Heroldsbach  — Bereits seit vielen Jahren steht die bayerische Handhabe beim Übertritt von der Grundschule an die weiterführenden Schulen in der Kritik: Fast wöchentlich schreiben Grundschüler der 4. Klassen bis zu zwei Proben. Der Druck ist enorm. Am Ende gibt der Schnitt aus den Fächern Mathematik, Heimat- und Sachkunde (HSU) sowie Deutsch den Ausschlag, auf welche Schule ein Kind danach gehen darf.

Die Soziologin Ruth Zeifert hat mit weiteren Eltern eine Petition im Internet gestartet. Sie möchte die bayerische Regierung dazu bewegen, aufgrund der Corona-Krise die Übertrittsentscheidung dieses Jahr die Eltern in Abstimmung mit der Lehrkraft fällen zu lassen.

Der Fränkische Tag hat sich an der Heroldsbacher Grundschule umgehört. Die beiden Freunde Felix und Ben (Anm. d. Redaktion: Namen geändert) gehen in die vierte Klasse der Heroldsbacher Grund- und Mittelschule . In den knapp dreieinhalb Monaten Schule von September bis Dezember haben sie sich für ihre Leistungsnachweise gut vorbereitet und auch entsprechend gute Noten erzielt.

Ein möglicher Wechsel auf die Realschule reifte in ihren Köpfen. Sie fanden sogar Gefallen am Wettstreit um gute Note. Sie wurden zielstrebig und freuten sich darauf, gemeinsam an eine weiterführende Schule zu wechseln.

Seit 16. Dezember kein Präsenzunterricht

Dann kam der zweite Lockdown. Seit 16. Dezember kämpfen sich die beiden Freunde, wie auch ihre Mitschüler, alleine durch ihre Wochenpläne, Arbeitsblätter und regelmäßigen Videokonferenzen. Ihre Eltern sind beide berufstätig und versuchen ihr Möglichstes, um für die Fragen und Kontrollen am Nachmittag oder Abend Auskunft und Antworten zu geben. "Da muss man sich auch als Erwachsener manchmal wieder richtig reindenken. Das kostet Zeit und dann auch Nerven, die man nicht immer behält", sagen die Mütter der beiden Schüler .

Anruf der Klassenleitung

Letzte Woche bekamen die Eltern aus Heroldsbach einen Anruf der Klassenleiterin, die ihnen die momentanen Noten in den wichtigen Übertrittsfächern Mathematik, Deutsch und HSU mitteilte. Ben hat den notwendigen Notendurchschnitt für den Schulwechsel erreicht, Felix hat den Schnitt knapp verfehlt. "Das belastet Felix schon sehr und er ist seitdem auch ziemlich geknickt. Die Ungewissheit, wann er wieder in die Schule darf, um seinen Notendurchschnitt zu verbessern, ist das Schlimmste", erzählt Felix Mutter.

Auch Ben ist nicht glücklich, da er ohne seinen Freund nicht wechseln möchte.

Die beiden Familien stehen exemplarisch dafür, was Kinder und Eltern im Augenblick aushalten, und mit welchen Zukunftsängsten sich die beiden Freunde auseinandersetzen müssen.

Wäre der Grundschulübertritt durch den Willen der Eltern in diesem Fall die entspannteste Lösung für alle Beteiligten? Peter Walter , der Rektor der Grund- und Mittelschule Heroldsbach , sagt dazu: "Die Verunsicherung ist bei allen Abschlussklassen spürbar, ob nun bei den 4. Klassen der Grundschule oder auch bei den 9. Klassen der Mittelschule ." Die Sorge der Eltern sei verständlich, auch wenn er seine Mittelschule in Diskussionen immer unter Wert verkauft sieht.

Das Kultusministerium reagierte bereits mit dem Verschieben der Zeugnisse, dem Reduzieren der Proben und der Anpassung des Probeunterrichts.

Zweifelsohne hat das Corona-Jahr eine besondere Bedeutung, worauf sich auch die weiterführenden Schulen eingestellt haben. Die Beratungsangebote durch Schulleitung, Schulpsychologin oder Beratungslehrkraft der Grundschule oder der gewünschten weiterführenden Schulen seien ausgeweitet worden.

Rektor Walter empfiehlt allen Eltern , diese zu nutzen. "Wir lassen die Eltern und Kinder nicht allein, erst recht nicht in dieser besonderen Situation", sagt er und weiter: "Die Lehrkräfte kennen die Kinder in der Regel schon seit längerer Zeit. In der Schule sind die Kinder oft anders als daheim."

In engem Austausch mit Lehrkraft bleiben

Deshalb empfiehlt er den Eltern , in engem Austausch mit der Lehrkraft zu bleiben und dadurch die beste Entscheidung für das Kind treffen zu können. Eltern sollten die Entscheidung objektiv für ihr Kind treffen.

Ob sich die Petition der Soziologin Ruth Zeifert durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Viel Zeit ist nicht mehr. Der Leitsatz des bayerischen Schulsystems lautet: Viele Wege führen zum Ziel. Es bietet jeder Schülerin und jedem Schüler seinen eigenen Bildungsweg angepasst an die individuellen Lebensphasen. "Das Kind soll aber auch Kind bleiben dürfen", betont Rektor Walter und sagt weiter: "Für den Schulerfolg sind mehrere Faktoren relevant, nicht alles ist vorhersehbar."