Ein doch recht mildes Urteil am Amtsgericht Bamberg erhielt ein 27-jähriger Kurde, der sich 2019 drei erhebliche Vorfälle in Forchheim hatte zu Schulden kommen lassen. Am Ende verhängte das Schöffengericht 20 Monate Freiheitsstrafe, und die auch noch zur Bewährung. Eine Rolle spielte dabei die blutige Vorgeschichte, in der der Angeklagte B. selbst Opfer geworden war.

Man musste schon ganz genau hinhören, als der Vorsitzende Richter Matthias Bachmann erklärte, warum B. auf freiem Fuß bleibt. Natürlich waren da ein Geständnis und die fehlenden Vorstrafen, die zugunsten des Angeklagten sprachen. Auch hatte er bereits fast sechs Monate in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Bamberg verbracht. Viel wichtiger aber war wohl, dass B. in den letzten beiden Jahren wiederholt zur Zielscheibe der Mitglieder einer deutsch-türkischen Familie und deren Freundeskreises geworden war. „Man muss auch sehen, was vorausgegangen ist“, sagte der Richter.

Am Amtsgericht Forchheim hatte man deren Verfehlungen nämlich recht nachsichtig behandelt. Immerhin hatte man B. einst zu viert auf offener Straße verprügelt, auch mit einem Stock malträtiert und mit Füßen gegen den Kopf getreten, mit einem Auto von hinten angefahren und aus einer Entfernung von nur drei Metern mit einer Schreckschusspistole mehrfach beschossen – wenn auch nicht getroffen.

Einige der Vorwürfe hatte man damals fallen lassen, die anderen mit einer sehr moderaten Geldstrafe von 90 Tagessätzen geahndet. Dabei hatte B. nachweislich zahlreiche Prellungen und Schürfwunden sowie eine Gehirnerschütterung erlitten – von den psychischen Folgen wie Angstzuständen und Alpträumen ganz zu schweigen. „Die Vorfälle müssen ihn ziemlich mitgenommen haben“, so Richter Bachmann.

Freilich hat B. in den vergangenen Monaten fast alles richtig gemacht, um einer weiteren Inhaftierung zu entgehen. Er hat sich in eine ambulante Behandlung an der Psychiatrischen Tagesklinik Forchheim begeben. Dann hat er mit dem Trinken aufgehört und diese Abstinenz seit Oktober 2020 durch ständige Urinkontrollen auch nachgewiesen. Mit einer Suchtberatung hat er an seinem Alkoholmissbrauch gearbeitet.

Finanzielle Wiedergutmachung

Zuletzt hat er mit allen Verletzten seiner Ausraster eine finanzielle Wiedergutmachung vereinbart. Dem jungen Mann, dessen Armvene von einer zerbrochenen Bierflasche zerfetzt worden war, sicherte er 1750 Euro Schmerzensgeld zu. „Ohne eine Bewährungsstrafe kann das Geld dafür nicht verdient werden“, machte Verteidiger Christian Barthelmes aus Bamberg von Beginn an sein Verhandlungsziel klar. Der Polizist mit dem Fußtritt ins Gesicht und den Folgeschäden an der Wirbelsäule bekam bereits 1200 Euro Schmerzensgeld . Sein Dienstherr erhielt 2000 Euro für die vorübergehende Dienstunfähigkeit . Seiner Kollegin, die B. geschubst hatte, so dass sie auf den kleinen Finger fiel, wurden 250 Euro überwiesen.

Auch der Sachschaden an der Lüftungsanlage des Polizeifahrzeugs , die Reinigungskosten für den mit blutigem Schleim verschmierten Innenraum und der Ersatz für die verdreckte Uniformhose in Höhe von rund 640 Euro sind schon erstattet.

Etliche Beleidigungen

Am Ende waren es etliche Fälle der Beleidigung , des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, der gefährlichen und vorsätzlichen Körperverletzung sowie der Sachbeschädigung vor einer Kneipe in der Innenstadt, auf einem Discounter-Parkplatz im Süden Forchheims und in und an einer Asylbewerberunterkunft in der Serlbacher Straße, die zu den 20 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung führten. Damit setzte sich Staatsanwalt Michael Demling nicht durch, der zweieinhalb Jahre, natürlich ohne Bewährung, gefordert hatte.

Auch die von Rechtsanwalt Stefan Kohler aus Forchheim vertretenen Nebenkläger, die mit der zerbrochenen Bierflasche attackiert worden waren, zeigten sich enttäuscht vom Ausgang des Verfahrens. Sie hätten B. gerne hinter Gittern gesehen.

In den nächsten drei Jahren darf B. nicht mehr strafrechtlich auffallen, muss den Anweisungen eines Bewährungshelfers folgen und darf keinen Alkohol konsumieren. Das wird mit Haar- und Urinkontrollen wiederholt überprüft werden. Außerdem darf er seinen Arbeitsplatz nicht gefährden und muss die ambulante Therapie fortführen. Macht er all das nicht, dann wird er doch noch gesiebte Luft atmen müssen.