50 Jahre ist es her, da stand die Klasse 13 a des Schuljahrgangs 1971 zum letzten Mal auf den Stufen des Hauptportals des Herdergymnasiums. Das damals noch gar nicht diesen Namen trug. Neun der Abiturienten der humanistischen Klasse waren am Samstag nochmals gekommen, um mit dem neuen Schulleiter Bruno Kuntke eine Runde durch das Schulgelände zu drehen. Sie wollen ihn „führen“, hatten sie vorab vereinbart.

Die Eingangshalle war ihnen noch vertraut, gab es doch schon damals den beliebten Pausenverkauf in der Ecke. Von den Gebäuden standen nur der A- und der B-Bau. Und das heutige Lehrerzimmer im ersten Stock war ein Klassenzimmer. Sekretariat und das Dienstzimmer des Direktors haben sich bis auf das Mobiliar wenig verändert. Räume, die man als Schüler nicht so gerne betrat; zum Direktor ging es nur, wenn man gerufen wurde. Und das vermutlich mit Bangen.

Auf den Balkon hätte man damals nie gedurft. Verständlich, dass die Ehemaligen das Angebot, auf die schmale Balustrade hinauszutreten, gerne annahmen. Vor allem, als Kuntke ihnen verriet, dass er in seinen ersten Wochen am neuen Arbeitsplatz dort eine Tasse Kaffee mit Weitblick trinkt.

„Es war seinerzeit das größte Gymnasium in Bayern“, erinnerte sich Raimund Dörfler. Das Gymnasium Fränkische Schweiz war im Aufbau und die Teilung in Herder- und Ehrenbürg-Gymnasium zeichnete sich ab.

„Unser ehemaliges Klasszimmer“ stand auf der Besuchsliste ganz oben. „In U-Form sind wir damals gesessen“, wusste noch Rudolf Inderst, als die kleine Gruppe den Raum der heutigen Offenen Ganztagsbetreuung betrat. Es war nicht leicht, den alten Sitzplatz wiederzufinden. Annähernd die Hälfte der Klasse kannte das auch, besuchten doch die „Klosterer“ die weiterführenden Schulen vom Internat der Redemptoristen aus, zuerst in Gars, die Mittelstufe in Ingolstadt und die letzten Jahren eben in Forchheim .

Als „Generation der Auseinandersetzung“ bezeichneten sich die Jubilare selbst, wurden sie doch noch von einer Lehrergeneration unterrichtet, die NS-Zeit und Zweiten Weltkrieg als junge Menschen erlebt hatten und zum Teil – in unterschiedlicher Weise – davon geprägt waren.

Eine kritische Abrechnung war die Abiturzeitung „Der Hoyschreck“. Ihr Verkauf wurde seitens der Schulleitung nicht gestattet. Den Begriff „Generation der Auseinandersetzung“ ordnet Kuntke auch der heutigen Schülergeneration zu, deren Ziel mehr die Bewältigung von Zukunftsproblemen ist als die Bewältigung der Vergangenheit.

Zum Abschied lud Kuntke die Jubilare zum 125. Schuljubiläum ein, das 2024 begangen wird. Sie versprachen zu kommen, soweit man das bei einem Alter um die 70 noch zusagen dürfe. Pauline Lindner