„Ich bin heute völlig sprachlos“, meinte Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) im Laufe der Sitzung des Stadtrats Ebermannstadt . Zuerst waren zwei Tagesordnungspunkte aufgrund eines Antrags von Sebastian Götz (WGM) von der Tagesordnung genommen worden und sie musste den bestellten Referenten nach Hause schicken. Dann hatte das Gremium einem Antrag von Thomas Dorscht (FDP/BFE) zugestimmt, einen Beschluss zu vertagen, damit vor der Entscheidung Bürger befragt werden können.

Wegen der Tragweite der Entscheidung hatte Götz zu Beginn der Sitzung den Antrag gestellt, keinen Beschluss zur Satzung über die Benutzung des Friedhofs und über die Friedhofsgebühren zu fällen. Erwin Horn (NLE) war verwundert: Denn beim kurz vorher stattgefundenen Treffen der Fraktionssprecher habe man sich dazu nicht geäußert.

Bodengutachten

Danach stellte Gerd Glomb vom Büro Solum die Ergebnisse des Friedhof-Bodengutachtens vor. „ Ebermannstadt ist ein besonderer Fall. Wir haben es hier mit Schichtwasser in weiten Bereichen zu tun. Auf der Tonschicht staut sich das Wasser“, erklärte er. Deshalb unterteilte er den Friedhof in einen Bereich I und einen Bereich II. Im Bereich I, dem größten, ist der Boden im Grabraum nass und sauerstoffarm, so dass es zu Leichenwachsbildungen kommt. Hier empfahl Glomb, keine Erdbestattungen mehr durchzuführen. Im Bereich II wären Erdbestattungen möglich: „ Urnenbeisetzungen sind aber weiterhin auf dem gesamten Friedhof möglich.“ Diesem Gutachten hatte sich das Gesundheitsamt Forchheim angeschlossen.

Doch was tun, wenn im größten Teil des Friedhofs keine Erdbestattungen mehr möglich sind? „Die Verwaltung hat sich Gedanken gemacht, wie man in bestehenden Gräbern nach wie vor auch im Bereich I Erdbestattungen anbieten kann. Das gilt aber nur für Altfälle“, erklärte die Bürgermeisterin.

Das Grabhüllensystem „Weihe“

Hierzu war Claus-Peter Müller eingeladen worden. Er stellte das Grabhüllensystem „Weihe“ vor. Särge werden zusammen mit Erde in eine Hülle gegeben, die mit einem Reißverschluss verschließbar ist. Lüftungs- und Überrohre müssen angebracht und der restliche Grabraum mit Erde aufgefüllt werden. Müller erklärte, dass sich die Hüllen nicht zersetzen, sondern dass bei einer weiteren Grabbelegung etwa 18 Kilo Restmüll übrig bleiben. „Die Hüllen vermeiden Wachsleichen, selbst wenn permanent Wasser im Grabraum steht“, erklärte Müller und beschrieb Tests mit Schweinekadavern. Franz Josef Kraus (FDP/NLE) wollte erst mit Bürgern sprechen. Christiane Meyer wollte aber erst eine klare Aussage vom Gremium, um dann die Bürger mit einer konkreten Lösung anschreiben zu können.

Thomas Dorscht stellte den Antrag, einen Beschluss zu dem Thema zurückzustellen, bis die Bürger über das System informiert sind. „Womit soll ich die Bürger informieren?“, fragte die Bürgermeisterin. Der Antrag wurde abgelehnt und die Räte beschlossen mit drei Gegenstimmen, dass bei einer Erst- oder Nachbelegung aufgrund eines früher erworbenen Grabnutzungsrechts eine Sargbestattung im Bereich I des Friedhofes nur unter Nutzung des Grabhüllensystems möglich ist.

Dann sollte der Rahmenplan zur Sanierung des Friedhofs Ebermannstadt beschlossen werden. Max Wehner vom Planungsbüro „Team 4“ stellte diesen in der Sitzung vor. Bestattungsmöglichkeiten wurden zum Beispiel angepasst und erweitert.

Es gibt einen Gedenkgarten

Es gibt einen Gedenkgarten für Urnenbestattungen und Bereiche für anonyme Gräber , Sozialgräber und „Sternenkinder“. Die Grünstrukturen sollen sukzessive ausgetauscht und neu geordnet werden. Es ist geplant, die Wege zu erneuern, die Treppen und Stützmauern zu sanieren, Sitzmöglichkeiten und Infotafeln sollen angebracht werden und der Eingangsbereich erneuert werden. Letzteres hat allerdings zur Folge, dass in diesem Bereich dann nur noch Urnenbestattungen möglich sind, obwohl hier auch Erdbestattungen ausführbar wären.

„Man will hier eine schöne Achse“, erläuterte Wehner. „Das ist ein sensibles Thema“, meinte Thomas Dorscht und forderte, den Punkt zurückzustellen, bis man den Bürgern erklärt habe, was geplant sei. Er beantragte, dem Tagesordnungspunkt nicht zuzustimmen und ihn so lange zurückzustellen, bis es eine Bürgerversammlung gegeben habe. Dem Antrag stimmte das Gremium zu, und Christiane Meyer war kurz sprachlos.

Wenn Räte „sich nicht trauen“

Erwin Horn forderte die Stadträte auf, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Schließlich waren sie von Fachleuten in Vorträgen informiert worden. Er zeigte sich überrascht, dass sich die Räte „nicht trauen, sich zu entscheiden, weil erst die Bürger befragt werden müssen“. Man werde wohl manchmal als Stadtrat für eine Entscheidung kritisiert, „aber man muss auch mal den Buckel dafür hinhalten“.

Am Ende sagte Horn: „Ich bitte Sie, in dieser Weise nicht weiter Stadtratsarbeit zu leisten.“ Franz Josef Kraus erinnerte an die Wahlversprechen der Räte, die Bürger immer mit einzubeziehen. Erwin Horn vermutete, dass es nicht jeder Fraktion um die Bürger gehe, sondern um Störmanöver.