Erstmals erwähnt wird der Baiersdorfer Judenfriedhof 1388; 1273 Grabsteine sind dokumentiert. Historiker Horst Gemeinhardt schätzt, dass 700 bis 800 untergegangen sind. Die einen, weil sie im Laufe der Zeit im Boden versanken; zum anderen gab es erhebliche Zerstörungen während der NS-Zeit. Aber auch danach verfielen welche. Das ergibt sich aus einem Vergleich der Dokumentationen und Lagepläne, die 1948 angefertigt wurden, und der jüngsten Erfassung. Die letzte Grabsteinsetzung fand 1938 statt; bestattet ist Helene Strauß, die in Forchheim starb. Nur als mündliche Überlieferung weiß Gemeinhardt, dass auf Transporten der Nazi-Schergen umgekommene Juden auf dem Friedhof „verscharrt“ wurden. Es sollen auch amerikanische Soldaten jüdischen Glaubens dort begraben sein, weil nach jüdischem Ritus Tote alsbald in die Erde gesenkt werden sollen. Für sie wurden nie Grabmäler errichtet, so dass über die Lage der Gräber nichts bekannt ist.

Zweisprachige Inschriften

Die Grabstätte der Helene Strauß liegt in den jüngeren, noch dicht geschlossenen Reihen unmittelbar beim heutigen Eingang. Die Inschriften dort sind zweisprachig, teilweise sind nur mehr die Abkürzungen für „hier ruht“ und „Die Seele möge in das Bündel des Lebens eingeschrieben sein“ in hebräischer Schrift verfasst. So sind leicht die Namen herauszufinden. Namen, die den Forchheimern geläufig waren und sind, wie Kleemann, Gröschel, Keiner oder Braun.

Die Texte in lateinischer Schrift sind meist kurz und geben nur Namen und Geburts- und Sterbetag sowie den Ort an. Gemeinhardt zeigte es am Grabmal für Philipp Hirschkind, den letzten jüdischen Metzger Baiersdorf , der auch sehr viele christliche Kunden hatte und in der Gemeindepolitik und der Feuerwehr engagiert war. Das weiß man aus erhaltenen Dokumenten. Im relativ langen hebräischen Text auf dem Grabstein steht davon wenig, mehr über seine Wertschätzung der Religion und ihre Bräuche. „Nur im Deutschen steht der bürgerliche Name; im hebräischen Teil wird der Mann mit seinem rituellen Namen als Feifel haLevi, Sohn des Mordechai Levi bezeichnet“, machte der überaus kundige Führer aufmerksam. Geschmückt ist der Grabstein mit einer Kanne, dem Symbol für den Stamm Levi, der in alttestamentlicher Zeit den Tempeldienst versah. Im älteren Teil des Friedhofs ragen die Grabmale für die Rabbinerfamilie Diespecker heraus. Der Sohn Simon hatte in bayerischer Zeit die Stelle des Distriktsrabbiners inne. Zu markgräflicher Zeit trugen die Baiersdorfer Rabbiner den Titel Landesrabbiner, weil ihr Rechtsprechungsbereich weit über den kleinen Ort hinausreichte. Dieses Amt bekleidete sein Vater David. Zwischen beiden ruht die Ehefrau des Simon. Die Grabsteine der angesehenen Religionsgelehrten sind reich geschmückt und aufwändig gearbeitet.

Broschüre

Der Anlass für den Besuch ist eine Broschüre, die die Stadt Baiersdorf über das Bet Haolam (Haus der Ewigkeit) herausgegeben hat. Zu den Herstellungskosten trug Forchheim 7000 Euro bei, weil seit alters her jüdische Forchheimer in Baiersdorf begraben wurden.