Seit die Regierung uns abends einsperrt, gehen vielen Menschen die Beschäftigungsideen aus. Die Antwort auf die Frage nach der Freizeitgestaltung lautet vor allem bei jungen Menschen: Filme und Serien auf Amazon-Prime oder Netflix. Die Inhalte dieser Streamingdienste im Internet sind breitgefächert, die Kosten überschaubar und die Anmeldung ist kinderleicht. Also ist selbst der Lockdown kein Thema mehr. Klingt zu schön um wahr zu sein? Ja, denn das audio-visuelle Überangebot hat auf Dauer enormes Suchtpotenzial. Irgendwann entscheidet der Algorithmus, was der Konsument schaut, weniger sein wirkliches Interesse. Die Nutzer lassen sich Stunde um Stunde berieseln – oft mit platten Inhalten und stumpfen auf Dauer ab. Eine gute Alternative zu Netflix & Co. ist der Griff ins Bücherregal. Damit hierbei das Kopfkino anläuft, bedarf es natürlich mehr Geduld und mehr Konzentration. Der Leser muss die Geschichte Seite für Seite erarbeiten, manches vielleicht auch doppelt lesen. Zugegeben: Das kann ermüden. Fest steht jedoch: Die eigene Vorstellungskraft ist oft spannender als klischeehafte Hollywoodbilder und jedes gute Buch ist ein Stück heile Welt in einem Universum aus oberflächlichen Unterhaltungsmedien und Reizüberflutung.

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