richtig zur Sache gegangen“, erzählt der 60-jährige Nachbar, in dessen Wohnung die Auseinandersetzung angefangen hat. Mit einem Faustschlag ins Gesicht, Stefanies Sturz zu Boden und ersten Fußtritten gegen die am Boden liegende Frau. „Danach hat er sie aus meinem Wohnzimmer gezerrt.“

Keiner informiert den Rettungsdienst

Damit ist es aber nicht zu Ende. Die Gewaltorgie setzt sich in Stefanies Räumen eine Etage darüber fort. Am Ende haben Schläge und Tritte sowie Stiche und Schnitte mit einer Glasscherbe und wohl auch brennende Zigaretten Stefanies Körper zugesetzt. Einer der Tritte mit dem Turnschuh ist offenbar so heftig, dass man auf den Fotos aus dem Krankenhaus das Muster der Sohle klar erkennen kann. Es hat sich in Wange und Schläfe eingeprägt.

Den Rettungsdienst ruft in der Nacht übrigens niemand. Weder der Nachbar, der derlei Übergriffe wohl schon von früher kennt. Auch nicht Axel, der kein Interesse daran hat, dass sein brutales Tun ans Licht der Öffentlichkeit gerät. Kurioserweise meldet aber auch Stefanie sich nicht bei der Notrufzentrale. Stattdessen legt sie sich ins Bett und schläft.

Erst am nächsten Morgen entdeckt eine Nachbarin die misshandelte Frau auf ihrer blutigen Matratze. Kurzerhand leistet sie Erste Hilfe und veranlasst, dass die Sanitäter kommen. Dabei hat Axel sie noch gewarnt: „Da brauchst du nicht anrufen“. Als das medizinische Fachpersonal da ist, wird der Ernst der Lage sofort klar. Stefanie hat ein Schädel-Hirn-Trauma dritten Grades, was zum Abriss der Brückenvenen und zu einer Hirnblutung geführt hat. Jetzt muss alles ganz schnell gehen.

Sie kommt ins Klinikum Bamberg und wird sofort operiert. Durch eine Sonde und Medikamente wird der Druck des ausgelaufenen Blutes herabgesetzt. Mit Hilfe eines künstlichen Komas gelingt es den Spezialisten, nicht nur ihr Leben zu retten, sondern auch bleibende Schäden zu vermeiden. Zumindest nach derzeitigem Kenntnisstand. „Allerdings vergisst das Gehirn keine Schädigung“, so der zuständige Oberarzt Dr. Michael Klink aus dem Nervenklinikum St. Getreu. Dorthin kommt Stefanie zur Nachsorge .

Nach sieben Wochen auf dem Krankenlager kann die Frau dann nach Hause. Neben der schweren Kopfverletzung mussten sich die Ärzte freilich auch noch um die gebrochene Nase, zahllose Schürfwunden und Prellungen, drei Schnittwunden am Oberschenkel, zwei Stichwunden in den Bauch und unzählige Brandwunden durch glühende Zigaretten kümmern. „Es war eine Serie von Gewalteinwirkungen“, so der Rechtsmediziner Prof. Dr. Peter Betz von der Universität Erlangen-Nürnberg . Insbesondere die über 50 kreiskunden Brandwunden habe er in 31 Berufsjahren so noch nicht gesehen.

Es ist eine gefährliche Mischung aus Alkoholmissbrauch und Eifersucht, die seit Anbeginn der Beziehung vor rund zwei Jahren das Verhältnis zwischen Stefanie und Axel prägt. Beide kaufen Wein und Schnaps literweise, nur um festzustellen, dass der Stoff am nächsten Tag schon wieder ausgegangen ist. Nur mit Bier gibt man sich als Wirkungstrinker nicht ab. Es dauert schlicht zu lange, bis man den Pegel erreicht hat, ab dem man keine Entzugserscheinungen mehr spürt und es zu „knallen“ anfängt.

Abhängig von Suchtmitteln

Wenn das Gesöff einmal nicht bezahlt werden kann, wird der billige Kräuterlikör auch mal gestohlen, wie frühere Urteile des Amtsgerichts Forchheim zeigen. Axel ergänzt den Rausch mit Fentanyl-Pflastern, die er auf dem Schwarzmarkt kauft. „Das ist in Forchheim sehr verbreitet.“ Das Betäubungsmittel gewinnt er durch Auskochen und pumpt es sich in den Blutkreislauf. Diese Suchtmittel-Abhängigkeit könnte dazu führen, dass Axel neben einer Freiheitsstrafe auch eine Unterbringung in eine Entziehungsanstalt bevorsteht. Was die Zweite Strafkammer des Landgerichts Bamberg dazu meint, wird man am 7. Juli sehen. Dann fällt das Urteil.