Am Landgericht Bamberg wird derzeit vier Mitgliedern einer Drogenbande der Prozess gemacht. Das Quartett soll im letzten Sommer und Herbst mehr als zwei Kilogramm Speed in den Landkreis Forchheim geschmuggelt haben. Die Mitglieder eines Motorradclubs müssen mit empfindlichen Haftstrafen zwischen drei und sieben Jahren rechnen.

Mehr als zwei Stunden wird hinter verschlossenen Türen verhandelt. Dort prallen die Vorstellungen der Staatsanwältin Ursula Redler und der vierköpfigen Verteidiger-Riege aufeinander. Dann haben sich fast alle auf einen Deal geeinigt: Die Angeklagten werden gestehen und so das Verfahren beschleunigen. Dafür bekommen sie eine niedrigere Strafe in Aussicht gestellt.

Nur einer will am Ende nicht mitmachen: Ein 46-jähriger Mann aus Filderstadt, der gerne eine Bewährungsstrafe hätte, um keinen Tag länger hinter Gittern sitzen zu müssen. Ob diese Strategie klug ist, wird sich noch zeigen. Immerhin hat der Vorsitzende Richter Markus Reznik mit dem Vorschlag der Strafkammer von mehr als fünf Jahren bei einer Verurteilung schon die Richtung vorgegeben.

Innerhalb der Bande gibt es nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Bamberg eine klare Aufgabenteilung. Es gibt den Chef, der alles steuert und den Überblick hat. Er zahlt auch alle Auslagen. Es gibt die Kuriere, die den Stoff aus Berlin holen, weil der Chef schon lange keinen Führerschein mehr hat. Das hat er einigen Urteilen der Amtsgerichte Hersbruck, Wiesloch und Bayreuth wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, aber unter Drogeneinfluss, zu verdanken.

Mit Betäubungsmitteln entlohnt

Die Fahrer bekommen das Benzin ersetzt und werden mit Betäubungsmitteln entlohnt. Denn alle vier sind augenscheinlich selbst abhängig. Das wird wohl an einem der nächsten Verhandlungstage der psychiatrische Sachverständige Thomas Wenske aus Erlangen berichten. So könnte es sein, dass das Quartett auch mit einer Unterbringung in der geschlossenen Abteilung einer Entziehungsanstalt rechnen muss, die bis zu zwei Jahre andauern kann.

Und es gibt einen Betreuer, der die Rauschgiftlieferanten an der Spree kennt und die illegalen Geschäfte anbahnt. Ausgerechnet der 23-jährige Mann ist es, der seine Komplizen unter Zugzwang gesetzt hat: Er hat nicht nur seine Taten, darunter auch Drogengeschichten mit kiloweise Cannabis zu Protokoll gegeben, er hat auch die „Kollegen“ bei der Polizei schwer belastet. Das bringt ihm einen Bonus bei der Höhe der Strafe .

„Bewaffnetes Handeltreiben“

Das ist auch nötig, denn angeklagt ist das „bewaffnete Handeltreiben“, dessen Strafe ab fünf Jahren Gefängnis beginnt. Immerhin fanden Verkehrspolizisten bei einer Fahrzeugkon­trolle auf dem Autobahnparkplatz Lipperts im Landkreis Hof nicht nur einen Rucksack mit einem Kilo Amphetamin. Sie stießen auch auf drei unterschiedlich lange Messer. Alle wären sofort zur Hand gewesen, wenn es Streit mit den Lieferanten oder den Kunden über Qualität oder Preis der weißen Ware gegeben hätte.

Bis auf einen haben alle Angeklagten ellenlange Vorstrafenregister. Der Bandenchef etwa leistete mit Tritten Widerstand gegen Polizisten , verpasste einem schlafenden Mann mit Schlaghandschuhen eine Abreibung und erpresste bei einem seiner Drogenverkäufer das ausstehende Geld, indem er ihn verprügelte, um danach dessen Motorrad als Pfand mitzunehmen. Einem anderen Mitglied seiner damaligen Bande im Landkreis Nürnberger Land drohte er, ihm die Birne wegzuschießen.

Dann wäre da noch der „Berlin-Kenner“, der das Amtsgericht Forchheim schon seit neun Jahren beschäftigt. Er fuhr unter Drogeneinfluss durch Erlangen, sprayte in Ebermannstadt Gullydeckel und anderes an, stahl eine Flasche Whisky und kaufte sich mehrfach kleinere Mengen Rauschgift .

Da ist der Mann aus Filderstadt mit rund 20 Vorstrafen schon ein ganz anderes Kaliber. Er verletzte seine Freundin mit einem Küchenmesser am Hals und drohte ihr noch Schlimmeres an. Dann durchschlug er an drei Stellen die Zimmerwand. Er beleidigte seine Schwägerin und kündigte an, sie und ihre Tochter sexuell zu missbrauchen. Er bedrohte seinen Bruder mit einer 20-Zentimeter-Klinge und drohte ihm mit dem Tod. Und zuletzt kündigte er auch noch drei Polizisten an, sie umzubringen.

Mit dem Stoff versorgte die Bande nach Erkenntnissen der Ermittler nicht nur sich selbst. Sie verteilte das mit ordentlich Koffein gestreckte Amphetamin auch in der Region. Mit dem Erlös besserte man die Vereinskasse des Motorradclubs auf. Dessen Anhänger, kenntlich an den Emblemen auf der Kleidung oder den Tätowierungen auf der Haut, sind im Zuschauerraum des Landgerichts anwesend. Damit die Sympathisanten nicht erfahren, wo sich der „Verräter“ aufhält, der ihre Biker-Freunde bei den Ermittlungsbehörden angeschwärzt hat, verhindert Rechtsanwältin Shanti Ray-Voigt aus Forchheim, dass die neue Adresse ihres Mandanten vorgelesen wird. Der Prozess ist auf sechs Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil wird am 15. Juni gerechnet.