Gerhard P. lächelt, wenn er über seine Treffen mit Brhane G. spricht. Man spürt, wie wichtig ihm der junge Mann geworden ist. Seit 2019 sind sie nun ein Team. Gerhard (78) als ehrenamtlicher Chancenpate der Awo Forchheim und Brhane (22) als sein Schützling. Und auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermuten würde, verbindet die zwei viel.

Gerhard kam 1958 als Spätaussiedler nach Deutschland. Auch für ihn war es ein langer Prozess, in Deutschland anzukommen und Anerkennung zu finden. Aber er hatte Unterstützung durch Freunde, für die er bis heute sehr dankbar ist. Jetzt, sagt Gerhard, möchte er etwas zurückgeben. Erst war er einige Jahre als Entwicklungshelfer in Indien und Moldawien tätig, bevor er begann, ehrenamtlich in Forchheim aktiv zu werden. Als gelernter Werkzeugmacher unterstützt er nun geflüchtete junge Menschen während ihrer handwerklichen Berufsausbildung. Einer dieser Menschen ist Brhane.

Der Weg des jungen Mannes zu Gerhard war lang. Mit 16 Jahren verließ er mit einem Freund aus Angst vor der Wehrpflicht sein Heimatland Eritrea. Ein Jahr dauerte seine Flucht. Sein Weg führte ihn zu Fuß nach Äthiopien, mit dem Auto und Bus in den Sudan, weiter nach Libyen und mit einem kleinen Boot nach Italien. Seine letzte Station war Forchheim , wo er nun seit 2017 lebt. Seit 2020 lernt Brhane jetzt den Beruf des Fahrzeuglackierers. Er ist mit Feuereifer dabei, ist stolz, dass er in seinem Lehrbetrieb in Pretzfeld schon richtig mit anpacken darf. Aber in der Berufsschule ist es für Brhane nicht einfach. Neben den sprachlichen Barrieren ist es vor allem der Fachunterricht, bei dem er Unterstützung braucht. Einmal die Woche treffen sich die beiden, wiederholen Schulstoff und üben fleißig Volumenberechnungen & Co. Und es trägt Früchte. Brhane ist mittlerweile ein guter Schüler und sagt selbst: „Gerhard hilft mir sehr. Unsere Treffen bringen mir nur Vorteile.“ Und damit meint er nicht nur Mathe und Deutsch . Gerhard ist mittlerweile ein Freund geworden. Er fühlt mit Brhane, wenn der ihm in einem ihrer vielen Gespräche gesteht, dass er einsam ist. Er macht ihm Mut, animiert ihn zu Kontakten und bringt ihm auch bei allen Treffen die deutsche Kultur ein bisschen näher.

Aber das alles ist keine Einbahnstraße. Auch Brhane erzählt. Über sein Leben in Eritrea. Seine Familie, seine fünf Geschwister. Seine Religion. Wie man feiert in Eritrea. Gerhard hört gespannt zu. Für ihn sind alle Schützlinge, die er betreut, individuelle und spannende Charaktere. Er freut sich, dass er ihnen helfen kann, in unserer Gesellschaft Fuß zu fassen. All das hilft Vorurteile abzubauen und zusammenzuwachsen. Aber der Weg ist noch weit, meint Gerhard. Und es kann nur funktionieren, wenn man diesen Weg gemeinsam geht. Dabei zählt jeder Einzelne. Ob jung oder alt. „Ich möchte noch gebraucht werden!“, sagt Gerhard. „Ich habe so viel zu geben, und genau das kann ich hier tun.“

Die Awo Forchheim freut sich über jeden neuen Interessenten, der im Rahmen des Projekts Chancenpaten ehrenamtlich Menschen unterstützen möchte. Interessenten können sich unter Telefon 09191/3405949 bzw. 0176/45558403 oder per E-Mail an nadja.haering-guentsch@awo-forchheim.de melden. Mehr Infos zum Projekt Chancenpaten finden sich auch auf www.awo-forchheim.de/integration-beratung-ehrenamt/chancenpaten. Und: Jeden Montag in der Zeit von 15 bis 18 Uhr treffen sich Bürger aus Stadt- und Landkreis sowie Asylsuchende in den Räumen des städtischen Jugendhauses in der Kasernstraße 7. Hier kann man bei Kaffee und Kuchen Erfahrungen austauschen.