„Er ist ein weltberühmter Anatomieprofessor“, sagt die Stieftochter über Johannes Wilhelm Rohen aus Neunkirchen am Brand . Rohen feierte seinen 100. Geburtstag mit vielen Verwandten, Bekannten und auch ehemaligen Schülern . Der Anatomie-Atlas ist vielen ein Begriff. Dass ihn der Jubilar geschrieben hat, das wissen nur wenige. „Er hat die Idee der funktionellen Anatomie auf alle Bereiche ausgedehnt und alle Lehrbücher geschrieben. Der Atlas wurde in 22 Sprachen übersetzt“, sagt Elke Lütjen-Drecoll, mit der er sich einen Lehrstuhl teilte und die zusammen mit dem Jubilar Rohen mit dem Helen-Keller-Prize for Vision Research in Fort Lauderdale (USA) geehrt wurde. Das war im Jahr 2007.

Durch die Eltern im medizinischen Bereich geprägt war Johannes Rohen nicht. Sein Vater hatte ein Bauunternehmen, der Jubilar war das einzige Kind. Geboren ist Johannes Rohen in Oldenburg, wo er auch das Gymnasium besuchte. Er wuchs katholisch auf. Das hat ihn geprägt. „Er hat sich sehr für den Menschen engagiert. ,Was ist der Mensch, welche Aufgabe hat der Mensch?’ Mit diesen Fragen hat er sich beschäftigt“, sagt Lütjen-Drecoll. „Mit dem funktionellen Menschsein. Deshalb legte er auch einen Schwerpunkt auf die Augen und den Kehlkopf.“ Der Jubilar hat auch die ersten Glaukom-Operationen mitentwickelt, erhielt dafür zahlreiche Auszeichnungen international und in den USA. Aber Rohen sah den Menschen als Ganzen. Wie wichtig ihm der Mensch war, durften die Studenten bereits bei ihrer Antrittsvorlesung erfahren. Bis zu seinem 90. Lebensjahr hielt Rohen Vorlesungen an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Die deutliche Botschaft Rohens: „Die Studenten müssen an sich arbeiten, um Wissen in Weisheit und Weisheit in Liebe zum Patienten umzuwandeln. So sollte der Arzt sein, denn der Mensch besteht aus Körper, Geist und Seele.“ Gerade diese Ganzheit lag dem Wissenschaftler am Herzen, weshalb er alle Bücher neu schrieb.

„Im Weltkrieg war ich bei der Marine“, sagt Rohen. An das zerbombte Deutschland erinnert er sich noch gut. Studiert hat er von 1940 bis 1946 Humanmedizin an den Universitäten Köln, Freiburg, Breslau und Danzig. Nach seinem Staatsexamen und der Promotion in Tübingen 1946 arbeitete er als Assistenzarzt an verschiedenen Kliniken. 1953 habilitierte er in Anatomie und Embryologie am anatomischen Institut der Universität Mainz und arbeitete dort auch als Assistent.

Ehrendoktor in Uppsala

Johannes Rohen ist Ehrendoktor in Uppsala. Seine Forschungen führten ihn bis 1960 an das Department of Ophthalmology der Washington University in St. Louis, in den Iran und nach Kampala (Uganda). Damit erweiterte er seine wissenschaftlichen Erfahrungen, besonders auf den Gebieten der Augen- und Altersforschung.

Seit seinem Wechsel 1974 an die Universität Erlangen-Nürnberg lebt Johannes Rohen in Neunkirchen am Brand . An der Uni war er bis 1991 Inhaber des Lehrstuhls für Anatomie und Vorstand des Anatomischen Institutes.

Wieder kommen Gratulanten, der Jubilar steht auf, geht auf sie zu. „Es geht mir gut“, sagt Johannes Rohen lächelnd. Das hohe Alter ist auf seinen rhythmischen Lebenswandel zurückzuführen: eine Ordnung, feste Zeiten, ein Ausgleich, sich nicht auffressen lassen.

So gab es neben der beruflichen Seite auch immer den privaten Johannes Rohen. Den Mann, der die Musik liebte. Mit seiner Frau Sigrid (sie brachte zwei Töchter mit in die Ehe) hielt er Hauskonzerte: der Jubilar am Klavier, seine Frau an der Geige. Mit Sigrid hat er einen Sohn .

Johannes Rohen liebt Philosophie, Literatur und das Spazierengehen. Seine Sammlung von Amethystdrusen, ein weiteres Hobby, durften die Gratulanten, darunter Neunkirchens Bürgermeister Martin Walz und Landrat Hermann Ulm , bestaunen.