Besonders da es die erste Ausstellungseröffnung im Pfalzmuseum seit März 2020 war - wie Oberbürgermeister Uwe Kirschstein in seiner Begrüßungsansprache betonte - konnte sie von den vielen Gästen wohl auch geradezu als Fest für Geist und Seele und praktisch für alle Sinne wahrgenommen werden. Die Atmosphäre im Pfalzinnenhof, der tatsächlich voll war, ließ das auch erspüren. Mit Klängen von Camille Saint-Saens , Osvaldo Golijov und Astor Piazzola umrahmten Kiara Konstantinou am Cello und Professor Radek Szarek von der Hochschule für Musik in Nürnberg an der Marimba die Einführung in die Ausstellung der beiden Künstlerinnen Claudia Wirth aus Egloffstein und Michaela Schwarzmann aus Eggolsheim.

Die Leiterin des Museums Susanne Fischer stellte die beiden Frauen als einerseits sehr unterschiedlich in ihrer jeweiligen Kunst, aber auch in dem, was sie verbindet vor: Bei Wirth steht der Mensch - auch aus verschiedenen Ländern und Kontinenten - im Zentrum ihres Schaffens, in unterschiedlichsten Situationen, bei allen möglichen Tätigkeiten: vom Laufen bis zum Schlafen. Oft dienen fotografische Schnappschüsse als Vorlage für das Malen oder Bilden von Figuren im Atelier.

Auch wenn Claudia Wirth ihre „Objekte“ sehr realistisch darstellt – aber durchaus beeinflusst durch den Impressionismus und bestimmte Strömungen des bis heute weiterlebenden Realismus selbst – so sind ihre Werke doch immer Transformationen in eine künstlerische Sprache, die ganz ihre eigene ist. Das erkennt man auch als Laie zum Beispiel an den speziellen Kompositionen und auch an den zum Teil mehrdeutigen Titeln. Im ersten Moment fast etwas „gruselig“ erscheinen einige Bilder der Serie „Schlaf“. Während Claudia Wirth mit Öl auf Leinwand oder Plexiglas malt, arbeitet Michaela Schwarzmann in den vergangenen Jahren hauptsächlich mit Papier - meist weiß und zart, in japanischer Art mit Blumen und Blüten bemalt und sogar zu langen Booten gefaltet, die (fast unsichtbar aufgehängt) zwischen dem Gewölbe des Kaiserpfalzsaales und dem Boden zu schweben scheinen.

Michaela Schwarzmann hat wie auch Claudia Wirth in Nürnberg an der Akademie der Bildenden Künste studiert und besuchte dort auch die Textilklasse von Professor Eusemann. So verwundert es nicht, dass sie bei ihren Werken oft Papier und Fäden zusammenbringt, ja, sozusagen mit der Nähmaschine malt. Zwischen dem vielen Weißen und Zarten fällt in der Ausstellung eine Kombination von zwei schwarzgrundigen Werken auf mit dem Titel: „Erkenne Dich selbst“. Die in diesem Fall dicht genähten Fäden in dafür gut nachvollziehbaren Farben stellen jeweils die Iris eines Auges dar – und gerade wegen des schwarzen Hintergrundes kann man beim Betrachten dieser „Augen“ recht nachdenklich werden. Elisabeth Görner