Die Kirche „Unsere liebe Frau“ in Dormitz ist saniert und erstrahlt in neuem Glanz. Der Bamberger Weihbischof Herwig Gössl und Pfarrer Joachim Cibura feierten am Kirchweihsonntag die Fertigstellung des sanierten Innenraums der Kirche .

„Es ist schön“, sagte Pfarrer Cibura, „dass wir nach langer Zeit wieder in unserer Kirche unseren Gottesdienst abhalten können.“ Einen besonderen Dank richtete er an die Gemeinde Dormitz , die während dieser Zeit die Mehrzweckhalle für die Abhaltung der Gottesdienste bereitgestellt hatte. Seit 2017 durften die Dormitzer ihre Kirche nicht betreten.

Deckenfresko abgestürzt

Teile des Deckenfreskos „Maria Verkündigung“ hatten sich gelöst und machten eine Sperrung notwendig. Seitdem lief die Planung und Sanierung auf Hochtouren. Der Schreck saß tief, als im November 2017 der Putz von oben auf die Kirchenbänke krachte und ein zwei bis drei Quadratmeter großes Stück des Deckengemäldes auf die Kirchenbänke stürzte.

Bamberger Hofstukkateur

Auf eine lange Geschichte kann das Gotteshaus zurückblicken. Es stelle in seiner Bauweise und Ausstattung ein künstlerisches Kleinod dar, erzählt Kirchenpfleger Nikolaus Demharter. Der besonders reiche Deckenstuck aus dem Jahr 1723 stammt vom Bamberger Hofstukkateur Johann Jacob Vogel, die Fresken vom Thüngersheimer Maler Georg Sebastian Urlaub. Das beschädigte Deckenfresko wurde nun originalgetreu wiederhergestellt.

Es ist eine Sanierung mit Aha-Effekt, denn die Kirche bekommt nicht nur ein neues farbliches Raumgefühl, sondern ein Deckenfresko zurück, das dazu beiträgt, die Stuckornamente von Johann Jacob Vogel mit dem Fresko als Gesamtkunstwerk wahrzunehmen. Ausführender Kirchenmaler war der Künstler Franz Fersch. „Wo die Grenze zwischen Original und der Wiederherstellung verläuft, konnten weder Pfarrer Cibura noch mein Vorgänger Josef Vollmann sagen“, berichtet der Kirchenpfleger Demharter.

Farben mit historischen Pigmenten

Bei den Farben wurden historische Pigmente verwendet, erläutert Demharter. Die Farben müssen alkali-beständig sein und dürfen keine organischen Farbstoffe enthalten. Circa 15 verschiedene Pigmente reichen aus, die je nach Ton gemischt werden, um den originalen Farbton möglichst exakt zu treffen.

Am wichtigsten war allerdings, dass der Stuck nun wieder eine feste Verbindung zur Unterkonstruktion hat und die gesamte Konstruktion nun wieder stabil ist. Der Dachstuhl und die Dacheindeckung der Kirche mussten dazu zuerst saniert werden. Erst die Fertigstellung dieses Bauabschnitts machte es möglich, dass die restauratorische Arbeit der Deckenbereiche erfolgen konnte. Die Neueindeckung des Dachstuhles war erforderlich, um die zimmermannsmäßige Sanierung der Dachbalken sowie Konstruktionshölzer durchführen zu können.

Auch beim Dachstuhl zeigte sich, dass heute anders saniert wird als noch vor wenigen Jahrzehnten. Ersetzte man früher beschädigte Balken einfach komplett, erhält man nun so viel Originalsubstanz wie möglich. Der Langhausdachstuhl überspannt als Satteldach den Kirchenraum mit 10,84 Metern Breite. Die durch Feuchtigkeit geschädigten Konstruktionshölzer wurden entfernt und durch neue ersetzt. Statt grobschlächtiger Ausbesserungen sorgen nun unsichtbare Vollgewindeschrauben in den Sparrenfußpunkten handwerklich vollendet für neue Stabilität.

Die Sanierung selbst erwies sich jedoch aufwendiger als gedacht, denn immer wieder zeigten sich Schäden, die erst bei näherer Betrachtung erkennbar waren. Ein neuer Laufsteg im Mittelbereich der Dachbalkenlage ermöglicht jetzt die gefahrlose Begehung zum Glockenturm und Chordachstuhl. Außer dem Dach und dem Dachstuhl wurde auch der Kirchturm renoviert. Das Schieferdach des Kirchturms ist ebenfalls erneuert worden. Der Dachreiter am Westgiebel erstrahlt in alter Pracht mit neuem Blattgoldkleid. Die Kugel und das Kreuz auf dem Kirchturm wurden neu vergoldet.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,4 Millionen Euro, wovon die Erzdiözese 910 000 Euro trägt. Der Eigenanteil der Kirchengemeinde beträgt 140 000 Euro. Weiter beteiligten sich finanziell die Oberfrankenstiftung mit 131 500, die Landesstiftung Bayern mit 55 500, die Denkmalpflege mit 30 000, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 100 000 und Gemeinde Dormitz mit 33 000 Euro.