Eine Spur der Gewalt hat ein 27-jähriger Kurde 2019 durch Forchheim gezogen. Unter seinen Fausthieben und Tritten, aber auch Stichen mit einer abgebrochenen Bierflasche und scharfen Glasscherben litten ein Landsmann, ein Rettungssanitäter , mehrere Polizisten und zwei junge Männer. Es kam zudem zu zahllosen Beleidigungen und Sachbeschädigungen . Am Amtsgericht Bamberg begann nun der Prozess mit einem Geständnis.

Sonntagabend ist es, kurz nach acht, als zwei Polizeistreifen die Asylbewerberunterkunft in der Serlbacher Straße ansteuern. Die Beamten sind an diesem 28. April 2019 vorsichtig, hat man sie doch über eine Messerattacke unterrichtet.

Als sie eintreffen, scheint sich der handfeste Streit in einem der Zimmer beruhigt zu haben. Sie nehmen den Bewohner mit hinaus, um seine Personalien festzustellen. Gerade bringt er seine Daten - mit der Motorhaube des Dienstwagens als Unterlage - zu Papier. Da kommt von hinten, wie aus dem Nichts, der Täter heran und versetzt dem Landsmann einen Fausthieb in den Nacken. "Vor den Augen der Polizei hat er mich geschlagen", sagt der Geschädigte.

Betrunken

Wie sich herausstellt, hat sich der betrunkene Täter im Gebäude das Smartphone eines Bekannten geschnappt, während der Mann noch mit seiner Freundin im Iran einen Videoanruf über Whatsapp führt. Dann hat der Kurde nichts Besseres zu tun, als damit auf die Toilette zu laufen, sich dort einzusperren und der ihm fremden Frau mit heruntergelassenen Hosen einen obszönen Gruß nach Persien zu senden. Wie man sich denken kann, kommt es nach dieser Aktion zum Streit. Der Bewohner will den Täter hinauswerfen.

An dieser Stelle gehen die Schilderungen auseinander. Während der Beschuldigte von einem Cuttermesser spricht, mit dem ihn der Bewohner angegriffen habe, spricht der im Zeugenstand wiederum von Glasscherben, mit denen er und der Bekannte mit dem Smartphone verletzt worden seien. Die Scherben seien durch zu Boden gefallene Gläser und Vasen entstanden.

Welche Version stimmt?

Es gibt Hinweise darauf, dass beide Versionen stimmen könnten: zum einen die Schnittverletzungen der beiden Asylbewerber, zum anderen eine von Schnitten in Mitleidenschaft gezogene Jacke des Gegenübers. Worin sich beide einig sind: Der Beschuldigte war wieder einmal betrunken und aggressiv. "Er trinkt jeden Abend und wird dann zu einem anderen Menschen", so der Landsmann.

Als die Polizisten den Täter nach seiner Attacke mitten auf der Straße in Gewahrsam nehmen wollen, kommt es zum Gerangel. Eine Faust trifft eine Beamtin im Gesicht - mit Absicht oder im Getümmel, niemand kann es hernach genau sagen.

Unter Aufbieten aller Kräfte und mit Hilfe eines Hüftwurfes gelingt es, den Angreifer zu Boden zu bringen und an den Händen zu fesseln. Dabei leidet die Diensthose eines Polizisten . Schaden: 37 Euro.

Auch in der Ausnüchterungszelle der Polizeiinspektion Forchheim kann oder will sich der Mann nicht beruhigen. Er kündigt an, sich selbst töten zu wollen. Das bedeutet die polizeiliche Unterbringung im Nervenklinikum Bamberg. Doch so ganz ohne Gegenwehr will sich der Kurde nicht nach St. Getreu transportieren lassen. Im Hof der Dienststelle sperrt er sich, als man ihn in den bereitstehenden Krankenwagen bringen will.

Einer der Rot-Kreuz-Sanitäter, der schlimmere Verletzungen bei den Beteiligten verhindern will, bekommt selbst einen Fußtritt gegen eine Hand ab. Die Folge ist ein Kapselriss im rechten Daumen.

Es bleibt aber nicht bei körperlicher Gewalt. Auch in Sachen Beleidigungen schlägt der Mann wild um sich. Eine der Polizeibeamtinnen nennt er eine "Schlampe", einen der uniformierten Ordnungshüter mit lichterem Haar einen "Scheiß-Glatzkopf" und einen "Scheiß-Nazi".

In den folgenden Berichten aus dem Amtsgericht Bamberg wird noch von zwei zusätzlichen Vorfällen während des Annafestes in Forchheim vor einer Kneipe mitten in der Stadt und in der Silvesternacht 2019 auf dem Parkplatz eines Discounters die Rede sein. Hier ging es mitunter noch blutiger zu. In zwei weiteren Verhandlungstagen vor dem Schöffengericht wird auch geklärt, ob der Kurde für längere Zeit hinter Gitter wandert oder mit einer Bewährungsstrafe davonkommt. Die beiden Schöffen und der Vorsitzende Richter Matthias Bachmann können schließlich bis zu vier Jahre verhängen.