Für die Musiker war es ein „Befreiungsschlag“, wie es die Konzertmeisterin Lisa Schlund formulierte, für die 750 Besucher in der Konzerthalle Bamberg ein phänomenales, mitunter emotionales Erlebnis. Die Rede ist vom Frühlingskonzert der Bläserphilharmonie Forchheim des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen, das nach zweijähriger coronabedingter Pause wieder stattfinden konnte. Befreit von Maskenzwang und Abstand, umso mehr deshalb in enger Bindung zu diesem Klangkörper, dem Aushängeschild des Musikvereins , der im nächsten Jahr sein 50. Vereinsjubiläum begehen kann.

Die Konzerte auf der großen Bühne der Bamberger Symphoniker sind inzwischen Tradition, Höhepunkt des Jahres und gleichzeitig Herausforderung, sinfonische Bläsermusik in ihren schönsten Facetten darzubieten, meist ergänzt mit dem Glanz herausragender Solisten.

Am Ostersonntag war es der Tenorhornist Alexander Wurz , einer der gefragtesten Instrumentalisten und stilprägender junger Musiker im Bereich Tenorhorn, Bariton und Euphonium. Umso stolzer ist der Veranstalter, dass Alexander Wurz seine musikalische Ausbildung mit sieben Jahren beim Musikverein Buckenhofen begann und nach dem Hochschulstudium sein Talent in den Dienst von Spitzenorchestern bei Bundeswehr und Polizei stellte.

Der Vorstandsvorsitzende Bernd Froese bezog sich bei seiner Begrüßung auf den Slogan „#musikvereint“, der alle Musiker, die den Verein in sechs Orchestern repräsentieren, durch die Zeit der Pandemie getragen habe. Trotz der Corona-Beschränkungen habe gemeinsam viel gestaltet und umgesetzt werden können.

Eine Woche vorher hatte sich die Bläserphilharmonie unter der Leitung ihres Dirigenten Mathias Wehr mit den besten Orchestern aus Europa beim internationalen Wettbewerb „Flicorno d’Oro“ in Riva del Garda (Italien) gemessen. Die Begeisterung für dieses Musizieren auf höchstem Niveau und die Konzentration „auf den Punkt“ hat man mit nach Bamberg genommen. Durch so manches Sturmgetöse, angetrieben vom Blitz und Donner des Schlagwerkes und dem Grollen aus dem tiefen Blech, andererseits über die Klippen filigranen Leuchtens von den Holzbläsern und Waldhörnern führte Mathias Wehr mit großem Gestus und emotionaler Hingabe.

„Conzensus“, eine viel gespielte Eröffnungsnummer des Holländers Jan van der Roost, beginnt mit weichem Wohlfühlklang, um dann abrupt auf Chaos zu wechseln, Gefühlsschwankungen implizierend. Die Pandemie erleiden, kann die Musik helfen? Das fragte Moderator Christian Libera. Musik sei Suche und Finden mit dem Herzen, seine Erklärung. Musikalisch ausgedrückt von „The Seeker“, der Suchende, von David Maslanka. Der meditative Einstieg wird von Blechgewitter zerrissen, dann folgen ruhige, choralhafte Erholungsphasen vor dem energiegeladenen schnellen Hauptteil.

Ein Pantomime drückt sich durch Körpersprache aus und vermittelt eine Gefühlswelt, die jeder versteht. Den Komponisten Philip Sparke reizte das, ein Solowerk „Pantomime“ für Euphonium zu schaffen. Mit allen Gefühlsschwankungen, die da umzusetzen sind.

Alexander Wurz nahm die Herausforderung an und versetzte damit das Publikum in Erstaunen und Begeisterung, um im zweiten Teil mit „The Hot Canary“ von Ferdinand Poliakin eines draufzusetzen. Was Geschwindigkeit und Tastenakrobatik betrifft, ist jedem der „Hummelflug“ von Rimski Korsakow geläufig. Alexander Wurz steht ebenbürtig daneben mit einem Werk, das ursprünglich für Solovioline geschrieben worden ist. Tosender Beifall!

„Kino für die Ohren“ kündigte Christian Libera das Stück „Ghost Train“ von Eric Whitacre an. In der Tat, der Geisterzug brauste über die Schienen, an sich schließenden Schranken vorbei und mit dem zweistimmigen Pfeifen des Western Express durch die wilde Epoche der USA. Fortgesetzt dann mit der Filmmusik „Die Cowboys“ von John Wiliams. Vor dem geistigen Auge zieht John Wayne mit seiner Herde durch die Prärie, breit unterlegt in musikalischer Cinemascope von der Bläserphilharmonie Forchheim . Längst waren die Zuhörer zu Standing Ovations aufgesprungen. Der Klassiker „There's no business like show business“ und zwei Zugaben sorgten für ein beschwingtes Nachhausegehen.

Für 50 Jahre Treue wurde Willy Saffer beim Konzert geehrt. Der fast 90-Jährige hatte den Musikverein 30 Jahre lang als Dirigent geleitet und die Grundlagen für den heutigen Erfolg gelegt. Mike Wuttke