Die aktuellen Starkregenereignisse bringen „ein Zuviel davon“, während in tieferen Bodenschichten noch immer die Folgen der letzten Trockenjahre das „zu wenig davon“ abbilden – in Zeiten des Klimawandels scheint die zeitliche und räumliche Verteilung von Regenwasser das alte Gleichgewicht zu verlassen. Vor dem Hintergrund der Zunahme an Extremwetterereignissen steht die Wasserwirtschaft vor einer Änderung der Strategie im Umgang mit Regenwasser: von zeitweise zu viel und überlaufenden Kanalsystemen zu wohldefinierten Auffang- und Speichersystemen. Das Prinzip „Schwammstadt“ wurde vor Kurzem von Professor Wolfgang Dickhaut von der Universität Hamburg im Rahmen des Projekts „Stadt-Klima-Wandel 2021“ des Bundes Naturschutz (BN) in einem Webinar vorgestellt, wie die BN-Kreisgruppe Forchheim mitteilt.

Änderungen in der Wasserbewirtschaftung lassen sich laut Dickhaut nicht nur auf die Notwendigkeit von technischen Änderungen reduzieren, Planungsrecht, Kommunikation und Anpassung der Verantwortlichkeiten, auch der Objektschutz in Eigenverantwortung müssten einbezogen werden. Soll Regenwasser dezentral in der Wasserbewirtschaftung gehandhabt werden, müsse man wissen, wo es in der Regel ankommt, das heißt es müssten Niederschläge dokumentiert, Fließwege- und Risikoräume in Starkregenkarten erfasst werden, aber auch die Versickerungsfähigkeit von Flächen müsste bekannt sein.

Straßen als Zwischenspeicher

Alle Oberflächen werden in eine wasserwirtschaftliche Konzeption einbezogen, um in einer Nutzungskaskade von Speichern – zeitweiser Zurückhaltung – Bewässerung – Verdunstung – Versickerung – Notableitung eine Annäherung an den natürlichen Wasserkreislauf nicht versiegelter Böden zu erzielen. Dabei werden auch Flächen multifunktional gedacht und eingesetzt, d. h. Straßen und Plätze werden sogar zeitweise als Zwischenspeicher genutzt, ohne dass Gebäude oder Menschen Schaden nehmen, oder sie sind Notwasserwege. Bilder von gefluteten Straßen mit durchfahrenden Autos würden nicht immer Katastrophen zeigen, sondern könnten auch gewollte, zeitweise Regenspeicher zeigen.

Ein besonders interessanter Versuch wurde aus Hamburg-Harburg vorgestellt, bei dem unbelastetes Dachflächenwasser über Kanalschächte mit Überlauf Jungbäumen zugeleitet wird, die zudem in eine Lehmwanne zur Wasserspeicherung gepflanzt wurden.

Zum Abschluss des Vortrages wurden noch zwei Beispiele von umgesetzten Neubauquartieren vorgestellt, die bis zu Niederschlagsmengen von 100-jährigen Starkregenereignissen ohne Regenwasserableitung geplant wurden.

Eine Ausstellung zu dem Thema „Regenwasser nachhaltig nutzen – das Prinzip der Schwammstadt“ ist noch bis Freitag, 9. Juli, in der Hauptstelle der Sparkasse Forchheim zu den allgemeinen Öffnungszeiten zu besuchen. Der Eintritt ist frei. red